Axel Schulz, Leiter des Demminer Jugendzentrums: Es geht auch um Wertschätzung.
Axel Schulz, Leiter des Demminer Jugendzentrums: Es geht auch um Wertschätzung. Thoralf Plath
Kinder interviewen Zeitzeugen

Wie war das eigentlich - damals, nach dem Krieg?

Im Jugendhaus auf der Friesenhöhe wächst gerade eine Idee: Junge Demminer interviewen alte Demminer. Das Jahr 1945 und die Zeit danach - erinnert von jenen, die es erlebten, reflektiert in Begegnung mit der Generation der Urenkel. Man darf gespannt sein, was draus wird.
Demmin

Als die Demminer Volksbank jüngst ihr 150. Jubiläum feierte, war mit Präsenten durchaus zu rechnen, etwas zu schenken ist üblich zu solchen Anlässen. Die Volksbanker baten um – Geld.

Nicht etwa für sich, sondern um ein Projekt des Jugendzentrums auf der Friesenhöhe mit Spenden und Zuschuss zu unterstützen. Axel Schulz, Gemeindepädagoge und Leiter des Jugendhauses, plant mit Schülerinnen und Schülern einen Dokumentarfilm zu drehen über die Zeit in Demmin unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie Schulz über seine Idee beschrieb, klang spannend genug: Welche Antworten können uns Menschen und Häuser heute noch geben aus jener Zeit vor sieben Jahrzehnten?

Ein paar Tage wartete das Finanzinstitut nach der Feier noch ab, weil der Spendenaufruf auch in der Jubiläumszeitung abgedruckt worden war, jetzt wurde es Zeit für einen ersten Kassensturz: Rund 1900 Euro hat die Sammlung zusammengebracht. „Wir werden von unserer Seite auch noch einmal einen Betrag drauflegen“, kündigt Volksbank-Mitarbeiterin Manuela Bauch an.  Jugendzentrums-Chef Axel Schulz freut das sichtlich zu hören. Er weiß, schlichtweg aus Erfahrung weiß er es: Selbstverständlich ist es nicht gerade, in Demmin aus Wirtschaft und Gesellschaft heraus finanziellen Rückenwind für ein Vorhaben der Kinder- und Jugendarbeit zu bekommen.

20-Minuten-Film soll entstehen

Die Idee: Junge Demminer interviewen alte Demminer über deren Erlebnisse in der Stadt nach 1945 und in der frühen Nachkriegszeit. Aus den mit Cam und Mikro aufgezeichneten Gesprächen soll am Ende ein etwa 20-minütiger Film geschnitten und öffentlich aufgeführt werden. Auch im Internet wird das Stück zu sehen sein, auf der Video-Plattform YouTube etwa, vielleicht einschließlich des Making Of.

Schulz wagt sich an ein sensibles Thema, und das ist ihm wohl auch klar. „Man muss den Misserfolg mit einplanen bei so einer Geschichte“, sagt er. „Wie wahrheitsfähig und wahrheitswillig sind die Zeitzeugen noch? Welche Fragen werden die Jugendlichen stellen, wie reagieren die Befragten darauf? Da ist manches offen. Aber auch das ist ein Reiz an diesem Projekt.“ Ein Projekt, das ein wenig wohl auch in einer persönlichen Motivation wurzelt: „Die Begegnung mit älteren Generationen wird mir immer wichtiger.“

Über den Film hinaus geht es dem Gemeindepädagogen in diesem aktuellen Plan wieder um ein ambitioniertes Ziel engagierter Kinder- und Jugendarbeit: Jungen Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass sie etwas wert sind, dass Gaben und Talente in ihnen stecken. Die ersten Interessenten für seine Dokfilm-Idee hat Schulz schon - junge Leute zwischen 9 und 16 Jahren.

Auch des sozialen Engagements und seines integrativen Ansatzes wegen will die Volksbank das Filmprojekt weiter unterstützen - auch während der Produktionsphase. „Wir sehen uns als Partner“, sagt Manuela Bauch. Eine örtliche Bank, das städtische Jugendzentrum und die evangelische Kirche als Träger der Kinder- und Jugendarbeit auf der Friesenhöhe - so eine Kooperation gibt es in Demmin auch nicht alle Tage. Film ab!

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