Karl-Alfred Feußner, der Mann im roten Overall, machte den Tutower Flugplatz zu einem Treffpunkt für Piloten von pr
Karl-Alfred Feußner, der Mann im roten Overall, machte den Tutower Flugplatz zu einem Treffpunkt für Piloten von privaten Kleinflugzeugen. Der Ultraleichtflieger ließ sich Ende der 90-er Jahre auf das Wagnis einer zivilen Nutzung von Rollbahn und Tower ein. Sammlung privat/ZVG
Blick auf den Tutower Flugplatz im Jahr 2002. Den Tower ließ der neue Betreiber komplett neu verglasen.
Blick auf den Tutower Flugplatz im Jahr 2002. Den Tower ließ der neue Betreiber komplett neu verglasen. Sammlung privat/ZVG
Privatflieger aus ganz Deutschland und der Schweiz steuerten den Tutower Flugplatz sehr gern an. Foto: Privatsammlung/ZVG
Privatflieger aus ganz Deutschland und der Schweiz steuerten den Tutower Flugplatz sehr gern an. Sammlung privat/ZVG
Blick in die Flugzeughalle, die von den Piloten gern genutzt wurde, um ihre Maschinen dort unterzustellen, während sie al
Blick in die Flugzeughalle, die von den Piloten gern genutzt wurde, um ihre Maschinen dort unterzustellen, während sie als Touristen die Region rund um Tutow auch per Kanu oder zu Fuß erkundeten. Sammlung privat/ZVG
Ab 2002 öffnete sich, dank Karl-Alfred Feußner, der Tutower Flugplatz für die zivile Nutzung.
Ab 2002 öffnete sich, dank Karl-Alfred Feußner, der Tutower Flugplatz für die zivile Nutzung. Sammlung privat/ZVG
Der Blick in die neue Zukunft des Tutower Flugplatzes: Als erstes ließ Karl-Alfred Feußner den Tower neu verglasen
Der Blick in die neue Zukunft des Tutower Flugplatzes: Als erstes ließ Karl-Alfred Feußner den Tower neu verglasen, 2002 gab es dann die offizielle Eröffnung als Verkehrslandeplatz. Stefan Hoeft
Mit Herzblut und Mostrich für Tutow: Im Mai 2002 machte Karl-Alfred Feußner sogar an einem Infostand auf der Intern
Mit Herzblut und Mostrich für Tutow: Im Mai 2002 machte Karl-Alfred Feußner sogar an einem Infostand auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin Werbung, mit dabei auch einige Becher Tutower Senf. Stefan Hoeft
Die riesige alte Reparatur- und Wartungshalle diente als Garage für zahlreiche Fluggeräte von Karl-Alfred Feuß
Die riesige alte Reparatur- und Wartungshalle diente als Garage für zahlreiche Fluggeräte von Karl-Alfred Feußner (links) und seine Mitstreiter. Stefan Hoeft
Mit Herzblut und Senf für Tutow: Im Mai 2002 machte Karl-Alfred Feußner sogar an einem Infostand auf der Internatio
Mit Herzblut und Senf für Tutow: Im Mai 2002 machte Karl-Alfred Feußner sogar an einem Infostand auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin Werbung. Stefan Hoeft
Verrückt und mutig

Wieso sich ein Wessi aus heiterem Himmel in Tutow verliebte

Ein Jubiläum der besonderen Art: Vor 20 Jahren begann in Tutow ein neues Kapitel der Flugplatz-Geschichte. Karl-Alfred Feußner aus Nordrhein-Westfalen war daran wesentlich beteilgt.
Tutow

Die Idee hatte ihm der Himmel geschickt. Der leidenschaftliche Flieger von Ultraleicht-Flugzeugen Karl-Alfred Feußner war schockverliebt, als er das erste Mal das Gelände des Tutower Flugplatzes aus der Luft sah. Das war 1995. Damals ahnte er noch nicht, dass genau dieses Gebiet für ihn zu einer der größten Herausforderungen seines Lebens werden würde.

Fluplatz für zivile Nutzung

Denn am 28. März vor genau 20 Jahren, nachdem er viele bürokratische Hürden überwunden hatte, öffnete der Mann aus Nordrhein-Westfalen den Flugplatz für die zivile Nutzung. „Dieser Schritt hat mein ganzes Leben verändert“, sagte Karl-Alfred Feußner jetzt in einem längeren Telefon-Gespräch mit dem Nordkurier. Es dauerte ein kleines Weilchen, bis er bereit war, über seine Zeit in Tutow zu plaudern. Dabei hat er doch etwas geschafft, was noch kein anderer vor ihm gewagt hatte: Der Tutower Flugplatz konnte erstmals von Privatpersonen angesteuert werden. Das dankten ihm Flieger aus ganz Deutschland und der Schweiz. Die teilten mit ihm nämlich nicht nur die Begeisterung für die über zwei Kilometer lange Start- und Landebahn. Denn gemeinsam mit Partnern aus der Region und auch mit der Unterstützung der Gemeinde Tutow im Hintergrund bot der Freizeit-Pilot touristische Erlebnistouren, Gästezimmer im Tower und Lagerfeuermomente a la Flugplatzromantik an.

Viel „reingebuttert“

„Ja, das war schon eine schöne Zeit, hat natürlich auch unheimlich Arbeit gemacht und viel Geld gekostet“, sagte Karl-Alfred Feußner. Es klang ganz so, als stecke ihm diese Phase seines Lebens bis heute noch in den Knochen. Waren die Kosten der wunde Punkt? „Wenn sie so wollen, ja. 1997 hatte ich den Antrag auf zivile Nutzung gestellt. 2002 wurde er bewilligt. Es lagen lange fünf Jahre dazwischen. In dieser Zeit bin ich zwischen meinem Wohnort in Nordrhein-Westfalen und Tutow gependelt. Natürlich musste ich ordentlich investieren, um die vernachlässigte Anlage in Schuss zu bekommen. Fenster, Türen, Wasser- und Stromanschlüsse mussten geschaffen, die Verglasung des Towers erneuert werden“, erzählte der heute 69-Jährige. Nach diesen aufregenden fünf Jahren konnte es also losgehen mit der erneuten Inbetriebnahme des Flugplatzes. Der war nach dem Abzug der damals sowjetischen Truppen in den Wendejahren komplett vernachlässigt und ramponiert in einem Tiefschlaf gefallen.

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Mit Karl-Alfred Feußner kehrte wieder Leben zurück auf die Piste. Der Mann aus dem Westen Deutschlands ließ sich trotz aller Warnungen von seinen Freunden nicht davon abbringen, den Flugplatz in Tutow zu bewirtschaften. „Ich habe sehr viel reingebuttert, obwohl ich wusste, dass sicher einmal die Frage des Kaufs ansteht.“ Doch wie Enthusiasten nun mal sind, so schnell lassen sie sich von ihrem Ziel nicht abbringen. Zahlreiche zufriedene Gäste, der Blick in einen picobello aufgeräumten Hangar, in dem Flieger ihre Maschinen parkten, gaben ihm unter anderem Kraft.

Ist dem Nordosten treu geblieben

Doch Ende 2006 kam dann die Frage der Fragen, die Karl-Alfred Feußner wohl ungezählte schlaflose Nächte einbrachte: „Der Bund hatte mich aufgefordert, das Gelände zu kaufen. Der Flugplatz hätte eine sechsstellige Summe gekostet. Geld, das mir nicht zur Verfügung stand“, sagte Feußner. Auch nach 16 Jahren schwingt etwas Traurigkeit in seiner Stimme. Was wurde aus den Investitionen, die er bisher getätigt hatte? Und schließlich besaß er eine Lizenz für das Starten und Laden. „So war es. Tutow wurde ja von Kleinflugzeugen und Ultraleichtfliegern sehr gern und oft angesteuert. Es gab dann einen Käufer. Ich musste aufgeben. Mein Nachfolger hat die Lizenz, Genehmigungen und auch einen Teil der Dinge übernommen, die ich geschaffen hatte“, brachte Karl-Alfred Feußner es nüchtern auf den Punkt.

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Für ihn bedeutete es damals, sich von einem Traum, dem Traum vom Leben und Arbeiten im Tower zu verabschieden. Sein heutiges Fazit: „Ich bereue es auf gar keinen Fall. Das war eine ganz besondere Phase in meinem Leben. Noch nie zuvor hatte ich so etwas Großes gewagt.“ Dem Norden ist er übrigens treu geblieben. Er lebt inzwischen in Boltenhagen, unweit von Wismar. Aus persönlichen Gründen kann er zwar momentan selbst nicht mit seinem ultraleichten Flugzeug unterwegs sein, doch den Kontakt zu seinen Freunden und Bekannten aus der Fliegerszene, den pflegt er immer noch gern. Gibt es denn anlässlich des 20. Jahrestages des Beginns der zivilen Nutzung des Flugplatzes Tutow eine kleine Feier?

In Tutow sind Freundschaften entstanden

„Das kann ich noch nicht sagen. Corona ist ja noch nicht vorbei. Aber ich komme ja auch ab und an mal nach Tutow. Es ist ja nicht so, dass ich um Tutow einen Bogen mache. Mich verbinden mit diesem Ort auch viele sehr nette Menschen, es sind Freundschaften entstanden“, sagte der Mann, dem die Siedlung am Rande von Vorpommern-Greifswald einiges zu verdanken hat – nämlich positive Aufmerksamkeit. Fliegerei und Tutow wird seit 2002 nicht allein mehr mit militärischer Geschichte in Verbindung gebracht.

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Kommentare (1)

Mit der Lupe! Ein guter Wessi. Eigentlich ein Paradoxon. Doch es gibt sie, man muss sie nur suchen.