NEUE WINDRÄDER

Windkraft-Firma bietet Kruckow große Menge Geld

Keine andere Kommune am mittleren Peenetal ist von neuen Windkraft-Plänen so stark betroffen wie Kruckow. Doch was ein Firmenchef dazu alles verspricht, klingt für die Gemeindevertretung fast unglaublich.
Max von Maltzahn (r.), Geschäftsführer der Firma „FairWind“, stellte den Kruckower Gemeindevertretern be
Max von Maltzahn (r.), Geschäftsführer der Firma „FairWind“, stellte den Kruckower Gemeindevertretern bei ihrer jüngsten Sitzung die Pläne für zwei neue Windparks innerhalb der Kommune vor – verbunden mit zahlreichen finanziellen Offerten für diese und ihre Bürger. Da geriet so mancher in der Runde sichtbar ins Grübeln. Stefan Hoeft
NK-Grafik
Kruckow.

Die Hoffnungen, dass einem der drei im Zuge des neuen Raumentwicklungsprogramms für Vorpommern anvisierten neuen Windparks im Amtsbereich Jarmen-Tutow die Luft ausgeht, scheinen zerschlagen. Denn die vielen und teils sehr umfangreichen Einwände dagegen hat der Planungsverband bei seinen Abwägungen weitgehend abgebügelt beziehungsweise abbügeln lassen. In der aktuellen und aller Wahrscheinlichkeit nach letzten Beteiligungsrunde des seit 2014 laufenden Verfahrens stehen diese schon gar nicht mehr zu Diskussion – weil alles dazu gesagt sein soll.

Eine Situation, die angesichts des flachen Landes und der Höhe der Anlagen eigentlich sämtliche Orte zwischen mittlerem Peene- und Tollensetal betrifft, besonders jedoch die Gemeinde Kruckow. Schließlich liegen die Eignungsgebiete 19/2015 „Kruckow“ (127 Hektar) und 20/2015 „Alt Tellin“ (94 Hektar) zu erheblichen Teilen in ihrer Gemarkung, Ersteres komplett. Im Dreieck zwischen den Ortsteilen Kruckow, Schmarsow und Heydenhof sind nach derzeitigem Stand 14 Rotorentürme angedacht, im Dreieck Heydenhof-Alt Tellin-Neu Plötz weitere zwölf. Alle mit einer Gesamthöhe von 241 Metern, wie Max von Maltzahn erläuterte, also rund 40 Meter mehr als die höchsten Exemplare bei Völschow. Er ist Geschäftsführer der „FairWind Deutschland GmbH“, die im Auftrag der Eigentümergemeinschaft diese Projekte umsetzen will.

Beteiligungsgesetz des Landes lässt noch viele Fragen offen

Wohl wissend, welcher große Widerstand dagegen herrscht, und welchen enormen Anteil die Politik und die Branche selbst daran tragen. „Ich will die Dinger nicht schönreden. Ich verdiene damit mein Geld“, machte von Maltzahn bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Kruckow deutlich. Dort trat er auf, um sich einerseits für seine mit der Bürgermeisterin so nicht abgesprochene Umfrageaktion im Amtsbereich zu entschuldigen, die für helle Aufregung und Empörung gesorgt hat. „Ich habe es wirklich verpatzt, das gebe ich zu.“ Gleichzeitig nutzte er den Termin, um für die Vorhaben zu werben, indem er Kommunen und Bürgern finanzielle Offerten in Aussicht stellte, die manchem fast unglaublich erschienen angesichts der bisherigen Erfahrungen.

„Ich habe meine Firma nicht umsonst ‚FairWind‘ genannt, das ist mein Geschäftsmodell“, erklärte von Maltzahn den Abgeordneten. Er wolle absolute Transparenz und sein Möglichstes tun, um die in der Bevölkerung verständlicherweise empfundene Ungerechtigkeit wegen mangelnder Beteiligung an den Erträgen dieser Energiegewinnung zu beseitigen. „Geben Sie mir zumindest eine kleine Chance. Dagegen sein, davon hat die Region nichts.“ Zumal das vom Land geschaffene Beteiligungsgesetz bisher viele Fragen zu Anwendung und Wirksamkeit offen lasse. Sprich, es wisse heute keiner, ob sich die damit verbundenen Erwartungen erfüllen.

Besonders leise Windräder ohne Dauerblinken

Das soll bei seinen Beteiligungsangeboten für die besagten zwei Windparks anders aussehen, angefangen im baulichen Bereich. Schließlich verspreche sein Unternehmen besonders leise Technik, kein Dauerblinken sowie den Einsatz von Vogel- und Fledermaus-Schutzsystemen an den Rotoren. „Wir können die belästigenden Faktoren reduzieren.“ Dazu zählten auch Zuschüsse für Sichtschutzhecken bei direkten Anwohnern. Darüber hinaus bot er eine Mitverlegung von Leerrohren für Breitbandkabel an, wo immer für die Windparks Leitungsarbeiten nötig sind.

Damit aber jeder im Umkreis von 3,5 Kilometer um die Anlagen persönlich von diesen profitiere, hält er ein mit den Loitzer Stadtwerken konzipiertes Stromversorgungs-Angebot parat. Demnach soll eine Kilowattstunde im Jahr 17 Cent günstiger ausfallen als die Grundversorgung hierzulande, die von Maltzahn auf aktuell 37 Cent beziffert wurde. Unterm Strich mache dies bei einem Zwei- bis Drei-Personen-Haushalt über 400 Euro Ersparnis pro Jahr aus – mindestens zwei Jahrzehnte lang. Alternativ könnten die Leute einen einmaligen Zuschuss über mehrere Tausend Euro wählen. Wobei die finanziellen Vorteile natürlich davon abhingen, wie viele Windkraftanlagen am Ende tatsächlich entstehen. Eine andere Möglichkeit sei, die Menschen stattdessen an einer sogenannten Bürgerwindmühle zu beteiligen – mit einem symbolischen Euro je Haushalt und einer Verteilung der jährlichen Gewinnausschüttungen an alle.

50.000 Euro Steuern pro Jahr und Windrad

Unbesehen davon gebe es für die betroffenen Kommunen je nach Windaufkommen und Vergütung bis zu 50.000 Euro Steuern jährlich pro Rotor, da die Firma ihren Sitz vor Ort garantiere. Dass dies funktioniert, zeige der Blick ins benachbarte Völschow, das erhebliche Einnahmen aus dem Windpark vor der Haustür erziele. Mit dem dafür verantwortlichen Betreiber wolle auch „FairWind“ in Kruckow zusammenarbeiten.

Als besonderes Bonbon packte der Geschäftsführer den Abgeordneten einen jährlichen 10.000-Euro-Zuschuss pro Standort für gemeinwohlorientierte Projekte auf den Tisch. Das heißt, diese Summe könne je nach Wunsch der Einwohner für Dinge wie Feuerwehr, Sport, Kultur, Dorffeste, Sportplätze ausgegeben werden, bei Bedarf auch über mehrere Jahre angespart und auf ein Vorhaben konzentriert. Da allein innerhalb der Kruckower Gemarkung 21 Stromspargel geplant sind, wären dies also mehr als 200.000 Euro pro Jahr zusätzlich für solche Projekte in der Kommune.

Bürgermeisterin will nicht nur über Geld reden

So ist es wohl kein Wunder, dass bei diesem Gesamtpaket mancher Volksvertreter angesichts der derzeitigen Kassenlage ins Grübeln geriet, obwohl die Gemeinde den geplanten massiven Windkraft-Ausbau in Vorpommern mit ihren Stellungnahmen bisher abgelehnt hat. Schließlich wären Investitionen bei der Löschtruppe oder in den Straßenbau damit kein Problem mehr, ließe sich vieles in den Dörfern bewegen, das heute unfinanzierbar erscheint. Eine Kerbe, in die auch Wilfried Kosalla hieb, der sich als Einziger der Abgeordneten von je her immer für die Windpark-Ideen eingesetzt hatte. Allerdings auch, weil er persönlich darin involviert war. Letztlich könnten die Kruckower die Umsetzung nicht mehr verhindern, diese Frage werde ganz woanders entschieden, argumentierte er. „Deshalb sollten wir uns verständigen und mitgestalten“, warb er um einen Konsens mit FairWind.

Bürgermeisterin Elke Hempel hingegen wollte sich von den Versprechungen nicht blenden lassen und lenkte den Blick auf die erwarteten negativen Begleiterscheinungen dieser Art der Energiegewinnung – von gesundheitlichen Problemen bis zu Wertverlusten an Grundstücken. „Am meisten stört mich, dass wir hier nur über Kohle reden.“ Sie bezweifelt, dass von Maltzahns Offerten beispielsweise in Heydenhof aufwiegen, dass der Ortsteil künftig komplett zwischen Rotorenfeldern liegen soll. „Die Bürger werden uns in der Luft zerreißen, wenn wir hier einfach zustimmen, die Dinger zu bauen.“

Einwohnerversammlung geplant

Dieses Thema soll deshalb in einer oder mehreren Einwohnerversammlungen öffentlich debattiert werden, so die Vereinbarung beider Seiten. Als erster Termin dafür ist der 31.  August anvisiert – ab 18.30 Uhr in beziehungsweise am Gemeindehaus Schmarsow, so das Dorfoberhaupt.

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Kommentare (6)

denkt aber auch bitte mal an die Herstellung und Entsorgung der Anlagen - was da für Abfälle anfallen - so toll wie sich der Artikel liest ist der Problemlösung nicht

ist weitaus größer als der Schaden.

Was passiert mit den Windkrafträder, wenn die Firmen Pleite gehen?

In Völschow hängt von einer Bürgerinitiative ein Banner, die einen Ausbau von Windparks kritisieren.

schon ziemlich vollgeknallt ist, Mecklenburg dagegen kaum.

Und das ist auch Gut so...