BÜRGERINITIATIVE

Windkraft-Kritiker wollen Widerstand forcieren

Die Bürgerinitiative „Es reicht!“ rüstet sich für die nächste Protestrunde. Schließlich stehen bald finale Entscheidungen der Planungsverbände zur Windkraft an, und die Grenzregion zwischen mittlerem Peene- und Tollensetal gilt als besonders betroffen.
Vereint im Widerstand: Rund 70 Gäste kamen am Mittwochabend zur Informationsveranstaltung der BI „Es reicht!“
Vereint im Widerstand: Rund 70 Gäste kamen am Mittwochabend zur Informationsveranstaltung der BI „Es reicht!“, die unsere Region durch zu viele Rotorentürme bedroht sieht, in die ehemalige Reithalle von Schloss Broock. Stefan Hoeft
Es gibt wohl kaum noch ein Dorf in der Region, in dem nicht für die Bürgerinitiative „Es reicht!“ mobilg
Es gibt wohl kaum noch ein Dorf in der Region, in dem nicht für die Bürgerinitiative „Es reicht!“ mobilgemacht wird, hier Hedwigshof direkt an der L 35. Stefan Hoeft
Broock.

Der Gegenwind für die Bestrebungen von Landespolitik, Planungsverbänden und Windkraft-Lobby, bestimmte Regionen der Landkreise Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte mit einer Vielzahl von neuen Eignungsgebieten für Stromspargel zu versehen, scheint trotz des langen Planungsverfahrens keinesfalls abzunehmen, ganz im Gegenteil. Der Widerstand gerade im Grenzgebiet bündelt sich zunehmend, wird immer lauter und auch optisch präsenter.

Das geschieht nicht zuletzt dank der Arbeit der in Demmin ansässigen Bürgerinitiative „Es reicht!“, die neben der Hansestadt selbst immer weitere Kommunen und Kirchengemeinden, Unternehmen, Politiker und Privatpersonen zu ihren Unterstützern zählt. Mittlerweile gibt es in der Region wohl kaum ein Dorf, in dem nicht irgendwo deren Erkennungsbanner gut sichtbar an Wand, Zaun oder Baum hängen, oft gleich an mehreren Stellen. Und zur ersten großen Informationsveranstaltung der BI am Mittwochabend in der Schlossanlage Broock kamen rund 70 Gäste, darunter so einige Bürgermeister und Abgeordnete aus dem Umland.

Unmut der Einwohner wächst

Schließlich sind dort fast alle Kommunen mit mindestens einem, häufig gar mehreren Windindustrie-Parks in ihrer Umgebung konfrontiert, jedenfalls dann, wenn zu den bestehenden Gebieten noch jene hinzukommen, die in den aktuellen Entwürfen zur künftigen Raumordnung markiert sind. Gleichzeitig wächst der Unmut der Bevölkerung über die Rotorentürme, weil sie viele Leute als Verschandelung der Landschaft und es als ungerecht empfinden, dass die Kunden hierzulande obendrein die höchsten Strompreise in Deutschland zahlen.

Zumal Mecklenburg-Vorpommern seinen eigenen Elektroenergiebedarf mit den bestehenden Anlagen decken und der hier erzeugte Strom mangels Leitungskapazitäten häufig gar nicht genutzt werden kann beziehungsweise die Anlagen gedrosselt oder abgeschaltet werden. Geld bekommen die Betreiber aber trotzdem, sprich die Menschen müssen sozusagen für „Schrottstrom“ aufkommen.

Dennoch sehen die derzeitigen Planungen am mittleren Peene- und Tollensetal einen massiven Ausbau vor, befördert durch eine willkürlich erscheinende Änderung der Abstandskriterien von 5000 Metern auf 2500 Meter zwischen einzelnen Windparks. Dabei werden bereits laufende Anlagen mitunter gar nicht berücksichtigt. Dies will die BI rückgängig gemacht und das auch vom Kreistag Vorpommern-Greifswald geforderte Ausbau-Moratorium umgesetzt sehen.

Kommunalpolitiker fühlen sich missachtet

„Wir sind nicht angetreten, um fundamental gegen Windkraft zu arbeiten“, stellte BI-Sprecher Peter-Christian von Loeper in Broock klar. Selbst mit der 5000-Meter-Regel seien ja neue Stromspargel zu erwarten. Aber die Halbierung dieses Limits werde die Lebensverhältnisse im Demminer Land radikal verändern, die vielfältige Natur massiv stören und besonders wertvolle Kulturlandschaften nachhaltig umformen. Und das, während gleichzeitig andere Landstriche Mecklenburg-Vorpommerns nahezu vollständig verschont bleiben sollen von dieser Art Industrialisierung.

Argumente, die eigentlich bei den Planungsverbänden einleuchten müssten, wie am Mittwochabend nicht nur der Vorstand der Initiative befand. Doch bisher, das bestätigten die Wortmeldungen, fühlen sich gerade die hiesigen Kommunalpolitiker von dort mehr als missachtet, für viele von ihnen erscheint das Abwägungsverfahren bisher als Pseudo-Beteiligung. Bei den Planungsverbänden läuft derweil die vermutlich finale Entscheidungsphase: Für Mitte Juni ist die Verbandsversammlung in Vorpommern angesetzt, in der Seenplatte zwei Monate später.

Das ist Anlass für die BI und ihre Unterstützer, den Kampf gegen die Verspargelung ihrer Region noch einmal zu forcieren – unter anderem mittels der Vernetzung und des Austausches über solche Runden wie die jetzige. Und natürlich weitere Protestaktionen. „Widerstand lohnt sich“, befand Gastgeber Christian Schmidt vom Schloss Broock. „Ich glaube, dass das irgendwann nicht mehr ignoriert werden kann.“

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Kommentare (1)

ist das Rückgrat der Energiewende. Scheitert sie, so scheitert alles! In diesem Jahr sollen insgesamt mehr veraltetet Windräder abgebaut werden als moderne neu aufgestellt. Dabei bräuchten wir noch drei bis vier mal mehr als wir jetzt schon haben.