FEUERWEHREN IN NOT

Wird Brandschutz unerschwinglich?

Feuerwehren in der Region haben teils nicht nur mit der Einsatzbereitschaft zu kämpfen. Vor allem für kleinere Gemeinden wird die Ausrüstung – aufgrund drastischer Preissteigerungen – zunehmend unerschwinglich.
Georg Wagner Georg Wagner
Für die Ausrüstung der Feuerwehren vom Helm bis zum Atemschutz müssen Gemeinden immer tiefer in die Tasche greifen. Die Teuerungsraten liegen weit über der allgemeinen Preissteigerung.  
Für die Ausrüstung der Feuerwehren vom Helm bis zum Atemschutz müssen Gemeinden immer tiefer in die Tasche greifen. Die Teuerungsraten liegen weit über der allgemeinen Preissteigerung. Georg Wagner
Demmin.

Als die Stadt Demmin vor gut acht Jahren für ihre Freiwillige Feuerwehr die große Drehleiter anschaffte, wurden dafür 450 000 Euro fällig. Heute würde sie rund 700 000 Euro kosten. Die Preissteigerungen für Löschtechnik liegen weit über jeder üblichen Inflationsrate. Das neue Tanklöschfahrzeug 3000 für die Utzedeler Feuerwehr beispielsweise soll rund 340 000 Euro kosten. Vor zehn, fünfzehn Jahren hätte sich die Anschaffung noch auf die Hälfte belaufen, meinte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) bei der Übergabe des Fördermittelbescheides. „Ich sehe mit Sorge die Preisentwicklung.“

Dabei geht es nicht nur um schwere Technik. Für viele Gemeinden wird auch die persönliche Schutzausrüstung der Feuerwehrleute immer mehr zur Belastung. Schon der einfache Truppmann benötigt Helm, Hakengurt, Schuhe, spezielle Einsatzkleidung von der Jacke bis zum Hemd. „Die hält kurzzeitig 1000 Grad aus“, sagt Demmins Wehrführer Thomas Rohleder. „Aber sie muss auch mal gewaschen werden und verträgt nur eine bestimmte Zahl an Wäschen.“ Danach verliert sie ihre Schutzfähigkeit und muss ausgetauscht werden.

Pro Helm sind etwa 400 Euro fällig

Nicht anders ist es mit Helmen, zumal sich immer wieder Standards ändern. Rund zehn Jahre lang hält einer, soweit man nicht sozusagen das „De Luxe“-Modell nimmt. Derzeit müssen Gemeinden einschließlich Visier und Nackenschutz pro Stück mit circa 400 Euro rechnen, sagt Hohenmockers Bürgermeisterin Bärbel Westphal. Bei 25 Aktiven käme so allein für den Kopfschutz eine Summe von rund 10 000 Euro zusammen. Bärbel Westphal kennt die Zahlen. Denn die Gemeinde ist gerade mit dem Austausch für ihre Feuerwehr in Sternfeld durch. „Wir können das noch tragen, weil wir einen ausgeglichenen Haushalt haben“, sagt sie. „Aber für viele Gemeinden ist es sehr schwierig.“

Und mit der Kleidung allein ist es nicht getan. Dazu kommen Ausrüstungsgegenstände auf den Fahrzeugen wie Haken, Beile, Atemschutzgeräte. Die müssen nach jedem Einsatz überprüft werden, zudem müssen sich die Atemschutzträger regelmäßigen gesundheitlichen Kontrollen unterziehen. Pro Person kostet das laut Bärbel Westphal 150 bis 200 Euro.

Für sie ist es keine Frage, dass dieses Geld auch ausgegeben werden muss. „Wir wollen, dass die Kameraden gesund vom Einsatz wiederkommen“, sagt sie. Doch vor allem für kleinere Gemeinden, so scheint es, wird der Brandschutz zunehmend unerschwinglich und das, obwohl es schon Erleichterungen gibt. Das Schlauchmanagement etwa hat der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte übernommen. Er stattet nun die Wehren mit Schläuchen aus.

Sind Großeinkäufe sinnvoll?

Um die Kostenspirale wenigstens etwas flacher zu halten und die Marktmacht der wenigen Feuerwehr-Ausrüster einzudämmen, denkt man beispielsweise im Amt Demmin-Land über Alternativen nach. „Die Frage ist“, sagt Bärbel Westphal, die auch ehrenamtliche Amtsvorsteherin ist, „ob eine zentrale Beschaffung durch das Amt sinnvoll wäre.“ Die Grundlage dafür könnte der Feuerwehrbedarfsplan bilden.

Solche Möglichkeiten werden laut Innenminister auch im Landesfeuerwehrverband erörtert. Erschwert werde es aber durch die sehr unterschiedlichen Vorstellungen bei den einzelnen Wehren. Lorenz Caffier würde zudem gern die Untersuchungen für die Atemschutzträger mit denen für die Polizei zusammenlegen und so die Gemeinden entlasten, nur fehlen ihm dafür gegenwärtig die Ärzte. Eines aber steht für ihn angesichts der Entwicklung fest. „Wir müssen“, sagte er in Utzedel, „der Industrie
etwas entgegensetzen, soweit wir können.“

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