Nach peinlicher Panne

Wird der Gedenkort doch in die Tulpenwelle integriert?

Da die Suche nach einem geeigneten Gedenkplatz zur Erinnerung an die Suizidopfer bislang erfolglos verlief, bringt der Demminer Interessenverbund nun einen alten Vorschlag neu ins Gespräch.
Im kommenden Jahr werden auf dem ResonanzFELLD am Demminer Hanseufer wieder viele bunte Tulpen blühen. Die IVD-Fraktion s
Im kommenden Jahr werden auf dem ResonanzFELLD am Demminer Hanseufer wieder viele bunte Tulpen blühen. Die IVD-Fraktion schlägt vor, diesen vorhandenen Platz als Erinnerungsstätte für die Suizidopfer von 1945 zu gestalten. Denny Kleindienst
Demmin

Es war eine Meldung, die weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus für Unverständnis und Entsetzen sorgte: Die UWG- und CDU/FDP-Fraktion hatte in Abstimmung mit dem Bauamt vorgeschlagen, eine freie Fläche vor der Demminer Fischerinsel als Erinnerungsort für die Opfer des grausamen Massensuizids zu gestalten. Dumm nur, dass bei der Wahl des neuen Standortes niemand aus der zuständigen Arbeitsgruppe an die nationalsozialistische Vergangenheit des einstigen „Horst Wessel-Platzes“ gedacht hatte, wie UWG-Mann Eckhardt Tabbert im Nachhinein zugeben musste.

Nicht zum Gespött machen

Es sei in hohem Maße peinlich, dass jemand wie Wolfgang Holst, der aus Bremen zugezogen ist, die Planer über die historische Bedeutung solcher Flächen aufklären müsse, schreibt Reinhardt Friedrichs, an den Nordkurier. „Wenn man nicht die gesamte Stadtvertretung zum Gespött Demmins machen will, dann sollte die Arbeitsgruppe endlich damit aufhören, immer wieder neue Orte als Gedenkplatz aus der Tasche zu ziehen. Es macht auf mich den Eindruck, als wäre die Standortwahl zwischen den Mitgliedern der GroKo anscheinend gar nicht abgesprochen worden“, ist der Fraktionsvorsitzende des Demminer Interessenverbundes (IVD) überzeugt.

Genau deshalb bringt der IVD nun einen Vorschlag in die Debatte, über den bereits auf der letzten Sitzung des Hauptausschusses im November diskutiert wurde. „Schon damals hatten wir der antragstellenden UWG- und CDU/FDP-Fraktion angeboten, sich an der Gestaltung ‚ResonanzFELLDs‘ am Stichkanal zu beteiligen“, so Reinhardt Friedrichs. Die Künstlerin Cora Fisch schuf hier vor rund fünf Jahren ein wellenförmiges Tulpenfeld, um an die Selbstmordwelle von 1945 zu erinnern.

Die Vorteile dieses Platzes lägen laut IVD auf der Hand: Das Feld, auf dem im kommenden Frühjahr dank des fleißigen Arbeitseinsatzes des Demminer Heimatvereins wieder Hunderte Tulpen blühen werden, sei gut zu erreichen, nicht weit von der Anlegestelle am Speicher entfernt und verbinde schon jetzt „bildnerische und landschaftsgestaltende Elemente zu einem Gesamtkomplex“. Ebenfalls könnten die Bilder von Karl Schlösser aus dem Zyklus „Brennendes Demmin“ nach Absprache mit Lilo Schlösser auch an diesem Platz ausgestellt und in einen historischen Kontext gesetzt werden, argumentiert der IVD-Fraktionschef.

Abiturienten als Gestalter möglich

„Wie die Gestaltung letztlich aussehen soll, müssen wir als Stadtvertreter allerdings gemeinsam mit wirklichen Experten klären und abstimmen. Das kann nicht einfach aus dem Bauch heraus entschieden werden“, betont Reinhardt Friedrichs. Denkbar wäre es nach Ansicht der IVD auch, die Erinnerungsstätte von Abiturienten entwickeln zu lassen. Schließlich sei es die junge Generation, die in den nächsten Jahren mit einem solchen Ort leben soll und muss.

Ob die fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe den Vorschlägen des Demminer Interessenverbundes zustimmen wird, bleibt abzuwarten. Wie der UWG-Fraktionsvorsitzende Eckhardt Tabbert dem Nordkurier am Montag versicherte, habe man das schriftliche Angebot erst vor wenigen Tagen erhalten. „Wir werden jetzt gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Gruppe darüber sprechen und uns dann eine Meinung dazu bilden“, erklärte der UWG-Mann, ohne Näheres verraten zu wollen.

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