Auch in Jarmen musste so einiges an Möbeln und anderer Ausstattung für die neuen Flüchtlingsquartiere „or
Auch in Jarmen musste so einiges an Möbeln und anderer Ausstattung für die neuen Flüchtlingsquartiere „organisiert“ werden. Denn von dem, was der Landkreis 2015/16 in Größenordnungen für solche Wohnungen angeschafft hatte, steht nichts mehr zur Verfügung. Stefan Hoeft
Ukraine-Hilfe

Wo sind die vielen einst für Flüchtlinge gekauften Möbel hin?

In Vorpommern-Greifswald wurden 2015/16 hunderte Flüchtlingsquartiere mit öffentlichem Geld neu möbliert. Bei der Versorgung der Ukraine-Flüchtlinge hilft das nun aber nicht.
Jarmen

Schon die Suche nach kommunalen Unterkünften für die aus der Ukraine erwarteten Flüchtlinge stellt die Kommunen am mittleren Peene- und Tollensetal vor eine schwierige Aufgabe. Denn „gute“ freie Quartiere besitzen Seltenheitswert. Wenn Räume leerstehen, sind sie eher in vergleichsweise unattraktiver Lage und vor allem kaum auf Anhieb zu beziehen, weil nur ein neuer Anstrich meist kaum ausreicht. In der Regel wird nämlich nur saniert beziehungsweise renoviert, wenn neue Mieter zugesagt haben.

Kommunen bei Unterbringung auf sich gestellt

In der aktuellen Situation kommt noch ein weiteres Malheur hinzu: die fehlende Möblierung. Während der Staat bei der sogenannten Flüchtlingskrise 2015/16 rasch die Anschaffung von Inventar und technischen Geräten finanzierte, gibt es diesbezügliche Zusagen von Bund, Land und Kreis bisher wohl nicht. Die bei der von „oben“ angemahnten Meldung von Unterbringungsmöglichkeiten in Vorleistung gehenden Kommunen scheinen auf sich gestellt und versuchen daher, mit Unterstützung von Spendern und ehrenamtlichen Helfern, dieses Manko zu beheben.

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Dabei kommen immer wieder Fragen nach den damals vorhandenen Beständen auf, auch in den Amtsbereichen Peenetal/Loitz und Jarmen-Tutow. So gab es allein in den Fünfgeschossern am Tutower Pommernring zwei Aufgänge, die fast komplett neu möbliert wurden. In Bentzin war es sogar fast ein ganzer Wohnblock, im benachbarten Jarmen zumindest mehrere Wohnungen. Was ist aus all dem geworden, nachdem das Gros der Flüchtlinge respektive Asylbewerber die Region wieder verlassen hat?

Landkreis hat alles wieder abgeholt

„Das ist nicht mehr in Jarmen“, stellte Bürgermeister André Werner auf Nordkurier-Anfrage klar. Er selbst befand sich damals zwar noch nicht im Amt, wisse aber, dass die Sachen Eigentum des Landkreises waren. „Der Kreis hat alles wieder abgeholt, ein Teil davon ist aber auch in Containern gelandet“, erinnert sich der Tutower Gemeindevertreter Alfred Koch. Aus seiner Sicht war vieles davon noch in Ordnung, schließlich sei alles Neuware gewesen – von Betten bis zu Waschmaschinen, Herden und Kühlschränken. „Das hätte man jetzt gut gebrauchen können.“ Der Schützenverein Jarmen, dessen Vorsitzender er ist, habe sich vor nicht allzu langer Zeit mal zwei eingeschweißte Schränke aus einem DRK-Lager in Anklam gekauft, die aus diesen Beständen stammen sollen.

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Dass es diese Möglichkeit gab, bestätigt dem Nordkurier gegenüber Kreis-Sprecher Achim Froitzheim. „Wir haben das, was da an Mobiliar und Ausrüstung nicht mehr gebraucht wurde, in vielfältiger Weise einer sinnvollen Verwendung zugeführt.“ Angefangen bei der Einrichtung von Wohnungen für sozial Bedürftige aus der eigenen Bevölkerung. Einiges sei bei Maßnahmen über das Jobcenter zum Einsatz gekommen, anderes an Menschen verkauft worden, die es gebrauchen konnten. „Es wurde also kein Schindluder getrieben mit den öffentlichen Geldern.“

Eingelagerte Reserve erst vor Kurzem aufgelöst

Wobei der Mann aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit die Weiterverwendungsfähigkeit für einige Ausstattungsgegenstände relativiert: „Das war natürlich kein Müll, den wir damals gekauft haben, aber meist die unterste Preiskategorie.“ Sprich so einiges wie Betten und Matratzen hätten nach Nutzung und Abbau eben niemandem mehr zugemutet werden können, weshalb nur die Entsorgung blieb. Allerdings habe der Landkreis am Ende einen allerletzten, wenn auch kleinen Rest aus diesen Beständen als Reserve eingelagert, jedenfalls bis vor Kurzem.

„Es hat sich dann herausgestellt, dass die Lagerkosten den Wert des Lagergutes bei Weitem überstiegen“, erläutert Froitzheim. Weshalb die Entscheidung getroffen und umgesetzt wurde, dieses Depot zum 1.  Dezember 2021 aufzulösen. Von dem jetzt heraufziehenden neuen Flüchtlingszustrom und dem akuten Bedarf an solchen Dingen konnte zu der Zeit schließlich niemand etwas ahnen. Andererseits habe es sich auch nicht mehr um Mengen gehandelt, mit denen sich viel hätte bewirken lassen.

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