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Woher kommen die Keime?

Die Mitarbeiter der GKU waren im Stress: In sechs Dörfern mussten sie die Hydranten aufdrehen, weil das Gesundheitsamt Proben nehmen wollte.
Die Mitarbeiter der GKU waren im Stress: In sechs Dörfern mussten sie die Hydranten aufdrehen, weil das Gesundheitsamt Proben nehmen wollte.
Jana Otto

Die Trinkwassersituation in und um Lindenberg hat sich noch nicht verbessert. Im Gegenteil: Trotz Chlorzugabe traten erhöhte Keimzahlen auf. In sechs Dörfern müssen die Menschen deshalb ihr Wasser abkochen.

 "Ist das beunruhigend? Und was heißt überhaupt ,mikrobiologische Beanstandung´?, fragt ein Kentzliner Bürger. Wie alle Einwohner der Gemeinde Kentzlin und weiterer vier Dörfer in der Umgebung hatte er am Mittwochabend einen Zettel von seinem Wasserversorger im Briefkasten. Darin teilt die Gesellschaft für kommunale Umweltdienste (GKU) mit, dass das Trinkwasser bis auf Weiteres abgekocht werden muss. Bei der Beprobung sei eine "mikrobiologische Beanstandung im Versorgungsnetz" festgestellt worden. Wo die allerdings herkommt, steht nicht in dem Brief, auch nicht, wie gefährlich sie für die Menschen ist.

Das Problem mit dem verunreinigten Trinkwasser ist in dieser Region kein neues. Bereits im Sommer gab es Beanstandungen aus Hohenbollentin. Und auch in Kentzlin kam zeitweilig statt klarem Wasser nur eine braune Brühe aus dem Hahn. Das berichtete Bürgermeister Reinhard Schumacher. Jetzt müssen "vorsorglich" Bürger aus Alt- und Neu-Kentzlin, Hasseldorf, Hohenbollentin, Gehmkow, Kaslin und Lindenberg ihr Trinkwasser abkochen.

Seit dem 28. September werden die Trinkwasserleitungen in dieser Region gechlort, informierte Klaus Ehlert, Geschäftsführer der GKU, auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Gesundheitsamt zog am Montag Proben, die trotz der Chlorung eine erhöhte Keimzahl aufwiesen. "Wir ermitteln die Koloniezahlen, einmal bei 22 Grad und einmal bei 36 Grad Wassertemperatur", erläutert Elruth Gehrmann die Verfahrensweise. Aufgrund der Ergebnisse dieser Analyse ordnete das Gesundheitsamt des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte ein zusätzliches Abkochgebot an, wie die Hygiene-Sachgebietsleiterin weiter erklärt.

Wohl kein erhebliches Gesundheitsrisiko

Elruth Gehrmann betont, dass es sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme handelt. Sie geht nicht davon aus, dass von dem Trinkwasser ein erhebliches gesundheitliches Risiko für die Menschen ausgeht. Vielmehr sieht sie eine mögliche Ursache in den Probenentnahmenstellen selbst, den Hydranten. Diese könnten mit den Keimen belastet sein, ohne dass das Trinkwasser verunreinigt ist. Deshalb waren Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in den betroffenen Orten unterwegs und zogen neue Proben. Mit einem Ergebnis wird am Sonnabend gerechnet.

Herkunft der Keime noch unklar

Woher die Keime kommen, kann sich Klaus Ehlert nicht so richtig erklären. Die Leitungen werden gespült, Brunnen und Filter kontrolliert - ohne Befund. "Die Keime treten mal hier und mal da auf", sagt der Geschäftsführer. So war beispielsweise an einer neuen Probensäule am Ortseingang Gehmkow alles in Ordnung und ein paar Meter weiter dann schon nicht mehr. "Es ist sehr schwierig, herauszufinden, woher also die Keime kommen", meint Ehlert. Dass es an den Entnahmestellen liegen könnte, schließt er aus. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes haben auf ihrer Tour allerdings auch Proben in Haushalten entnommen, um der Verunreinigung vielleicht auf die Schliche zu kommen.

Die Bürger jedenfalls müssen ihr Trinkwasser jetzt erst einmal abkochen. Wie lange, weiß im Moment niemand. "Das kann ich nicht sagen. Es kann ganz schnell gehen, kann aber auch sein, dass wir das Problem in vier Wochen noch haben", meint Ehlert.