Mario Kehrle (links) und Toni Lewenhagen sind beide in Loitz ansässige Unternehmer. Und warnen vor den Folgen der jü
Mario Kehrle (links) und Toni Lewenhagen sind beide in Loitz ansässige Unternehmer. Und warnen vor den Folgen der jüngsten Preisexplosionen für Wirtschaft und Gesellschaft. Stefan Hoeft
Rollender Schlagbaum: Mittels eines Abschleppers der Firma Kehrle wurde am Mittwoch um die Mittagszeit die B 194 zwischen Vo&s
Rollender Schlagbaum: Mittels eines Abschleppers der Firma Kehrle wurde am Mittwoch um die Mittagszeit die B 194 zwischen Voßbäk und der Abfahrt nach Loitz blockiert. Stefan Hoeft
Die hohen Spritpreise waren der Auslöser für den Protest, aber nicht der einzige Grund.
Die hohen Spritpreise waren der Auslöser für den Protest, aber nicht der einzige Grund. Stefan Hoeft
Die Futterluken auf: Diese beiden Handwerker und die Fahrerin des Bäckerwagens aus Demmin machten das beste aus dem Stau
Die Futterluken auf: Diese beiden Handwerker und die Fahrerin des Bäckerwagens aus Demmin machten das beste aus dem Stau – eine Mittagsbrotzeit. Stefan Hoeft
Doppeltes Ärgernis: Wer aus Richtung Voßbäk im Stau stand, konnte hautnah die aktuellen Tankpreise verfolgen.
Doppeltes Ärgernis: Wer aus Richtung Voßbäk im Stau stand, konnte hautnah die aktuellen Tankpreise verfolgen. Stefan Hoeft
Protest

▶ Wut wegen Spritpreisen – das sind die Straßenblockierer von Loitz

Aus Protest gegen die hohen Energie- und Kraftstoffpreise sperrten heimische Unternehmen an zwei Stellen die B 194 bei Loitz. Hier erzählen zwei von ihnen, was sie so sauer macht.
Loitz

Während Mittwochmittag in Loitz der Verkehr fast wie immer rollte, herrschte auf der Ortsumfahrung der B 194 nahezu Stille. Denn von 12 Uhr an für etwa 45 Minuten wurde die Bundesstraße auf beiden Seiten kurz vor Loitz aus Protest dichtgemacht: Auf der Kreuzung mit der Kreisstraße VG 8 bei Schwinge postierte sich ein Traktor-Anhänger-Gespann der unweit ansässigen Firma Pommern Natura, beim Ortsteil Voßbäk zog ein Abschleppwagen des dortigen Lackierbetriebes Kehrle quer über die Fahrbahn.

Lesen Sie auch: Spritpreise sinken langsam

Mehrheit zeigte Verständnis

Er habe sich nach den Aufrufen zum bundesweiten Protest über die sozialen Medien kurzfristig entschieden, auch im Peenetal-Amt ein Zeichen zu setzen, erklärte Handwerker Mario Kehrle im Gespräch mit dem Nordkurier. Schließlich könne es so nicht weitergehen, weder für Gewerbetreibende noch die Normalbürger. „Wir sagen es reicht”, war auf dem selbst gestalteten langen Banner an seinem Laster zu lesen, am Traktor-Fahrerhaus prangte zu beiden Seiten ein STOP-Zeichen, darunter „Die Tank-Abzocke!”.

Die Folge der Aktion waren Staus in mehrere Richtungen. Kommentare der zum Warten gezwungenen Leute fielen unterschiedlich aus. Die einen verfluchten den Zwang zu Pause und meckerten darüber, die anderen zeigten Verständnis. Wobei letztere in der Mehrzahl schienen, immerhin betreffen die Kraftstoffpreise auch sie.

[Video]

Pleitewelle ungeahnten Ausmaßes

Natürlich kämpften Firmen immer mit Unwägbarkeiten, so mancher Selbstständige kenne Auf und Ab, schilderte Kehrle. Doch was sich mit der Corona-Pandemie, der ohnehin galoppierenden Inflation und der Explosion der Energiepreise in Deutschland tue, sei mittlerweile völlig unkalkulierbar für viele. Er sagte eine baldige Pleitewelle ungeahnten Ausmaßes voraus, falls die Politik da nicht die Kurve hinbekomme. Gerade bei den kleinen und mittelständischen Betrieben, die in Vorpommern das Rückgrat von Wirtschaft und Gesellschaft bilden. Egal ob einer nun viel fahren muss wie Sozialdienste, Fuhrunternehmen und Landwirte oder „nur” seine Unterhaltskosten für Räume im Blick behalten muss.

Eine Prognose, in die Toni Lewenhagen von „TL Agrartransporte & Logistik” aus dem Loitzer Gewerbegebiet einstimmte. „Betroffen sind doch am Ende alle: Über ihre Betriebskosten und den Einkauf, alles wird dadurch immer teurer.” Dabei würden die Menschen in unserer Region meist noch erheblich weniger verdienen als woanders in der Bundesrepublik. Und mancher Unternehmer packe inzwischen sogar drauf bei seinem Geschäft, weil sich die Kostensteigerungen eben nicht immer so einfach und kurzfristig umlegen ließen.

2300 Euro für eine Lkw-Füllung

Derzeit verschlinge eine Tankfüllung für einen Standard-Lkw mindestens so um die 2300 Euro, rechnete Lewenhagen vor. Bei im Schnitt 3500 bis 4000 Euro Umsatz pro Fahrzeug die Woche sei angesichts der Lohn- und Fuhrparkkosten absehbar, dass das Ganze vorne und hinten nicht mehr aufgeht. „Von Rücklagen-Bildung kann keine Rede sein. Und die aufgebauten Puffer sind so gut wie weg.” Immerhin habe schon Corona für gehörige Ausfälle gesorgt. „Viele Speditionen stellen ihre Lkw deshalb an den Zaun und schicken die Fahrer in den Noturlaub.” Was sich schnell auch in den Lieferketten und Regalen auswirken werde.

Mehr lesen: Treibstoffdiebe zapfen tausende Liter in MV ab

Den Protest vom Mittwoch will Mario Kehrle nur als ersten Warnschuss verstanden wissen, inklusive seiner Person zählte die Polizei neun Beteiligte. „Wir gucken jetzt genau, was sich tut im Land, aber nicht nur an den Zapfsäulen”, kündigte der Mann an. Wenn nötig, werde es diese Blockaden wöchentlich und deutlich umfangreicher geben, so die Drohung.

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

zur Homepage