In der Pommern-Apotheke Demmin sind derzeit längst nicht alle Regale gut gefüllt. Foto: NK-Archiv/Carsten Buettner
In der Pommern-Apotheke Demmin sind derzeit längst nicht alle Regale gut gefüllt. Foto: NK-Archiv/Carsten Buettner Carsten Buettner Tel:01716441019 [email protected]
Arzneimittel für die alljährliche Grippewelle hat der Inhaber der Bären-Apotheke bereits im Sommer gekauft. Fot
Arzneimittel für die alljährliche Grippewelle hat der Inhaber der Bären-Apotheke bereits im Sommer gekauft. Foto: NK-Archiv/T. Holtz
Apotheken

Zäpfchen, Hustensaft und Antibiotika sind Mangelware

Fiebersäfte fürs Kind? Rezeptfreie Lutschtabletten gegen Halsschmerzen? Antibiotika? Auch in Demmin und Altentreptow sind in Apotheken derzeit oft die Regale leer.
Demmin

Noch immer sind in der Region die Krankenstände hoch. Doch wer sich mit laufender Nase, Husten und Fieber zur Apotheke schleppt, der wird dort möglicherweise eine unliebsame Überraschung erleben. „Die Situation ist schwierig“, sagt Claudia Semlow, Inhaberin der Loewen-Apotheke Demmin. Fiebersäfte und Zäpfchen für Kinder, Hustensaft, dazu auch viele Antibiotika sind derzeit Mangelware.

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„Es gibt nichts, aber wir machen das Beste daraus“ – Martin Wetzel, Inhaber der Pommern-Apotheke Demmin, rettet sich in die Ironie. Das Sortiment umfasst insgesamt circa 5000 Medikamente, erläutert er. Davon seien derzeit gut 400 nicht lieferbar. Trotzdem findet sich für die Patienten meist eine Lösung: „Wir kriegen das ganz gut hin“, so der Apotheker. „Wir helfen uns untereinander.“

Medikamente überwiegend in Asien produziert

Noch zur Zeit der Wiedervereinigung galt Deutschland als die Apotheke der Welt. „Es ist traurig, was daraus geworden ist. Das System wurde totgespart – und unser heutiger Gesundheitsminister Karl Lauterbach war seinerzeit 2004 maßgeblich mit daran beteiligt“, meint Wetzel. Arzneimittelwirkstoffe werden heute überwiegend in Asien produziert. Doch Ibuprofen und Paracetamol braucht China derzeit selbst. „Richtig spannend wird der Januar“, befürchtet der Apotheker. „Wenn die Erkältungswelle so bleibt, dann bekommen wir ein Problem.“

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Das bestätigt auch Thomas Budde, Inhaber der Bären-Apotheke in Altentreptow: „Derzeit sind sehr viele Arzneimittel aus sehr unterschiedlichen Indikationsgebieten nicht verfügbar.“ Und das liege nicht nur an Corona in China. Denn es gebe einen Engpass bei Antibiotika, und bei diesen Medikamenten kommen die meisten Wirkstoffe aus Indien. „Ich glaube, dass die Hersteller überrannt worden sind“, so der Apotheker. Und das liege am gehäuften Auftreten von Atemwegserkrankungen in diesem Jahr: „Das habe ich in dieser Weise noch nicht erlebt.“

Sparen bringt langfristig Probleme

Arzneimittel für die alljährliche Grippewelle habe er bereits im Sommer gekauft und eingelagert – und zwar ähnliche Mengen wie in den letzten Jahren. „Die waren teilweise schon im November weg.“ Für seine Apotheken habe er viele Lieferanten. „Deshalb können wir viele Medikamente besorgen, die andere derzeit nicht haben.“

Als Ursache für die eingeschränkte Verfügbarkeit sieht Budde den „Rabattwahnsinn“. Denn dadurch rechne sich für die Pharma-Industrie eine Produktion in Deutschland oftmals nicht mehr. Auch die Entwicklung neuer Medikamente werde dadurch unmöglich, weil der Weg bis zur Zulassung lang und riskant sei – und sehr teuer. Das strikte Festhalten an Sparmaßnahmen bringe langfristig Probleme. „Der Staat muss sich endlich was einfallen lassen“, fordert der Apotheker, „da muss sich dringend etwas ändern.“

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