Das Team will weitere Interviews aufnehmen und sucht dafür noch Zeitzeugen.
Das Team will weitere Interviews aufnehmen und sucht dafür noch Zeitzeugen. ZVG
Geschichte

Zeitzeugencafé Demmin öffnet sich thematisch weiter

Das Projekt will sich verstärkt der Dokumentation der Erinnerungen widmen. Doch soll es nicht mehr nur um die Zeit nach Kriegsende gehen.
Demmin

Der Krieg in der Ukraine macht es wieder bewusst: Geschichte wird nie alt und bestimmte Erinnerungen verlieren nicht an Aktualität. Um sie aufzuarbeiten, zu bewahren und weiterzugeben, startet das Projekt Zeitzeugencafé des Demminer T30-Vereins nun in die nächste Runde. Auf einen Zeitraum bis Ende 2023 ist die neue Förderung der Bundeszentrale für politische Bildung ausgelegt. Was genau am Ende der Projektphase stehen wird, ist noch nicht ganz sicher. Langfristig jedoch soll, so der Wunsch der Organisatorinnen, über die geplanten Aufnahmen von Einzelinterviews hinaus „etwas Größeres entstehen“. Susan Kobelt könnte sich beispielsweise vorstellen, die Ergebnisse in einer multimedialen Ausstellung zugänglich zu machen, vielleicht biete sich auch an eine Broschüre für Schulklassen an. Noch ist alles offen, die Organisatorinnen freuen sich daher auch über Vorschläge von außen. Das übergeordnete Ziel jedoch steht fest: „Es war uns von Anfang an wichtig, Informationen zu sammeln und sie an jüngere Generationen weiterzugeben“, so Susan Kobelt. Das sei auch weiterhin Hauptmotivation für das Projekt.

Für Schulen zur Verfügung stellen

Für die Dokumentation der Zeitzeugenberichte unter dem Titel „Demminer Zeitzeugnisse“ suchen sie und Sarah Dittrich deshalb Zeitzeugen, die ihre Geschichten vom Ende des Zweiten Weltkriegs erzählen wollen. Wer sich an dem Dokumentationsprojekt beteiligen möchte, kann sich unter 03998 209 78 68 an das Team wenden oder eine E-Mail an [email protected] schreiben. Aus den Gesprächen möchte der Verein Ton- und Videoaufnahmen anfertigen und sie vorläufig auf Anfrage Schulen für den Unterricht zur Verfügung stellen.

Vier solcher Interviews hatten die Organisatorinnen im vergangenen Jahr bereits erstellt und im Regionalradio, auf Facebook und der eigenen Internetseite veröffentlicht.

Zeiträume von jeweils zehn Jahren beleuchtet

Zusätzlich zu den Einzelgesprächen für das Projekt „Zeitzeugnisse“ soll auch das traditionelle Zeitzeugencafé wieder regelmäßig stattfinden. Bei einem ersten Termin am 17. Mai von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr im Bistro Sonnenseite wollen die Teilnehmer nach der langen Corona-Pause erst einmal wieder ins Gespräch kommen. Im Fokus stehen dabei die Jahre 1945 bis 1955 mit Schlagworten wie Schule, Kinderlandverschickung, Wiederaufbau, Trümmer, Flüchtlinge. Danach sollen in weiteren sieben Terminen, die noch bekannt gegeben werden, Zeiträume von jeweils zehn Jahren beleuchtet werden. Eingeladen sind Zeitzeugen, aber auch andere Interessierte, die Fragen stellen, mitreden oder einfach nur zuhören wollen. „Wir öffnen die Tür für alle, die reden wollen und interessiert sind“, so Susan Kobelt. Besonders würde sie sich über den Besuch von Schulklassen freuen, so wie im September 2020, als ein Geschichtskurs aus Malchin am Zeitzeugencafé teilnahm. „Das war total faszinierend, weil die Zuhörer die Geschichten eins zu eins hörten, ohne dass wir dazwischen standen“, findet die Organisatorin.

Ein weiterer Öffnungsschritt ist indessen wegen der Pandemie noch nicht möglich, für die Zukunft aber beabsichtigt: Um auch Zeitzeugen in Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit zu geben, ihre Geschichte zu erzählen, will das Zeitzeugencafé auf Tour gehen. Wann das möglich sein wird, ist aufgrund der Corona-Lage derzeit jedoch noch ungewiss.

 

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