Zum Sitzen im Dunkeln, wenn die Sterne funkeln: Auf der Insel im Zemminer Dorfteich wurde diese drehbare „Couch“ f
Zum Sitzen im Dunkeln, wenn die Sterne funkeln: Auf der Insel im Zemminer Dorfteich wurde diese drehbare „Couch“ für nächtliche Himmelsbeobachtungen montiert. Stefan Hoeft
Die Tafel selbst steht schon mal: Um die Bedeutung der Astronomie für die Religion soll es am Infopunkt Dorfkirche Alt Pl
Die Tafel selbst steht schon mal: Um die Bedeutung der Astronomie für die Religion soll es am Infopunkt Dorfkirche Alt Plestlin gehen. Stefan Hoeft
Auch beim Besuch der Bewertungskommission für den kreisweiten Dorf-Wettbewerb im September stellten die Zemminer ihre ast
Auch beim Besuch der Bewertungskommission für den kreisweiten Dorf-Wettbewerb im September stellten die Zemminer ihre astronomischen Ideen für das Mausoleum auf dem Friedhof vor. Stefan Hoeft
Das Mausoleum auf dem Zemminer Friedhof könnte zu einem lebendigen Ort der Begegnung werden – unter einem küns
Das Mausoleum auf dem Zemminer Friedhof könnte zu einem lebendigen Ort der Begegnung werden – unter einem künstlich an die Kuppel geworfenen Firmament. Eine Informationstafel zu solchen Themen gibt es unweit davon schon. Stefan Hoeft
Astronomiepfad

Zemminer Projektideen greifen nach den Sternen

In der Gemeinde Bentzin wird jetzt buchstäblich nach den Sternen gegriffen. Speziell durch den Heimatverein Zemmin und die Kirche, aber selbst die Landwirtschaft ist mit an Bord.
Zemmin

Wie lassen sich die Dörfer und Kleinstädte entlang des Peenetals sowie deren Umgebung noch besser für Touristen, aber auch die einheimische Bevölkerung erlebbar machen? Dieser Frage stellt sich der Zemminer Heimatverein „Summyn 1990  e. V.“ schon lange. Schließlich werden in dem Bentziner Ortsteil direkt an der B110 mit ihrem Radweg Lokalgeschichte und Kultur von Anfang an großgeschrieben.

Zeitgleich gehört Alt Plestlin mit seinem bei Urlaubern sehr beliebten Wasserwanderrastplatz zur Gemeinde und verfügt mit der dort 2020 eröffneten Wasserwanderkirche über ein Novum in Deutschland, das ebenfalls in diese Richtung gedacht ist. Genauso wie das Projekt für einen Erlebnispfad, dessen Ausgangspunkt die Kanu-Oase am Fluss ist und der zu Stationen wie etwa dem Grab des berühmten Reitpferdes Hanko am „Schloss“, zur Quelle am Silberberg und dem sagenumwobenen Teufelsstein führen soll.

Sternenhimmel beeinflusst das Leben hier seit Jahrtausenden

Doch die Zemminer setzen dem Ganzen noch einen drauf und wollen dabei sozusagen nach den Sternen greifen. Im Mittelpunkt steht die Idee für einen „Astronomischen Rundweg“, der die heimische Kultur und Lebensweise mit deren Entwicklung über das Bindeglied Astronomie ins Licht rückt. Inhalte sollen hierbei Themen wie die Kulturgüter „Sternenhimmel“, „Weltbild“, „Landwirtschaft“ und „Glaubensstätten“ sein, heißt es in dem entsprechenden Antrag für das LEADER-Programm zur Förderung des ländlichen Raumes – speziell über den Topf für Kleinprojekte.

Schließlich haben die Beobachtung und der Stand der Gestirne auf das Leben der hiesigen Menschen seit Jahrtausenden erheblichen Einfluss ausgeübt. Die Entwicklung von Religionen sei ohne die Astronomie als einer der ältesten Wissenschaften nicht denkbar, aber auch Saat und Ernte waren und sind für manche Menschen bis ins Heute mit dem Stand der Gestirne verbunden. Und modernes Leben ist ohne Satellitensysteme kaum noch denkbar, sie leiten Navigationssysteme in Autos, Schiffen und Flugzeugen bis hin zu Traktoren und automatischen Rasenmähern und vielen anderen Anwendungen.

Von Steinzeitspuren bis zur Wiege der Raumfahrt

Das jetzt in Angriff genommene Projekt soll diese Zusammenhänge mit seinen Stationen vor Ort lokal erfahrbar machen, erläuterte der Vorsitzende des Heimatvereins, Jürgen Piek. Aber auch Verbindungen zu anderen touristischen Attraktionen der näheren und weiteren Umgebung herstellen, das reicht von den vielen jungsteinzeitlichen Gräbern in der Region um Jarmen und Loitz über den Tutower Flugplatz und seine Geschichte bis hin zum Historisch-Technischen Museum Peenemünde. Also jenem Ort, der als eine Wiege für den Flug der Menschheit in den Weltraum gilt.

Zum Start konnten dank der LEADER-Mittel und freiwilliger Helfer schon mal eine drehbare „Holzcouch“ zur Sternenbeobachtung auf der Insel des Dorfteiches sowie eine dazugehörige Überdachung der Sitzgruppe auf dem gegenüber liegenden Spielplatz errichtet werden. Der als Verbindung zwischen Zemmin und Alt Plestlin gedachte Informations-Parcours wartet momentan erst mal mit vier Tafeln auf. Diese sind selbst schon aufgebaut, müssen aber teils erst noch bestückt werden. Eine steht vor besagter Wasserwanderkirche und soll sich dem Thema Religionen widmen, eine andere am Stallgebäude des Landwirtschaftsbetriebes Kühling zwischen Bentzin und Zemmin die astronomische Bedeutung fürs Säen und Ernten beleuchten. Und dann sind da noch der Schaukasten an der Schutz- und Wanderhütte neben dem ehemaligen Feuerwehrhaus Zemmin sowie einer an der Friedhofsmauer, in denen unter anderem über die jeweils aktuellen Himmelsphänomene informiert werden beziehungsweise es entsprechende Verlinkungshinweise geben soll.

Virtueller Sternenhimmel in altem Mausoleum

Bei letzterem kann der Heimatverein auch auf einen fachkundigen Einwohner setzen, immerhin wohnt mit Michael Danielidis ein Astrophysiker im Dorf. Der unterhält nicht nur ein eigenes mobiles Planetarium und „tourt“ damit unter anderem durch Schulen, sondern ist auch Leiter des Demminer Planetariums und liefert von daher den nächsten Anknüpfungspunkt des Projekts in die Nachbarschaft. Überdies ist er beim Zünden einer weiteren „Raketenstufe“ für den Astronomiepfad mit an Bord, die sich um das Mausoleum auf dem Friedhof in Zemmin dreht.

Perspektivisch und unter Federführung der Kirchengemeinde könnte dieses Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert, das seit Ende der 1970er Jahre ungenutzt und dem Verfall überlassen war, buchstäblich ein echter Hingucker werden. Während die Kuppelarchitektur schon heute von außen an ein Observatorium erinnert, wäre ihre Innenfläche durchaus als Projektionswand für 360-Grand-Projektionen ähnlich denen in einem Planetarium denkbar, so die Zemminer Idee. Sprich hier könnten irgendwann mal virtuell der Sternenhimmel aber auch viele andere historische Ereignisse der Region dargestellt werden.

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