Im Jarmener Ortsteil Groß Toitin rückte anlässlich des Volkstrauertages eine Abordnung der Plötzer Feuerw
Im Jarmener Ortsteil Groß Toitin rückte anlässlich des Volkstrauertages eine Abordnung der Plötzer Feuerwehr zur Mahnwache an. Stefan Hoeft
Im Jarmener Ortsteil Groß Toitin rückte anlässlich des Volkstrauertages eine Abordnung der Plötzer Feuerw
Im Jarmener Ortsteil Groß Toitin rückte anlässlich des Volkstrauertages eine Abordnung der Plötzer Feuerwehr zur Mahnwache an. Stefan Hoeft
Gemeinschaftsgrab für Unbekannte: Auf dem Friedhof von Groß Toitin sind zwei deutsche Soldaten beerdigt, die noch i
Gemeinschaftsgrab für Unbekannte: Auf dem Friedhof von Groß Toitin sind zwei deutsche Soldaten beerdigt, die noch im Mai 1945 unweit des Dorfes an der Chaussee Richtung Anklam ums Leben kamen. Stefan Hoeft
Bundeswehr-Reservist Wolfgang Darmer und Gemeindevertreter Alfred Koch (links) – beide aus Tutow – legten gestern
Bundeswehr-Reservist Wolfgang Darmer und Gemeindevertreter Alfred Koch (links) – beide aus Tutow – legten gestern einen Kranz an der Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof im benachbarten Tutow-Dorf nieder. Stefan Hoeft
Bundeswehr-Reservist Wolfgang Darmer und Gemeindevertreter Alfred Koch (links) – beide aus Tutow – legten gestern
Bundeswehr-Reservist Wolfgang Darmer und Gemeindevertreter Alfred Koch (links) – beide aus Tutow – legten gestern einen Kranz an der Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof im benachbarten Tutow-Dorf nieder. Stefan Hoeft
Auch an der Kriegsgräberstätte neben der B 110 im zu Kruckow gehörenden Tutow-Dorf fand gestern eine Gedenkvera
Auch an der Kriegsgräberstätte neben der B 110 im zu Kruckow gehörenden Tutow-Dorf fand gestern eine Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag statt. Stefan Hoeft
Volkstrauertag

Zwischen mahnendem Gedenken und Kritik

Auch an den Soldaten-Gräbern in Groß Toitin und Tutow-Dorf gab es Veranstaltungen zum Volkstrauertag. Verknüpft mit mahnenden Worten gegen das Vergessen, aber auch einiger Kritik.
Groß Toitin

Es müssten Gesetze geschaffen werden, durch welche die für einen Kriegsausbruch Verantwortlichen gezwungen würden, als erste in die Schützengräben zu gehen. Sinngemäß so zitierte der pensionierte Bundeswehrsoldat Wolfgang Darmer aus Tutow gestern an der Kriegsgräberstätte im Kruckower Ortsteil Tutow-Dorf aus der Rede des einstigen Reichstagspräsidenten Paul Löbe (SPD). Gehalten anlässlich der ersten offiziellen Gedenkstunde 1922 vor dem deutschen Parlament.

Schon zwei Jahre zuvor hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge angesichts des gerade beendeten Ersten Weltkrieges einen Volkstrauertag vorgeschlagen, doch offiziell begangen wurde erst seit 1925. Und erlebte seither manchen Wandel in Anschauung und Gebrauch, wie der Jarmener Pastor Arnold Pett in seiner Andacht verdeutlichte.

Gemeinschaftsgra für unbekannte Soldaten

Dieses Datum sei zeitweise vor allem genutzt worden, um Opfer zu verherrlichen, auch in revanchistischer Denkweise. Und die Taten der Soldaten zur Nachahmung zu empfehlen, einschließlich des Heldentodes, wie der Seelsorger bereits am Sonnabend erinnerte. Da nämlich fand in der Dämmerung auf dem Friedhof im Peenestädter Ortsteil Groß Toitin eine Mahnwache statt, flankiert von Feuerwehr-Kameraden aus Plötz mit Fackeln. Seit 2012 steht dort neben St. Otto ein Findling, dessen Inschrift alle Opfer von Krieg und Gewalt einschließt. In Sichtweite befindet sich aber auch ein Gemeinschaftsgrab für zwei deutsche Soldaten, die Anfang Mai 1945 nahe dem Dorf an der Chaussee nach Anklam erschossen wurden. Bei ihrer Bestattung unmittelbarw neben der Straße fanden sich damals keine brauchbaren Hinweise auf ihre Identität mehr, Anfang der 1950er-Jahre wurde sie deshalb als „Unbekannte“ neben der Kirche zur letzten Ruhe gebettet.

Zunehmend allen Opfern von Krieg und Gewalt gedacht

So wie sie habe wohl kaum einer wirklich aus freien Stücken sein Leben hergegeben, machte Pett klar, vielmehr seien unzählige Pläne und Träume durch die Folgen des Krieges zerstört worden. Er erinnerte in dem Zusammenhang an seinen Amtsvorgänger Traugott Bartels, der 1943 mit gerade mal 33 Jahren an der Ostfront gefallen war, Ehefrau und drei kleine Kinder hinterließ. Auch die vielen Namen und dazugehörigen Daten an den Gedenktafeln in den hiesigen Gotteshäusern offenbarten immer wieder den heutigen Luxus, unbeeinträchtigt von solchen Bedrohungen Zukunftspläne schmieden zu können, so der Pastor.

Wohl wissend, dass der in der Bundesrepublik seit 1952 immer zwei Wochen vorm ersten Adventssonntag begangene Volkstrauertag inzwischen keineswegs mehr den Soldaten vorbehalten bleibt. Zunehmend wird an diesem Datum aller Opfer von Krieg und Gewalt gedacht, einschließlich der Leidtragenden von Terror und heutigen Militäreinsätzen.

Viele offizielle Soldatengräber

So, wie es nun auch wieder Pastor Pett in Groß Toitin und Tutow-Dorf tat, wo sich auf dem ehemaligen Kirchhof gleich neben der B 110 so viele offizielle Soldatengräber aus der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges wie wohl in keiner anderen Landgemeinde des Peenetals befinden, geschuldet dem benachbarten Militärflughafen Tutow.

Wolfgang Darmer, der seit Jahren in seinem Heimatort für den Volksbund Spenden sammelt, bemängelte, dass so einige politisch Verantwortliche bis heute nicht die richtigen Lehren aus den vielen Toten des vergangenen Jahrhunderts gezogen hätten, selbst in Deutschland. Das schließt für ihn das Agieren der Bundeswehr im ehemaligen Jugoslawien, in Afghanistan und Mali mit ein. Noch mehr menschliches Leid für die dortigen Völker und die eigenen Kräfte, einhergehend mit Zerstörung von Umwelt und Wirtschaft und am Ende noch mehr Terrorismus sind für den Reservisten die Hauptfolgen dieser Einsätze. Das Schicksal der Menschen vor Ort habe nur maximal beiläufig interessiert, eigentlich sei es um andere Interessen gegangen. Dies anzuprangern, auch dafür hält Darmer den Volkstrauertag für das passende Datum.

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