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Der Nächste bitte: Landärztin sagt ade

Die Maschen im ärztlichen Versorgungsnetz der Region werden erneut größer. Nach 31 Jahren als Landärztin verabschiedet sich Heidemarie Jaroczewski in Groß Wokern zum 1. Juli in den Ruhestand. [KT_CREDIT] FOTO: Greisert

VonMathias GreisertMehrfach hatte sie ihren Rückzug verschoben, doch jetzt schließt die Allgemein- medizinerin Heidemarie Jaroczewski ihre Praxen. Zumindest ...

VonMathias Greisert

Mehrfach hatte sie ihren Rückzug verschoben, doch jetzt schließt die Allgemein- medizinerin Heidemarie Jaroczewski ihre Praxen. Zumindest für ihre Haupt- praxis in Groß Wokern ist aber ein Nachfolger in Sicht.

Groß Wokern.Der „Buschfunk“ trommelt es schon länger, jetzt ist ihr Abschied unwiderruflich beschlossen. Am 27. Juni wird Landärztin Heidemarie Jaroczewski in Groß Wokern zum letzten Mal ihre Praxis öffnen. Mehrfach hat sie ihren Ruhestand schon verschoben. „Ich habe immer noch gehofft, einen Nachfolger zu finden“, bedauert die 63-Jährige die Verunsicherung, die ihr nahender Abschied während der letzten Monate unter den Patienten ausgelöst hat.
31 Jahre hat sie vom Säugling bis zum Hochbetagten alle Altersklassen medizinisch betreut. Mit einer Zweitpraxis in Groß Roge reichte ihr Einzugsgebiet zwischen Krakower und Malchiner See bis in die Gemeiden nordwestlich von Teterow.
„Ich bin ja noch eine Landärztin der alten Schule“, sagt Heidemarie Jaroczewski. Weil sie direkt an der Praxis wohnt, war sie immer auch abends und am Wochenende für ihre Patienten erreichbar. Sie habe das gern so gemacht, doch oft habe darunter das Familienleben gelitten.
Immer mehr Ärzte trennen heute deshalb ganz bewusst Wohnort und Praxis, weiß Heidemarie Jaroczewski. Es sei einer der Hauptgründe dafür, dass immer weniger junge Mediziner bereit seien, als Landarzt zu arbeiten. Sie selbst hat drei Jahre nach einem Nachfolger gesucht, kennt aber auch Kollegen, die mangels Nachfolger mit fünf Jahren Verspätung in Rente gegangen sind. „Medizinern macht das Alter genauso zu schaffen wie allen anderen Berufsgruppen“, gibt Heidemarie Jaroczewski zu bedenken. Mittlerweile sei so mancher Arzt bei schlechterer Gesundheit als diejenigen, die in der Praxis seine Hilfe suchten.
Im Wartezimmer gönnt man der Ärztin ihren Ruhestand. „Wir können ja noch fahren“, sagt eine Patientin. Aus ihrem Bekanntenkreis hätten sich schon mehrere Familien in Teterow neue Hausärzte gesucht. Für die Älteren, die nicht mehr so mobil sind, sei die Schließung der Praxis aber sicher ein schwerer Einschnitt, ergänzt einer der Männer neben ihr.
Wegen noch laufender Genehmigungsverfahren will Heidemarie Jaroczewski den Namen ihres Nachfolgers noch nicht offiziell bekannt geben. Nach derzeitigem Stand werde er aber ab 1. Oktober ihre Praxisräume in Groß Wokern übernehmen. Bereits ab August wolle er an zwei Tagen pro Woche für die Patienten vor Ort sein. Nur ihre Zweitpraxis in Groß Roge werde er definitiv nicht übernehmen. Diese wird Ende Juni geschlossen.

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m.greisert@nordkurier.de