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Der Zauber packte sie vor 20 Jahren

Sophia Warczak hat mit ihrer Familie das kleine Dorf Lüchow zum neuen Heimatort gewählt. Hier gibt sie jetzt auch ein Konzert, natürlich nicht auf der Dorfstraße.  FOTO: Pagenkopf

VonSimone PagenkopfIn die Harfe hat sich Sophia Warczak schon als Kind verliebt. Seitdem ist sie ihr ständiger Begleiter, auch aus dem holländischen Utrecht ...

VonSimone Pagenkopf

In die Harfe hat sich Sophia Warczak schon als Kind verliebt. Seitdem ist sie ihr ständiger Begleiter, auch aus dem holländischen Utrecht nach Lüchow.

Lüchow.Ein zarter Klang. Leise. Lauter. Der Wind lässt die Seiten der Harfe schwingen, die Sophia Warczak mitten auf die Dorfstraße gestellt hat. Geschickt hat sie sie mit einer Sackkarre über das holprige Pflaster bugsiert. Ein kleiner Transportweg. Das übt. „Wäre es mal besser eine Geige, hab‘ ich schon gedacht, wenn ich dann noch irgendwelche Treppen hochsteigen muss – Nein.“ Die junge Musikerin lacht. „Die Harfe ist ein tolles Instrument, sie hat einen wunderschönen Klang.“ Davon überzeugt die 27-Jährige bei ihren Konzerten, ob mit dem Königlichen Concertgebouworchester Amsterdam oder als Solistin mit der Norddeutschen Philharmonie. Und jetzt auch in Lüchow. In dem kleinen Dorf, das sie mit ihrer Familie im vergangenen Jahr zu ihrer neuen Wahlheimat machte, gibt Sophia Warczak am 2. Juni ein Konzert. 16 Uhr im Kultur-Café. Das können sich Musikfreunde schon vormerken.
Als kleine Siebenjährige saß Sophia Warczak das erste Mal an der Harfe. Sie durfte sich damals ein Instrument aussuchen. Mit den Eltern ging‘s zum Tag der offenen Tür der Musikschule Rostock. „Ich hörte die Harfe zuerst aus einem offenen Fenster. Da wusste ich noch gar nicht, was es ist. Aber für mich stand fest: Das will ich“, denkt die Musikerin schmunzelnd zurück. Schon mit 13 war sie Jungstudentin an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Später zog es sie nach Holland, nach Utrecht. „Ich hatte dort eine sehr gute Professorin und Holland ist auch einfach das Harfen-Land. Zum Lernen wunderbar, für die Berufstätigkeit sieht es dann wieder etwas anders aus“, räumt sie ein. Nicht zuletzt wollte sie nach sechs Jahren auch gern wieder zurück nach Mecklenburg. Von Lüchow hatte sie gehört – „ein lebendiges Dorf, offen für Kultur, und
es gibt einen Kindergarten, das ist für uns auch ganz wichtig“. Aber erst einmal machte die Familie hier zwei Wochen Urlaub, um sich alles anzugucken, um die Menschen hier kennen zu lernen. Im September war Lüchow um vier Einwohner gewachsen.
„Die Entscheidung haben wir nicht bereut“, sagt Sophia Warczak, deren Mann übrigens Musiktherapeut ist. „Auch nicht nach dem harten Winter.“ Und der verlangte der Musikerin eine Menge ab, ist sie doch viel unterwegs, da sie auch in Rostock und Schwerin unterrichtet. „Man wird hier ja auch entschädigt“, blickt sie zufrieden aus dem großen Fenster der Kultur-Schule, wie sie die einstige Landschule nennt.
„Mit Ruhe und Raum, um Neues entstehen zu lassen. Es ist toll, dass man hier ungestört arbeiten kann, praktisch Tag und Nacht. Die Freiheit hätte ich in der Stadt nicht so einfach. Es gibt viele interessierte Menschen, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit, das ist wirklich da.“
In der Schule nutzt Sophia Warczak einen Raum zum Proben, gibt auch hier Harfenunterricht. Selbst aus Greifswald und Demmin kommen Schüler. Nicht nur Kindern bringt sie den Zauber dieses Instruments nahe, ihre älteste Schülerin geht auf die 70 zu.
„Ich bin so glücklich mit meinem Beruf.“ Die Augen der Musikerin leuchten. „Man steht nie still, entwickelt sich weiter und kann das mit anderen teilen.“ Sie brauchte schon als Kind nicht den „sanften Druck“, um ans Üben erinnert zu werden. „Ich hab‘ es einfach immer gern gemacht.“ Die Harfe klinge ja sofort, aber „ihr Klang wird schöner. Wichtig ist, dass die Finger flink werden und dass man die Kontrolle über sie behält. Außerdem müssen die Füße mitspielen. Es gibt sieben Pedale und die werden auch ständig getreten“.
Mit ihrer Harfe agiert Sophia Warczak auch in ganz unterschiedlichen Projekten. In Rostock arbeitet sie zum Beispiel mit einer Luftartistin zusammen. Sehr interessiert sie sich fürs Musiktheater. „Ich könnte mir gut vorstellen, hier etwas aufzubauen. Aber es geht nicht alles auf einmal“, dämpft sie ihren eigenen Elan.
Jetzt bereitet sie sich mit einer Geigerin auf das Konzert in Lüchow vor. Das etwa einstündige Programm ist musikalisch breit gefächert – klassisch bis modern, Tango ist mit dabei und Klezmer. „Ich denke, dass das passend ist, weil bestimmt auch das Publikum sehr unterschiedlich ist. So ist für jeden
etwas dabei“, meint Sophia
Warczak. Konzerttermine hat sie zudem mit dem Bürgerhaus-Verein in Gottin für das internationale Sommerfestival im Juni sowie mit dem KulturFörderverein Lelkendorf fürs kommende Jahr vereinbart.

Kontakt:
sophiawarczak@gmail.com, www.saiten-weise.com

Kontakt zur Autorin
s.pagenkopf@nordkurier.de