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Deutschlands Inventur und ihre Folgen

Weniger Menschen bedeuten weniger finanzielle Zuweisungen: Berlin hat bereits berechnet, dass es nun fast eine Milliarde Euro aus dem Länderfinanzausgleich zurückzahlen muss.  FOTO: Bockwoldt

VonChristiane JackeundAxel HofmannNur gut 80 statt knapp 82Millionen Einwohner – jetzt liegen wieder genaueAngaben zur hiesigen Bevölkerung vor. Und die ...

VonChristiane Jacke
undAxel Hofmann

Nur gut 80 statt knapp 82Millionen Einwohner – jetzt liegen wieder genaue
Angaben zur hiesigen Bevölkerung vor. Und die neuen Zahlen setzen
einiges in Bewegung.

Berlin.Deutschland hat Inventur gemacht. In einem großen Kraftakt werteten Statistiker Datenmengen aus und befragten Millionen Menschen. Der erste Schwung an Ergebnissen des Zensus ist da: Deutschland weiß jetzt wieder etwas besser über sich Bescheid. Die Resultate haben weitreichende Konsequenzen – vor allem für die Kommunen.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten wurde die Bevölkerung nicht mehr systematisch erfasst. Seitdem wurden die Zahlen einfach fortgeschrieben und jedes Jahr etwas ungenauer. Knapp 82 Millionen Einwohner sollte Deutschland haben. Nun ist klar, dass das etwas zu großzügig berechnet war: Es sind nur gut 80 Millionen Menschen. Statistiker hatten eine niedrigere Zahl bereits vermutet. Aber gleich mehr als 1,5 Millionen weniger? „Die Größenordnung hat uns etwas überrascht“, räumt Roderich Egeler ein, Chef des Statistischen Bundesamts.
Was die Daten auch offenbaren: In Berlin und Hamburg liegen die neuen Einwohnerzahlen am deutlichsten unter den bisherigen Annahmen, ebenso in Aachen, Mannheim und Nürnberg.
Für die Länder und Kommunen haben die Datenmengen handfeste Auswirkungen. Was die Länder aus dem Länderfinanzausgleich bekommen oder die Kommunen als Zuweisungen vom Land, richtet sich auch nach der jeweiligen Einwohnerzahl. Berlin hat bereits berechnet, dass es nun fast eine Milliarde Euro aus dem Länderfinanzausgleich zurückzahlen muss. Auch andere Kommunen, die ein dickes Einwohner-Minus zu verzeichnen haben, müssen sich auf Unerfreuliches einstellen.Rutscht eine Kommune unter eine gewisse Einwohnerzahl, wäre außerdem denkbar, dass das Amt des Oberbürgermeisters wegfällt oder die Stadt Kompetenzen verliert.Mannheim dagegen will seinen Einwohnerschwund nicht hinnehmen und erwägt eine Klage gegen das Zensus-Ergebnis.
Bis klar ist, wer wieviel Geld dazugewinnt oder verliert und welche Auswirkungen die Kommunen tatsächlich zu schultern haben, dürfte noch einige Zeit vergehen. Es ist von Land zu Land unterschiedlich, wann die Ergebnisse in die Berechnung der Zuweisungen einfließen.
Auch im Bund muss jede Statistikgröße, die pro Kopf ausgewiesen ist, neu berechnet werden – etwa das Brutto-Inlandsprodukt pro Kopf.