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Die Brüder Biel machen das Rennen

Mit ihrer Pferdezucht lagen die Brüder Wilhelm und Gottlieb von Biel im Trend der Zeit. Pferderennen wie 1855 in Hamburg ließen sie sich nicht entgehen.

Wer im Sommer durch Zierow bei Wismar fährt, um an den Ostseestrand zu gelangen, begegnet nicht selten Gruppen von Reitern, die sich im Ort und sogar in ...

Wer im Sommer durch Zierow bei Wismar fährt, um an den Ostseestrand zu gelangen, begegnet nicht selten Gruppen von Reitern, die sich im Ort und sogar in Nähe des Strandes bewegen. In einer an einer Gastwirtschaft angebauten Reithalle können Gäste beim Essen sogar von oben die Reiter beim Training beobachten. Veranstaltungen, die in der Halle stattfinden, erkennen die Urlauber sofort an dem gut gefüllten Parkplatz neben der Reithalle.
Dies alles hat in Zierow im Landkreis Nordwestmecklenburg eine lange Tradition. In diesem Ort führten die Brüder von Biel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Pferdevollblutzucht ein.

Nach dem Militärdienst auf den Gütern beschäftigt

Wilhelm Julius August Heinrich von Biel wurde 1789 in Braunschweig als Sohn des Juristen und Gutsbesitzers Christian Andreas von Biel geboren. 1806 trat er in das Braunschweiger Dragoner-Regiment ein und wechselte sieben Jahre später als Premierleutnant in das Mecklenburg-Schwerinsche Freiwillige Jägerregiment zu Pferde. Dort war er Adjutant des Kommandeurs Graf von Moltke und danach Ordonnanz-Offizier beim Erbprinzen Friedrich Ludwig von Mecklenburg Schwerin.
Nach seinem Militäraustritt beschäftigte er sich mit seinen 1805 ererbten Gütern Zierow, Eggersdorf und Landsdorf. Zwischen 1819 und 1824 ließ er das Herrenhaus von Zierow umbauen. Zusammen mit seinem Bruder Gottlieb von Biel, Buchard Hartwig Graf von Plessen auf Ivenack und Friedrich Wilhelm Adolph Graf Hahn auf Basedow führte er die englische Vollblutpferdezucht ein. Da er mit einer Engländerin verheiratet war, fiel ihm dies leicht, so dass schon 1818 die erste Lieferung
dieser Rasse bei ihm in Zierow eintraf.
1823 umfasste Biels Vollblutzucht bereits 23 Mutterstuten. 1834 gewann Wilhelm von Biel das erste Union-Rennen in Berlin. 1822 rief er mit seinem Bruder die Pferde-Wettrennen in Doberan ins Leben. Danach folgten jährliche Rennen in Güstrow, Basedow und auch in Neubrandenburg.

Die breiten Betten waren heiß begehrt

Es wird berichtet, dass andere Gutsbesitzer auch aus einem anderen Grund gern zu Gast bei der Familie von Biel weilten. Da die Betten im Land meistens nur bis zu 60 Zentimeter breit waren, die Bielschen aber schon ziemlich die Breite der heute üblichen Ehebetten hatten, war das für die Gäste eine Attraktion und damit etwas Neues, so dass der Wunsch, dort zu nächtigen, verständlich war.
1865 wurde von Biel in den Freiherrenstand erhoben. Da er nacheinander mit zwei Engländerinnen verheiratet war, hatte er zu dem Land eine besondere Verbindung. 1828 war der englische Schriftsteller Charles James Apperley bei ihm zu Gast. Dieser berichtete 1829 in seinem Buch „Aus alten Zeiten“ (Nimrods Tagebuch) über seinen Besuch bei den Brüdern von Biel in Zierow.
Ab 1845 war von Biel Mitglied des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Er hat zwischen 1827 und 1830 mit seinem Bruder ein „Verzeichnis der in Mecklenburg befindlichen Vollblutpferde“ herausgegeben. Gottlieb Wilhelm Ludwig Friedrich von Biel wurde 1792 in Braunschweig geboren. Auch er kam mit seinem Bruder in den Besitz der vom Vater ererbten Güter und übernahm Weitendorf und Neu-Jassenitz, blieb aber vorher noch eine Zeit in England. Zwischen 1813 und 1815 nahm er an den Befreiungskriegen teil.
In königlichen hannoverschen Diensten wurde er Adjutant das Generals von Dörnberg und danach Hauptmann in herzoglich braunschweigischen Diensten. Gottfried von Biel war Mitglied des „Patriotischen Vereins“, später Distriksdirektor.
Er hat in mehreren Zeitschriften wie dem „Freimütigen Abendblatt“, in den „Annalen des mecklenburgischen patriotischen Vereins“ sowie 1823 in „Gesetze für Mecklenburgs Pferderennen“ Aufsätze veröffentlicht und wie erwähnt mit seinem Bruder bis 1830 die Namensverzeichnung der Vollblutpferde in Mecklenburg herausgegeben. Gutsbesitzer Gottfried von Biel verstarb 1831, sein Bruder Freiherr Wilhelm von Biel folgte ihm 1876.

Am Attentat auf Hitler beteiligt

Die Familie von Biel war Jahrzehnte bahnbrechend für die Vollblutzucht in Deutschland tätig. Erst der Zweite Weltkrieg beendete ihre erfolgreiche Arbeit. Der letzte Besitzer in Zierow, Heinrich Freiherr von Biel, wurde wegen seiner Beteiligung am gescheiterten Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 in ein Strafbataillon verbannt. Er überlebte den Verfolgungsterror der Nazis.
Nach Kriegsende ernannte man ihn für kurze Zeit zum ersten Oberbürgermeister von Wismar. Damals half er, die Not der Flüchtlinge in der Stadt zu lindern. Danach wurde die Bielsche Familie selbst eine Flüchtlingsfamilie. Sie verließen Deutschland und gingen in die USA.