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Diese Firma will Leute über den Tisch ziehen

Vorsicht bei Schreiben von dieser Firma, rät Rechtsanwältin Doris Müggenburg. [KT_CREDIT] FOTOs: ZVG

VonLutz StorbeckDas Kleingedruckte in Verträgen zu lesen ist sehr wichtig. Denn manchmal geht es um richtig viel Geld, das einem geldgierige Ganoven ...

VonLutz Storbeck

Das Kleingedruckte in Verträgen zu lesen ist sehr wichtig. Denn manchmal geht es um richtig viel Geld, das einem geldgierige Ganoven abluchsen wollen. Auch Geschäftsleute in der Uecker-Randow-Region bleiben von Betrugsversuchen
und dubiosen Geschäftspraktiken nicht verschont, weiß Rechtsanwältin Doris Müggenburg.

Ueckermünde.Die Schreiben der „Gewerbeauskunfts-Zentrale GWE GmbH“ sehen auf den ersten Blick durchaus seriös aus. Die Antragsformulare kommen per Fax oder per Post zum Gewerbetreibenden. Der Empfänger wird gebeten, zu den bereits vorliegenden Angaben zu seiner Firma Ergänzungen zu machen. Die Gewerbeauskunfts-Zentrale wolle gewerbliche Einträge erfassen. „Das sieht ganz offiziell aus, ist es aber nicht“, warnt Rechtsanwältin Doris Müggenburg. Es handelt sich um eine üble Vertragsfalle, sagt sie. Denn im Kleingedruckten steht, dass der oder die Betreffende etwas mehr als 569 Euro zahlen solle. „Da fehlt das Euro-Zeichen und die Abkürzung Ust. für Umsatzsteuer ist in diesem Zusammenhang nicht gebräuchlich“, sagt die Ueckermünder Rechtsanwältin. Und noch perfider ist, dass auf der Rückseite des Schreibens von einem Zwei-Jahres-Vertrag die Rede ist. Im schlimmsten Fall sind also fast 1200 Euro fällig. Diese fordert die Gewerbeauskunft-Zentrale per Rechnung ein, denn die meisten haben das Auskunftsformular unterschrieben, ohne das Kleingedruckte zu lesen. „Dann kommt die Rechnung, die Leute bezahlen nicht“, beschreibt die Rechtsanwältin. Es folgen Mahnungen, es werden Urteile zitiert, die nicht mehr aktuell sind und ein Teil der Mahnschreiben geht dann direkt an die Gewerbetreibenden und nicht an deren Rechtsbeistand, wie es üblich ist, sagt Rechtsanwältin Doris Müggenburg.
Sie hat die Unterlagen zu einem aktuellen Fall vor sich auf dem Tisch zu liegen. Dort enthalten sind alle Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale. „Das sind insgesamt sieben Schreiben Mahnungen, Inkasso- und Anwaltsschreiben mit weiteren geforderten Gebühren“, sagt die Rechtsanwältin. Für sie ist deutlich erkennbar, dass ihr Mandant mit den Schreiben verunsichert und eingeschüchtert werden soll. Und zwar mit dem Ziel, „dass die Leute es mit der Angst zu tun bekommen, dann irgendwann einknicken und letztendlich doch zahlen“, sagt Doris Müggenburg. Denn ein vorgefertigter gerichtlicher Mahnbescheid verfehlt meistens seine Wirkung nicht.
Doch die Betroffenen, und davon gibt es in der Region einige, können darauf vertrauen, dass sie in der Angelegenheit rechtlich auf der sicheren Seite sind. „Aktuelle Entscheidungen diverser Gerichte bestätigen, dass diese Verträge irreführend und nicht wirksam sind“, sagt die Ueckermünder Rechtsanwältin. Der „Deutsche Schutzverband für Wirtschaftskriminalität“ ist mit seiner Klage wegen „Irreführung und unlauterer Methoden“ gegen die Gewerbeauskunft-Zentrale erfolgreich gewesen. Eine Revision gegen das entsprechende Urteil seitens der Gewerbeauskunft-Zentrale wurde am 6. Februar 2013 durch den BGH nicht zugelassen, informiert Rechtsanwältin Doris Müggenburg. Sie geht davon aus, dass sie ihren Mandanten, die mit den Auskunfts-Formularen über den Tisch gezogen werden sollen, wirkungsvoll zu ihrem Recht verhelfen kann. Zur Prüfung, ob tatsächlich kein wirksamer Vertrag mit der GWE zustande gekommen ist, empfiehlt die Rechtsanwältin, sich auf jeden Fall anwaltlichen Rat einzuholen.

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