Umfrage

Facebook-Nutzer stehen mit ihren Daten im Dunkeln

Fast alle Nutzer stellen Facebook ihre Daten zu Werbezwecken zur Verfügung. Rechtswissenschaftler sehen die Verbraucher übervorteilt.

Dass Facebook von den Nutzern eine Erlaubnis zur Verwendung persönlicher Daten bekommt, ist Fiktion – zum Vorteil des Unternehmens. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage der Universität Bremen. „Es kann von einer vertragsrechtlich gestützten Erosion der Privatsphäre gesprochen werden, die ganz zentrale datenschutzrechtliche Grundwerte ins Leere laufen lässt“, bewertet der Autor der Studie, Robert Rothmann, seine Ergebnisse.

In der Umfrage wurden 1019 Facebook-Besuchern die Nutzungsbedingungen des Internetdienstes vorgelegt. Das Ergebnis ist eindeutig: 99 Prozent der Nutzer wissen nicht, wozu sie Facebook bevollmächtigt haben. Nur drei Prozent der Befragten würden den Bedingungen in dieser Form erneut zustimmen. Viele Teilnehmer zeigten sich darüber empört, dass Facebook ihren Namen und ihre Bilder für Werbeanzeigen verwenden darf – oder ihre persönlichen Informationen für Produktentwicklungen. Auch die Übermittlung ihrer Daten in die USA oder an öffentliche Behörden war den meisten Betroffenen nicht bekannt.

Wer liest schon die AGB?

Für Studienleiter Rothmann stellen die Ergebnisse klar, dass der durchschnittliche Verbraucher bei der Anmeldung auf Facebook nicht bewusst den Geschäftsbedingungen zustimmt. Dennoch würden Juristen und das Unternehmen den Nutzern die volle Kenntnis der AGB unterstellen. Facebook würde sich damit rechtlich absichern. Die Nutzer
würden übervorteilt.

Facebook verteidigt seine Informationspolitik: „Wir unternehmen große Anstrengungen, um den Menschen auf Facebook ein besseres Verständnis darüber zu geben, wie wir ihre Informationen für die Verbesserung unserer Plattform nutzen“, teilte ein Facebook-Sprecher auf Nachfrage des Nordkurier mit. Das Unternehmen informiere ihre Nutzer in einfacher Sprache und fördere Aufklärungs-Kampagnen.

Neue EU-Verordnung soll Abhilfe schaffen

Florian Glatzner vom Bundesverband der Verbraucherzentrale überraschen die Ergebnisse der Studie nicht: „Wenn ich die Bedingungen lese, knirsche ich mit den Zähnen und stimme zu.“ Denn Bestimmungen seien in der Regel schwammig formuliert. Trotzdem wolle der Nutzer nicht auf Facebook als Teil der Gesellschaft
verzichten.

Im Mai 2018 tritt eine neue Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union in Kraft. Dann sollen die Menschen besser über den Umgang mit ihren Daten informiert werden. Für Glatzner ein Schritt in die richtige Richtung: Der Verbraucher müsse dann einzelnen, konkrete Verwendungen persönlicher Daten zustimmen. Es reiche nicht mehr aus, dem Nutzer einen einzigen langen AGB-Text vorzulegen. Alle Auswirkungen der Verordnung lassen sich laut Glatzner zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht einschätzen.

Robin Peters

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