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Nordkurier lesen trotz Facebook-Umbau

Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass: Facebook will sich 2018 kräftig umbauen.
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass: Facebook will sich 2018 kräftig umbauen.
Kay Nietfeld

Facebook will sich 2018 radikal verändern und weniger Nachrichten zeigen. So kann man die Seite des Nordkurier trotzdem verfolgen.

Katzenbilder und Hochzeitsfotos sind bald wichtiger als Nachrichten – so lassen sich stark vereinfacht die Änderungen zusammenfassen, die in diesem Jahr auf die rund zwei Milliarden Facebook-Nutzer zukommen. Das größte soziale Netzwerk der Welt will wieder zu seinen Wurzeln zurück. Das heißt, dass die Nutzer mehr Postings von ihren Freunden, Familie und Bekannten sehen sollen und weniger Inhalte, die dort offizielle Seiten verbreiten.

Mit den Änderungen werden es Beiträge von Parteien, Unternehmen, Medien und anderer Facebook-Seiten schwieriger als bisher haben, in den Nachrichtenstrom der Nutzer zu kommen. Sie werden nun als weniger wichtig eingestuft – außer, man legt in den Einstellungen fest, dass man Inhalte dieser Facebook-Seite unbedingt sehen will.

So kann man diese Einstellungen bei der Facebook-Seite des Nordkurier ändern:

Nutzer der Apps oder der Browser-Version von Facebook müssen ganz oben auf der Seite „Abonnieren” wählen. Zudem kann man in einem weiteren Menü „Als Erstes anzeigen” wählen.

Die Änderungen werden dazu führen, dass die Nutzer weniger Zeit bei Facebook verbringen, räumt Facebook-Gründer Zuckerberg selbst ein. Dafür sollen sie demnach das Gefühl bekommen, diese Zeit sinnvoller genutzt zu haben.

Bisher schien es eher umgekehrt darum zu gehen, dass die Leute länger bei dem Online-Netzwerk bleiben und sich von Beitrag zu Beitrag hangeln. Facebook buhlte um Marken, Medien, „Influencer” und rief sie auf, ihre Inhalte zu Facebook zu bringen. Jetzt werden viele von ihnen, die sich zu sehr auf Facebook als Verbreitungsplattform verlassen haben, im Regen dastehen. Und von Facebook können sie Mitgefühl, aber keinen Regenschirm erwarten.

„Es stimmt, dass die Verbreitung dieser Inhalte zurückgehen wird, und dies bedeutende Auswirkungen für das Ökosystem haben wird”, sagt Facebook-Manager John Hegeman schlicht auf die Frage, ob sich das Online-Netzwerk auf eine Welle der Kritik einstellt und es Maßnahmen geben könnte, die den Schlag abmildern.

Weniger bei Facebook verbrachte Zeit bedeutet zugleich weniger Gelegenheit, auf Werbeanzeigen zu klicken – also potenziell auch weniger Geld für Facebook. Der maßgeschneiderte Verkauf von Anzeigenplätzen ist das eigentliche Geschäftsmodel des Unternehmens. Außer natürlich, die Facebook-Seiten versuchen allesamt, sich über die Anzeigenplätze doch noch in den Newsfeed reinzuquetschen und treiben dadurch die Preise hoch. Die Zahl der Werbeslot wird aber nicht erhöht, stellt Facebook klar.

Facebook soll keine schlechte Welt sein

Mark Zuckerberg hat in einem Interview mit der „New York Times” erklärt, dass er nicht möchte, dass seine Töchter denken, Facebook sei schlecht für die Welt. Indirekt räumt er damit ein, dass sein Netzwerk bislang tatsächlich genau dies war: schlecht für die Welt. Mit den Änderungen reagiert die Plattform auf massive Kritik, dass sie beispielsweise für die Verbreitung von Hassbotschaften, Propaganda oder gefälschten Nachrichten missbraucht wurde. Ob sich diese Probleme mit den angekündigten Änderungen aus der Welt schaffen lassen, ist allerdings fraglich.

Erfolgreich sind bei Facebook jene Beiträge, die besonders gut Emotionen bei den Nutzern auslösen und sie zum Interagieren anregen. Dafür ist die Mechanik hinter der Plattform zuständig. Ein Problem dabei ist: Journalismus ist nicht in erster Linie dafür gedacht, Interaktionen zu erzeugen. Das erklärt der Social-Media-Experte Martin Giesler in einem Blogbeitrag. Vielmehr gehe es darum, zu informieren. „Passivität ist also im journalistischen Sinne nichts schlechtes – ganz im Gegenteil zur Facebook-Logik.”

Doch kann Facebook mit diesen Änderungen seine Kritiker besänftigen? „Der News Feed Umbau ist wohl auch ein Stück weit ein Verzicht, die gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, die Facebook niemals wollte”, bilanziert Martin Geisler in seinem Beitrag. Facebook wolle nun seinen Fokus darauf legen, die Nutzer wieder selbst zum Agieren zu ermutigen. So kann es Daten sammeln, um diese zu vermarkten.

Lokalnachrichten könnten wichtiger werden

Im Zuge der vielen Veränderungen experimentiert Facebook offenbar auch damit, Lokalnachrichten einen höheren Stellenwert einzuräumen. Künftig sollen Facebook-Nutzer in den USA mehr Artikel von Medien aus der eigenen Heimatstadt sehen, berichtet der Branchendienst Meedia. „Wenn Ihr einem Lokalverlag folgt oder jemand eine Story mit lokalem Bezug teilt, könnte das im Newsfeed höher stehen”, erläutert der Facebook-Chef in einem neuen Post.

Zuckerberg bezieht sich auf Studien, die zeigen würden, dass das Lesen von Lokalnachrichten direkt mit Bürgerengagement korreliere.

Die Vorlage für die Erklärgrafik kommt von der Seite "Der Postillion" via Facebook.