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Schnelles Internet oft nur ein Traum

Nicht in jeden Winkel wird Glasfaserkabel gelegt. Die Kosten sind einfach zu hoch.
Nicht in jeden Winkel wird Glasfaserkabel gelegt. Die Kosten sind einfach zu hoch.
P. Kneffel

Unternehmer und Privathaushalte in der Region stecken im Online-Stau: Allen politischen Sonntagsreden zum Trotz haben viele Orte in der Region noch immer keinen Anschluss an die Datenautobahn. Das hat seine Gründe.

Auf Juniorchef Nico Schween wartet eine Tortur, wenn er sich vor den Rechner setzt. Denn die Daten, die der Lychener Taxi- und Reiseunternehmer aus dem Internet lädt, tröpfeln nur aus der Leitung. Im Gegenverkehr stockt es noch mehr: Manchmal dauert es länger als einen Tag, ein Dokument mit vielen Fotos an den Adressaten zu schicken. „Oder, wenn wir uns vor einer Auslandsreise am Rechner informieren, wie ein Hotel erreichbar ist, dauert es viel zu lange“, schätzt Schween ein.

Für kurze Zeit keimte bei Schween die Hoffnung, schon bald seinen Anschluss an die Daten-Autobahn zu bekommen. Sein Telefon-Anbieter hatte in Faltblättern bereits für die neue, schöne Welt des Turbo-Internets getrommelt und am Ende doch für heftige Enttäuschung gesorgt. Denn als Schween sich für das Angebot interessierte, ruderte der Anbieter zurück. „Lychen ist doch noch gar nicht angeschlossen“, erinnert sich Schween an die Auskunft am Service-Telefon. Er weiß, dass in der uckermärkischen Kleinstadt viele Unternehmer-Kollegen sehnsüchtig auf schnelles Internet warten.

Datenraten, die hinterm Grundstandard weit zurückbleiben

Die eher notdürftige Internet-Versorgung in der uckermärkischen Kreisstadt ist typisch für die Lage auf dem Land. Während sich Telefonanbieter und Politik gern mit die Internet-Schnellstraßen in den Städten rühmen, sieht es auf dem Land eher düster aus. Als Maß aller Dinge gilt inzwischen nicht mehr die Grundversorgung mit zwei Megabit pro Sekunde (Mbit/s), die nach offizieller Lesart in über 95 Prozent aller Haushalte anliegt. Dort lassen sich einfache Internet-Seiten nutzen – der viel beworbene Empfang von TV-Sendern oder Video-Diensten ist damit aber nur eingeschränkt möglich.

Nutzer in Wustrow oder Plath an der Seenplatte, in Waldeshöhe oder Dargitz in Vorpommern-Greifswald sowie Schenkenberg oder Baumgarten in der Uckermark können darüber nur lachen: Hier herrscht oft die Internet-Steinzeit mit Datenraten, die hinter heutigen Grundstandards weit zurückbleiben. Während hier noch die Schmalspurbahn tuckert, schwelgt die Politik schon von Hochgeschwindigkeitstrassen. In der „Prärie“ ist an das gar nicht zu denken, was heute als Ziel ausgegeben wird: Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel träumte schon vom Jahr 2018, in dem das ganze Land an die Datenautobahn angeschlossen sein soll. Dann sollen Dokumente, Fotos, Videos mit 50 Mbit/s durch die Leitungen schießen.

Mobilfunk als Alternative zum Glasfaserkabel

Doch der Traum wird sich nicht erfüllen, sind sich die Experten einig. Deutschland ist digitales Entwicklungsland und weit von der Weltspitze entfernt. Beim Internettempo reicht es nur für Platz 29.

Unternehmer Wolfgang Jeske aus Marlow bei Rostock ist seit zehn Jahren im Breitbandausbau tätig und kennt die langen Leitungen im Nordosten. „Entfernungen zwischen den Orten sind riesig und eine technische Herausforderung“, erklärt er. Oft sind die Abstände von Haushalten zu den Vermittlungskästen einfach zu groß, um mit Kupferkabeln hohe Datenraten erzielen zu können. „Das ist physikalisch bedingt.“

„Glasfaser bis in jedes Haus hinein ist das Medium der Zukunft“, sagt er. Allerdings seien gerade die Anfang der 90er-Jahre in Ostdeutschland oft verlegten Glasfaserkabel technisch für das heute geforderte Internettempo nicht geeignet. „Jetzt wird das Netz für die kommenden 50 bis 60 Jahre gebaut“, sagt er. Der Branchenexperte kennt die Kosten: bundesweit rund 100 Milliarden Euro.

Versorgungslücke zwischen Stadt und Land als Herausforderung

Jeske weiß, dass der zuständige Bundesverkehrsminister Dobrindt (CSU) demnächst ein Förderprogramm von 1,1 Milliarden Euro für den Breitbandausbau auflegen will. „Das ist der Tropfen auf dem heißen Stein“, findet er. Die Unternehmen aus der Region würden sich gern ein Stück vom lukrativen Kuchen des Breitbandausbaus abschneiden. „Dann sind wir schneller und flexibler, als wenn nur die Telekom buddelt“, stellt er klar.

„Die eigentliche Herausforderung ist es, die Versorgungslücke zwischen Stadt und Land abzubauen“, erklärt Bernd Holter, Chef des Breitbandkompetenzzentrums in Mecklenburg-Vorpommern. Nicht in jeden Winkel werde aus Kostengründen Glasfaserkabel gelegt werden können.  Deswegen müssten auch Mobilfunk oder Satellitenverbindungen zum Einsatz kommen.

Für den Lychener Taxi-Unternehmer Schween jedenfalls ist bereits Land in Sicht. Das zumindest verspricht das Potsdamer Wirtschaftsministerium. Mit Fördergeld des Landes Brandenburg würden sowohl in Lychen als auch im benachbarten Templin derzeit durch die Telekom Glasfaserkabel verlegt. Erste Verteilerstationen seien bereits im April in Betrieb genommen worden, so eine Sprecherin. Bis Juli 2015 werde das Projekt abgeschlossen – dann soll auch Schween die Auffahrt auf die Datenautobahn nehmen.