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Videospiel-Entwickler rasieren Hitler

Adolf Hitler mal mit und mal ohne Bart: Links ist die unzensierte und rechts die deutsche Version von "Wolfenstein II" zu sehen.
Adolf Hitler mal mit und mal ohne Bart: Links ist die unzensierte und rechts die deutsche Version von „Wolfenstein II” zu sehen.
Bethesda Softworks/Stern.de

In Videospielen darf nicht immer alles gezeigt werden. Vor allem, wenn es um das Dritte Reich geht. Im neuesten Teil des Ego-Shooters Wolfenstein ist Adolf Hitler kein Führer mehr. Selbst die markante Popelbremse fehlt.

Wann hat Adolf Hitler seinen Oberlippenbart abrasiert? Warum spricht ihn die Gefolgschaft plötzlich mit „mein Kanzler” statt „mein Führer” an? Und wieso wird er „Herr Heiler” genannt? Was auf den ersten Blick wie ein Beitrag aus einem Satiremagazin klingt, ist Realität, virtuelle Realität. Zumindest in der deutschen Version des Videospiels Wolfenstein II aus der Schmiede von Bethesda Softworks.

„Wolfenstein II: The New Colossus” ist der zehnte und neueste Teil einer Serie, die es bereits seit 1981 gibt. In den Ego-Shooter-Spielen geht es immer um den Hauptcharakter B.J. Blazkowicz. Dieser schießt sich zunächst durch eine Masse von Nazis, um am Ende den Oberboss zu töten. Nicht selten ist es der Führer persönlich. Denn in diesem Spiel hat der Nationalsozialismus den Krieg gewonnen.

Und in den USA muss der Widerstand aktiviert werden. Es weht nicht das Stars-&-Stripes-Banner, sondern das der Nazi-Besatzer. B.J. zieht gegen teils absurde Kreaturen wie etwa Nazi-Roboter in den Kampf. Auch die Geheimbündler des Ku-Klux-Klan gehören zu den Gegnern.

Das Verschwinden von Hitlers Bärtchen bleibt ungeklärt

Aus juristischen Gründen gibt es in Deutschland Einschränkungen bei diesem Spiel. Auch die österreichische Version ist davon betroffen. So sind nach dem Strafgesetzbuch unter anderem Hakenkreuze, SS-Runen und Wolfsangel verboten und in ihrer Verwendung strafbar. Daran ändert auch die Kunstfreiheit nichts. In „Wolfenstein II” werden Hakenkreuze in Form von Dreiecken dargestellt, Nazis als das Regime bezeichnet. Warum aber der Hitler-Bart zensiert wird, bleibt offen.

Das verstehen auch die Fans des Spiels nicht. Gleich mehrere haben sich in Kommentaren unter einem Youtube-Video mehr Kreativität und Humor gewünscht. Ein Zocker schlägt etwa vor, „Herrn Heiler” eine Papiertüte mit der Aufschrift „Nicht Hitler!” aufsetzen – oder aber den Namen „Hadolf Atler” zu geben. Schließlich ist Hitler auch ohne Bart sofort zu erkennen.

Aber natürlich gibt es eine Möglichkeit, das Spiel ohne Zensur zu zocken. Den Angaben mehrerer Spieler zufolge lässt sich „Wolfenstein II” an der X-Box auf die US-Variante umstellen. Dann hätte Hitler sein berühmtes Bärtchen zurück.

So erklärt der Hersteller die Veränderungen

„Wir möchten [...] darauf hinweisen, dass wir erneut große Anstrengungen unternommen haben, um Wolfenstein: The New Colossus gemäß den in Deutschland geltenden rechtlichen Beschränkungen für die Verwendung von Inhalten mit Bezug zum Nationalsozialismus und Neo-Nazi-Organisationen, die in der Vergangenheit u.a. als Verstöße gegen § 86 des deutschen Strafgesetzbuches ausgelegt wurden, anbieten zu können. [...] Auf dringendes Expertenanraten veröffentlichen wir wie gehabt auch in Österreich ebenfalls nur die deutsche Fassung von Wolfenstein: The New Colossus.”