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Wenn Eltern ihre Kinder für YouTube-Klicks foltern

Auf Youtube werden jede Minute 400 Stunden Videomaterial hochgeladen.
Auf Youtube werden jede Minute 400 Stunden Videomaterial hochgeladen.
Britta Pedersen

Auf Youtube quälen immer mehr Eltern ihre Kinder vor einem wachsenden Millionenpublikum. Werbeanbieter wenden sich allerdings angeekelt ab. Und endlich rührt sich auch der Internet-Gigant.

Auf Youtube lässt sich jede Menge Geld verdienen: Wenn die Videos oft aufgerufen werden, winken fette Werbedeals und ein gütliches Auskommen. Dafür braucht es allerdings viele Klicks, wortwörtlich Millionen – und mehr.

Um die zu bekommen, gehen manche Eltern so weit, dass sie ihre Kinder massiv quälen. Die Kleinen werden dabei gefesselt, in Waschmaschinen gesteckt, von einem Horror-Clown gekidnappt oder zu Tode erschreckt. Ganz besonders schlimm erging es zum Beispiel einem kleinen Mädchen in diesem Video:

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Natürlich verzichten wir hier darauf, eines der Videos zu zeigen und auch noch Werbung für den Kanal zu machen, was denken Sie denn! Zumal Youtube sich offenbar bemüht, zumindest die schlimmsten Auswüchse dieses zweifelhaften Trends zu beseitigen. So wurden alle Videos, über die BuzzFeed.com in einem kritischen Beitrag berichtet hatte, mittlerweile gelöscht.

Schweinchen Peppa Pig isst seinen Papa

Ähnlich reagierte das Unternehmen, als vor Kurzem verstörende Kindervideos auf der Plattform für Aufsehen sorgten. Es kursierten Filme, die beliebten Kinderserien nachempfunden waren, allerdings abgewandelt wurden. So aß das süße Schweinchen Peppa Pig plötzlich den eigenen Vater oder trank Bleichmittel.

Gegenüber Vice.com gab Youtube an, 150.000 solcher Filme gelöscht und 50.000 Kanälen den Geldhahn zugedreht zu haben. Sprich: Es wurde dort keine Werbung mehr geschaltet.

Als Mitte November auch noch Berichte über unangemessene Videos und Kommentare offensichtlich pädophiler Nutzer die Runde machten, zogen große Werbeanbieter selbst Konsequenzen und sich von der Plattform zurück – darunter einige Markenhersteller und die Supermarktkette Lidl. Auch Adidas und die Deutschen Bank wollten ihre Werbung nicht mehr vor solcherlei Videos sehen.

Youtube reagiert zu spät

Jetzt wo es um die Wurst, also ums Geld, geht, reagiert Youtube also endlich. Als das Geschäft mit dem seelischen Leid der Kinder noch ordentlich Klicks auf die Seite und Zaster in die Kassen spülte, sah man offenbar wenig Handlungsbedarf. Laut der BBC hatten zum Beispiel die Tools für Community Manager seit über einem Jahr nur fehlerhaft funktioniert, weshalb es immer wieder unentdeckte sexualisierte Kommentare unter Kindervideos gab.

Erst nach massiver Kritik und politischem Druck rührt sich das Unternehmen. Künftig soll die Zahl der Personen, die die Videos prüft auf, 10.000 steigen. Da diese aber natürlich nicht die 400 Stunden Videomaterial begutachten können, die auf Youtube jede Minute hochgeladen werden, soll verstärkt Googles Expertise bei künstlicher Intelligenz zum Einsatz kommen. Seit Juni seien 150.000 Videos wegen gewalttätigem Extremismus gelöscht worden. Inzwischen würden 98 Prozent davon von den selbstlernenden Maschinen aufgespürt.

Die Algorithmen haben seit Juni ein Volumen an Videos abgearbeitet, für das es 180.000 Personen bei einer 40-Stunden-Woche gebraucht hätte, haut Youtube noch ein paar mehr Zahlen auf den Tisch, um das Wohlwollen der Werbekunden zurückzugewinnen.

Das Problem sind die User

Aber reicht das? Klar kann Youtube bei der Masse an Videos nicht alle sofort kontrollieren. Hier die alleinige Schuld beim Konzern zu suchen, wäre falsch. Das eigentliche Problem sind die Leute, die sexualisierte, gewaltverherrlichende oder geschmacklose Filme hochladen. Und natürlich die Internetnutzer, die offenbar Gefallen an solchen Sachen finden und sie fleißig sowie ungestraft weiterverbreiten.

Gegen beide müsste die Plattform härter vorgehen, auch gerichtlich. Denn wenn ein Kanal gesperrt wird, macht der User einfach wieder einen anderen auf. Das würde er sich aber vielleicht nochmal überlegen, wenn empfindliche Strafen drohen.