Folgen der Nutzung sozialer Medien

Whatsapp, Facebook und Instagram können gut für Kinder sein

Bildschirme sind böse? Ja und nein. Vielleicht sollten wir anfangen, unterschiedliche Medien auch unterschiedlich zu beurteilen. Die Ergebnisse dieser Studie legen das zumindest nahe.

Die Zeit, die Kinder vor Bildschirmen und Displays jeglicher Art verbringen, gelten gemeinhin als schlecht, wenn es darum geht, sie zu aktiven und gesunden Menschen zu erziehen. Doch die Ergebnisse einer groß angelegten Studie regen dazu an, bei der Bewertung von Bildschirmzeit durchaus nach unterschiedlichen Nutzungsarten zu differenzieren.

Die Studie des renommierten amerikanischen National Institutes of Health zeigt, dass die untersuchten 9- und 10-jährige Kinder, die soziale Medien wie Instagram, Facebook oder Twitter stärker nutzen, körperlich aktiver sind, weniger oft an Schlafproblemen leiden und seltener von familiären Konflikten berichten. Kinder, die vermehrt im Social Web aktiv sind, verbringen laut der Studie weniger Zeit mit Videospielen und Fernsehen. Stattdessen interagieren sie online mit Gleichaltrigen.

Daten von 4500 Kindern und ihren Eltern gesammelt

Die Kinder, die stärker allgemeinen Medien wie Internet, TV und Videospiele nutzten, waren demnach anfälliger für schlechteren Schlaf und mehr Familienkonflikte. Kinder, die soziale Medien wie Instagram oder Whatsapp nutzten, nahmen zwar noch an traditionelleren Formen der Mediennutzung teil. Aber die Zeit, in der sie mit anderen über soziale Medien, SMS , Whatsapp oder Video-Chats interagierten, überwog Fernsehen, Videospiele und Internet-Zeit.

Für die Studie wurden Daten von etwa 4500 jungen Menschen und ihren Eltern von der Studie „Adolescent Brain Cognitive Development” gesammelt. Die 2015 gestartete Studie wertet Informationen aus, wie sich die Gehirne junger Menschen entwickeln und wie sie die Pubertät steuern und erwachsen werden.

„Das Wichtigste ist, dass nicht alle Bildschirmmedien schlecht sind, wenn man es auf den Punkt bringen will”, sagte der wissenschaftliche Leiter Dr. Martin Paulus dem National Public Radio, einer Kooperation nichtkommerzieller Hörfunksender in den USA. „Es gibt eine Menge Vorurteile, dass, wenn wir Kinder den Medien aussetzen, etwas Schreckliches passieren wird. Wie wir zeigen, ist das nicht der Fall.”

Bis 20 Prozent der Kinder in sozialen Netzwerken

Für die Studie gaben die Kinder Auskunft über ihre Nutzung von Fernsehen, Videospielen und Social-Media-Seiten. Sie wurden auch gefragt, ob sie Videospiele und Filme mit einer bestimmten Altersgrenze spielen und anschauen. Zudem schätzten Eltern die Bildschirmzeit ihrer Kinder an einem typischen Wochenende und an den Wochentagen ein. Die Kinder berichteten auch über ihre Beteiligung an Sport und anderen körperlichen Aktivitäten. Die Eltern beobachteten zudem, wie gut die Kinder schliefen und füllten eine Checkliste aus, die das Verhalten ihrer Kinder einschätzte, etwa Aufmerksamkeitsprobleme und aggressives Verhalten.

Laut Martin Paulus sind etwa 10 bis 20 Prozent der Kinder im Alter von 9 oder 10 Jahren in sozialen Netzwerken. Diese kommen öfter aus etwas wohlhabenderen Orten, haben etwas mehr gebildete Eltern zu haben und sind überdurchschnittlich oft Mädchen. Communities und soziale Netzwerke können positive Auswirkungen haben, sagte Paulus.

Bedeutet das nun, dass Eltern Fernseher verbieten und ihre Kinder für Twitter oder Facebook anmelden sollten? Wahrscheinlich nicht. Zum einen konnten die Forscher Kausalität nicht nachweisen. Zum anderen seien sowohl die negativen als auch die positiven Unterschiede, die in der Studie identifiziert wurden, eher gering.

Der Psychologe Chris Ferguson von der Stetson University sagte zu den Ergebnissen: „Es sieht so aus, als ob die Nutzung des Bildschirms im Allgemeinen und die Nutzung sozialer Medien relativ wenig Einfluss auf die meisten Ergebnisse hat, die die Autoren betrachten – mit Ausnahme des Schlafes.” Dennoch, sagt Ferguson, könnte das Ergebnis dazu beitragen, einige Bedenken der Eltern auszuräumen, was die Nutzung sozialer Medien betrifft.

 

Sebastian Langer

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