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Durchregieren bis 2017: Holt Merkel sogar Kohl ein?

Ihre Zukunft sieht Angela Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin. Oder hält sie es doch mit Konrad Adenauer, der sein Weitermachen versprach und zwei Amtsjahre später erklärte:  „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“   FOTO: Carsten Rehder

VonAndreas HerholzKohl hieltwegen der Euro-Einführung am Amt fest , Angela Merkel könnte die Euro-Krise zum Bleiben bringen. Die Kanzlerin legt sich jetzt ...

VonAndreas Herholz

Kohl hieltwegen der Euro-
Einführung am Amt fest , Angela Merkel könnte die Euro-Krise zum Bleiben bringen. Die Kanzlerin legt sich jetzt fest. Es sind eindeutige Worte, die kein Zurück zulassen.

Berlin.Sie wolle mindestens bis ins Jahr 2017 regieren. „Ich will die christlich-liberale Koalition fortsetzen, und ich will mich als Bundeskanzlerin in der ganzen nächsten Legislaturperiode weiterhin für unser Land und die Menschen einsetzen“, dementiert die Kanzlerin etwaige Rückzugspläne, nach denen sie im Falle ihrer Wiederwahl im September mitten in der Legislaturperiode im Jahr 2015 zurücktreten werde.
Durchregieren bis 2017 – basta! Ernsthaft geprüft habe sie sich, verrät die Regierungschefin, und sei schließlich zu dem Ergebnis gekommen, für volle vier Jahre anzutreten. Alle Spekulationen über Rente mit 60 und vorzeitige Stabübergabe beendet.
Ausgerechnet in einem Interview mit Bild-Vizechef Nikolaus Blome legt sich Merkel auf eine weitere volle Amtszeit im Falle ihrer Wiederwahl fest. Der Journalist hatte in seinem neuen Buch „Die Zauder-Künstlerin“ die These aufgestellt, dass die Kanzlerin ihren vorzeitigen Abschied für 2015 plane – ein Abgang selbstbestimmt und nicht gezwungenermaßen.
„Die Bundeskanzlerin tritt bei der Bundestagswahl selbstverständlich für eine volle Amtszeit an“, hatte Merkel bereits zu Wochenbeginn über ihren Regierungssprecher versichern lassen.
Wie lange will die CDU-Chefin noch regieren? Acht Jahre wird Angela Merkel im Herbst als Kanzlerin im Amt sein. Seit 13 Jahren führt sie die CDU.
Merkel, die ewige Kanzlerin auf den Spuren Helmut Kohls? Oder doch der Abschied 2015 nach einem Jahrzehnt Kanzleramt? Merkel wolle es anders machen als ihre Vorgänger, die nicht freiwillig ausschieden. Die CDU-Frau hat selbst miterlebt wie Kohl bis zuletzt am Amt festgehalten und den Weg für eine geordnete Nachfolge noch vor der Bundestagswahl 1998 blockiert hatte. So soll Merkel auch zu den Regierungsmitgliedern gehört haben, die einen Rückzug des Altkanzlers schon 1994 für besser gehalten hätten.
Kohl begründete später sein Festhalten an der Macht mit den Plänen der Euro-Einführung und deren Durchsetzung. Eine weitere Zuspitzung der Euro-Krise in den nächsten Jahren könnte auch Merkel womöglich dazu bewegen, nicht vorzeitig abzutreten, sollte sie weiterhin Kanzlerin bleiben.
Am 22. November 2005 war Merkel erstmals zur Kanzlerin gewählt worden.Inzwischen hat sie Gerhard Schröder überholt, im Herbst wird sie zu Helmut Schmidt aufschließen. Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger und Willy Brandt – sie alle hat die Regierungschefin bereits übertroffen, was die Amtszeit angeht.Nur ihre politischen Vorbilder Konrad Adenauer und Kohl regierten länger.
Rückzug 2013, 2015 oder 2017? Vielleicht hält sie es am Ende mit Konrad Adenauer. Der hatte vor der Bundestagswahl 1961 noch versichert, noch einmal für volle vier Jahre antreten zu wollen. Zwei Jahre später trat er mehr oder weniger freiwillig zurück. Würde sich Angela Merkel nach einer erneuten Wahl am Ende doch früher als 2017 zurückziehen, könnte sie auf Adenauers berühmte Devise verweisen: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“