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Ein Bär fürs Wohnzimmer

Tierpräparator Torsten arbeitet an einem Präparat eines Kudus aus Afrika.

Es ist stickig in der kleinen Werkstatt. Auf einem Tisch liegt ein in sich gedrehtes Horn, aus einer Schublade schauen Glasaugen, an einer Wand hängen ...

Es ist stickig in der kleinen Werkstatt. Auf einem Tisch liegt ein in sich gedrehtes Horn, aus einer Schublade schauen Glasaugen, an einer Wand hängen unzählige Tiere: Steinböcke, Auerhähne, Wildschweine. „Bei uns entsteht Kunst“, sagt der Präparator Torsten Frommholz aus Eberswalde. Jedes Jahr stopft er mit seinem Partner und seiner Frau Dutzende Tiere aus. Sie landen im heimischen Wohnzimmer als Erinnerungen an die verstorbenen Haustiere, sie stehen in Museen und Ausstellungen als Anschauungsobjekte oder als Jagdtrophäen in eigens errichteten Triumph-Hallen von Australiern, Spaniern oder US-Amerikanern.

„Wir sind als Präparatoren Fleischer, Handwerker, Modellbauer und Künstler zugleich“, beschreibt Diana Frommholz ihre Arbeit aus Gerben, Nähen und Verkleben. „Erst kommt der kernige Teil der Arbeit, dann der kosmetische.“ Ihre Kunden sind meist Privatleute. Das Team hat schon Elefanten, Leoparden und Wasserbüffel ausgestopft. Jäger hätten sie von ihren Reisen in alle Welt mitgebracht und per Frachtpost nach Eberswalde geschickt.

Eines der aktuellen Projekte der Tierpräparatoren ist ein ausgewachsener Bär. Ein Spanier hat ihn in Russland geschossen und wollte, dass das Tier im Stehen ausgestopft wird. Die Arbeit ist fast fertig – mit Fön und Bürste bringt ein Mitarbeiter das Fell in Ordnung. „Die größte Herausforderung ist es, den Tieren wieder Leben einzuhauchen“, sagt Diana Frommholz. „Im besten Fall muss man den Eindruck haben, dass das Tier lebt und es einem hinterherguckt.“ Tierschützer sind auf die Präparatoren oft nicht gut zu sprechen.

Problematisch wird es, wenn jeder ein Nashorn will

„Bei einer unserer Messebesuche haben Tierschützer gegen die Jagd demonstriert“, erzählt Torsten Frommholz. Sonst gebe es aber kaum Probleme. Schließlich schafften Exponate auch Wissen und dienten dem Artenschutz. „Tierpräparation wird dann ein Problem, wenn es in Mode kommt und jeder ein Nashorn bei sich zu Hause haben möchte“, sagt Jörn Ehlers von der Umweltstiftung WWF.

Allgemein sei es eine Geschmacksfrage, ob sich jemand ein totes Tier ins Wohnzimmer hängen möchte – aber kontrollierte Jagd trage auch zur Erhaltung von Arten bei. „Ausgestopfte Tiere können einen Beitrag zur Bildung leisten“, betont Ehlers. Beispielsweise der berühmte Eisbär Knut, der bis 5. Mai 2013 als Präparat im Berliner Naturkundemuseum zu sehen sein soll. „Er hat schließlich den Lebensraum Arktis bekannt gemacht.“ Solche Präparate zum Angucken und Lernen entstehen auch in der Eberswalder Werkstatt.

„Zu unseren Kunden zählen Waldschulen, Wildparks und Fachhochschulen, die ihrem Bildungsauftrag nachkommen wollen“, sagt Präparator Christian Bresk. Im Wolfcenter im niedersächsischen Dörverden zum Beispiel stehen sieben ausgestopfte Wölfe – sechs haben die Brandenburger Präparatoren bearbeitet. „Es ist die einzige Möglichkeit, sich Wölfen richtig zu nähern“, sagt der Inhaber des Wolfcenters, Frank Faß. „Durch diesen hautnahen Kontakt können wir unsere Besucher für die Tiere sensibilisieren.“

Immer mal wieder geben die Präparatoren auch geliebten Haustieren „ewiges Leben“. „An ihren Vögeln, Hamstern, Hunden oder Katzen hängen einige Besitzer besonders“, erzählt Torsten Frommholz. „Oder an einem Zuchtpferd – manch einer will da nicht so schnell loslassen.“ Die verstorbenen Lieblinge kommen neben den Kamin oder auf das Nachttischschränkchen.