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„Einen Tag bei der 100. Tour in Gelb, das ist mein Traum“

Weltbester beim Rennen gegen die Uhr: Tony Martin.[KT_CREDIT] FOTO: ALESSANDRO DELLA BELLA

Radprofi Tony Martin nutzte das vergangene freie Wochenende, um wieder einmal in Thüringen vorbeizuschauen. Manfred Hönel hatten Gelegenheit zu einem ...

Radprofi Tony Martin nutzte das vergangene freie Wochenende, um wieder einmal in Thüringen vorbeizuschauen. Manfred Hönel hatten Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem
28 Jahre alten Zeitfahrweltmeister vom belgischen Team Pharma Omega Quick-Step.

Tony Martin, was trieb Sie nach Erfurt?
Da gibt es gleich mehrere Gründe. Ich wollte alte Freunde besuchen, mal wieder mit meinem früheren Trainer Jens Lang reden. Ein Hauptgrund war aber das Treffen mit meinem Manager Jörg Werner.

Wann sehen wir Sie wieder in Deutschland am Start?
Bei der Deutschen Meisterschaft Ende Juni will ich im Allgäu meinen Titel im Zeitfahren verteidigen und den im Einzelrennen dazu gewinnen.

Sie wohnen mit Ihrer Freundin in der Schweiz. Warum leben so viele deutsche Radprofis im Nachbarland?
In erster Linie sind da die guten Trainingsbedingungen. Und wie das so ist, wenn erst einmal einer angefangen hat, folgen die anderen. Wir trainieren nämlich öfter gemeinsam. Die Straßen auf der Schweizer Seite des Bodensees sind längst nicht so befahren wie in Deutschland.

Sie haben in diesem Jahr schon vier Zeitfahren gewonnen und sind Weltmeister in dieser Disziplin.
Sehen Sie sich jetzt nach dem Schweizer Fabian
Cancellara als neuer
Zeitfahrkönig?
Cancellara definiert sich mehr über die Klassiker. Ich bin eher der Typ Rundfahrer. Ob ich Cancellara als Zeitfahr-Spezialist abgelöst habe? Ich bin ihm zumindest ganz dicht auf den Fersen. Bei der kommenden WM im italienischen Florenz will ich zum dritten Mal mein Regenbogentrikot verteidigen.

Hilft Ihnen dabei wieder
Ex-Profi Rolf Aldag?
Rolf Aldag ist ein Fuchs auf dem Gebiet des Materials. Seine Ideen sind für mich mit entscheidend. Es gibt fünf bis sechs Fahrer in der Welt, die etwa gleich stark sind. Helm, Laufräder und Reifen bekommen da eine zusätzliche Bedeutung. Unsere Carbonlaufräder wiegen nur 1093 Gramm. Aus meiner Sicht gibt es nur zwei oder drei Fabrikate, mit denen man bei der Tour de France Zeitfahren gewinnen kann.

Tour de France ist ein gutes Stichwort. Haben Sie sich neben den Zeitfahrsiegen noch andere Ziele für die Jubiläums-Tour im Juli gesetzt?
Mit einem Sieg beim 33-km-Zeitfahren auf der elften Etappe in Mont-Saint Michel will ich versuchen, mir das Gelbe Trikot zu holen. Bei der
100. Tour de France einen Tag in Gelb zu fahren, das gehört zu meinen großen Träumen.
Sie haben sich im Kampf gegen Doping sehr stark
gemacht. Der spanische
Dopingarzt Eufemiano Fuentes wurde für seine Dopingvergehen zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Was sagen Sie dazu?
Das Urteil ist für den Sport ein schlechtes Signal. Ein Jahr auf Bewährung ist für mich keine Abschreckung. Ich hätte ein härteres Urteil erwartet.

Ein anderes Thema: Der deutsche Bahnrad-Vierer trudelt seit Jahren der Weltklasse weit hinterher. Könnten Sie sich mit einem Vierer Tony Martin, Marcel Kittel, John Degenkolb, Patrick Gretsch oder Roger Kluge anfreunden?
Durchaus. Eine Mannschaft mit den genannten Namen würde auf keinen Fall hinterherfahren. Bei speziellem Training könnte sie sogar ganz vorn mitmischen. Wahrscheinlich geht das aber nicht, weil Deutschland nach T-Mobile, Gerolsteiner und Milram kein Spitzenteam besitzt und wir alle in ausländischen Mannschaften fahren, wo die Interessenlage anders ist als in Deutschland. Für mich persönlich gibt es bei Olympia 2016 nur ein Ziel: Ich will nach Silber in London in Rio um die Goldmedaille im Zeitfahren kämpfen.

Sie interessieren sich sehr für Fußball. Zwei deutsche Mannschaften stehen mit Bayern München und Borussia Dortmund im Champions-League-Finale. Wem drücken Sie die Daumen?
Ein bisschen mehr drücke ich schon für Borussia die Daumen.