Unsere Themenseiten

:

Fischer zappeln im Netz der Bürokraten

Der Fischer Danny Koch holt im Licht der aufgehenden Morgensonne eine Reuse aus dem Groß Schauener See (Storkow). Brandenburgs Regierung sagt, dass er damit einen Beitrag zum Naturschutz leistet.  FOTO: Patrick Pleul

Angesichts überfischter Weltmeere gilt die Fischzucht in Anlagen – die Aquakultur – als zukunftsweisende Alternative. Allerdings zögern die ...

Angesichts überfischter Weltmeere gilt die Fischzucht in Anlagen – die Aquakultur – als zukunftsweisende Alternative. Allerdings zögern die Fischereibetriebe, die aufgrund ihrer Erfahrungen eigentlich ideale Investoren und Betreiber sein müssten.
Ulrich Paetsch von der Fischerei Müritz-Plau sagt, bundesrechtliche Regelungen seien das Problem. Die Fischer in Brandenburg oder Niedersachsen stünden vor denselben Schwierigkeiten wie ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern. So dürfe die Uferzone von Gewässern in aller Regel nicht bebaut werden. „Dort stehen aber die Fischereihöfe.“

Eine weitere Schwierigkeit sei die Abwasserbeseitigung: Selbst bei geschlossenen Kreislaufanlagen blieben zehn Prozent des täglich genutzten Wassers übrig. Diese ins öffentliche Abwassernetz einzuspeisen, würde die Produktion unwirtschaftlich machen, so Paetsch. Zudem dürfe der Schlamm aus den Anlagen seit einiger Zeit nicht mehr als Dünger auf die Felder, sondern müsse als Bioabfall entsorgt werden – ein weiterer Kostentreiber.

„Reale Chancen, eine rentable Produktion auf die Beine zu stellen, haben eigentlich nur Landwirtschaftsbetriebe“, sagte Paetsch. Sie könnten beispielsweise das Abwasser auf ihren Flächen verregnen. Die Bauern hätten aber oft keine Vermarktungsstruktur für Fisch.

Dass das Fischen auch frei von Kontroversen sein kann, zeigte sich am Wochenende in Brandenburg. Die rund 77000 im Landesanglerverband organisierten Angler in Berlin und Brandenburg leisten nach Ansicht der Landesregierung einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz. „Sie holen nicht nur Fische aus dem Wasser, sondern sorgen auch für den Erhalt der Arten“, sagte Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) auf der Jahreshauptversammlung des Verbandes in Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming). Mit großem Engagement unterstützten die Angler Wiederansiedlungsprojekte von Lachs und Stör in märkischen Gewässern.

Der Verband setzt in jedem Jahr Fische im Wert von rund 650000 Euro aus und sorgt damit für Nachwuchs. Die Angler sind in rund 1400Vereinen organisiert. Sie bewirtschaften etwa 17Prozent der derzeit nutzbaren Wasserfläche. Etwa 14500 Hektar Gewässer mit 20 Hauptfischarten stehen für sie bereit. Insgesamt leben in den märkischen Flüssen und Seen etwa 60 Fischarten. Plötze, Hecht und Barsch sind die am meisten vorkommenden Arten. Etwa 124000 Menschen besitzen in Brandenburg einen Angelschein.