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Für Horst wird der Tisch gedeckt

Vorsichtig schreitet der gefiederte Gast auf dem Hof von Familie Benthin durch den Schnee.

Aufmerksam schaut die dreijährige Liesbeth durch die Fensterscheibe: „Guck, da ist unser Storch“, sagt die Kleine, als sie Freund Adebar langsam durch ...

Aufmerksam schaut die dreijährige Liesbeth durch die Fensterscheibe: „Guck, da ist unser Storch“, sagt die Kleine, als sie Freund Adebar langsam durch den Schnee auf dem Hof schreiten sieht. Die Kinder, die von Tagesmutter Liane Benthin in Götschendorf betreut werden, haben sich an den gefiederten Gast auf Zeit bereits gewöhnt: Am 6.März bezog er den Horst auf dem Grundstück von Familie Benthin.
Aus den Beringungsdaten weiß Liane Benthin, dass genau dieser Vogel bereits seit 2010 Götschendorf ansteuert, um dort eine Familie zu gründen, wie es so schön heißt. Da ist es durchaus legitim, dass ihm die Bewohner des Hauses 41 a inzwischen einen Namen gegeben haben. Die Wahl fiel auf Horst.
„1998 haben wir die Nisthilfe bei uns aufgestellt. Sie wurde sofort als Quartier von Störchen angenommen“, erzählt die Götschendorferin. Sie hat über all das, was sich in dieser Zeit im Nest getan hat, Buch geführt. „Horst“ kam in diesem Jahr besonders zeitig, wie ein Blick in die Storchenchronik verrät: Seit dem 6. März ist er auf dem Hof und muss nun wie seine Artgenossen mit Schnee und Kälte klar kommen. Beides erschwert natürlich die Nahrungssuche. Liane Benthin und ihre Familie reagierten daraufhin so, wie sie es schon einmal vor zwei Jahren nach Rücksprache mit den Tierärzten Ingo Börner und Dr. Alexander Genschow getan hatten, als der Winter sich nicht recht verabschieden wollte: Dem Storch wird zur Überbrückung Nahrung angeboten.
Auf dem Speiseplan stehen zurzeit Fische, die Liane Benthins Vater besorgt oder die von der Fischerei geholt werden. Dazu kommen Hühnerherzen, manchmal auch Gehacktes. „Von seiner ,Behausung‘ aus beobachtet der Storch, wenn ich das Futter auf Hof verteile. Spätestens, wenn sich Krähen nähern und sich darüber hermachen wollen, fliegt er los, vertreibt sie und beginnt zu fressen“, erzählt die Götschendorferin.
Aus Sicht von Naturparkleiter Roland Resch spricht nichts gegen diese Art von Futterhilfe in Notzeiten. Zumal natürlich auch Liane Benthin hofft, dass es nun endlich Frühling wird und ihr gefiederter Gast bei der Nahrungssuche wieder selbst fündig wird…