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Teil 8: Riestern lohnt sich - meistens jedenfalls

Riester Rente

Hoch gelobt, heiß beworben, vernichtend kritisiert - die Riester-Rente hat in den zehn Jahren seit ihrem Start schon alles erlebt. Und der Verbraucher hört die Meldungen und bleibt mit einem Fragezeichen vor seinem inneren Auge zurück: "Soll ich oder soll ich nicht?".

 "Die Riester-Rente lohnt sich", sagt Theo Pischke, Redakteur der Zeitschrift "Finanztest". "Pauschal etwas anderes zu behaupten, halte ich für unverantwortlich. Viele Menschen brauchen eine zusätzliche Altersvorsorge, und da ist Riester - abgesehen von der betrieblichen Altersvorsorge - erste Wahl." Allerdings gibt es auch - einige wenige - Frauen und Männer, denen der Finanzexperte  von der Stiftung Warentest diese Form der staatlich geförderten Altersvorsorge nicht empfehlen würde. Welche Menschen sind das und wer sollte im Gegensatz zu ihnen unbedingt riestern?

Die Rentenlücke:

Wer im Alter seinen Lebensstandard halten möchte, braucht ungefähr 80 Prozent seines letzten Nettolohnes. Die gesetzliche Rente allein kann diesen Bedarf längst nicht mehr decken. Wie hoch sie voraussichtlich sein wird, können Versicherte der Standmitteilung entnehmen, die sie regelmäßig von ihrer Rentenversicherung zugeschickt bekommen. Außerdem gibt es im Internet Rechner, mit deren Hilfe man seine Rentenlücke berechnen kann. "Es gibt Menschen, die gar keine Rentenlücke  haben", sagt Theo Pischke.

Der Geringverdiener:

Wer schon heute weiß, dass seine Rente nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt im Alter zu sichern, kann sich die Beiträge für eine Riester-Rente in der Regel sparen. Die Rente würde später auf das Einkommen angerechnet werden und so die staatlichen Leistungen aus der Grundsicherung im Alter schmälern. Unter dem Strich hätte der Betroffene trotz jahrelangen Sparens keinen Cent mehr. So absolut kann dieser Ratschlag allerdings nur für Betroffene gelten, die schon wenige Jahre vor dem Renteneintritt stehen. "Jemand, der noch jung ist und wenig verdient, weiß doch nicht, ob das immer so bleibt", sagt Theo Pischke.

Möglicherweise sorgt auch die Politik noch dafür, dass sich Riestern für Geringverdiener doch lohnt. Derzeit gebe es Überlegungen, eine Zuschussrente einzuführen, so der Finanzexperte. Laut dem bislang vorliegenden Vorschlag sollte die Grundsicherung für die Rentner, die sehr lange gearbeitet und privat vorgesorgt haben, dann auf 850 Euro aufgestockt werden.

Die alleinerziehende Mutter:

Sie ist 33 Jahre jung, hat ein dreijähriges Kind und verdient im Jahr nur 13 000 Euro. Um die vollen Riesterzulagen zu bekommen, müssen  4 Prozent des Jahresbruttoeinkommens in einen Vertrag eingezahlt werden. Das wären im Fall der Modellmutter 520 Euro pro Jahr. 154 Euro davon kommen als Grundzulage vom Staat, weitere 300 Euro als Kinderzulage (für ab 2008 geborene Kinder). Bleiben unter dem Strich 66 Euro - also 5,50 Euro pro Monat, die die Frau selbst einzahlen muss. Ihre Förderquote liegt bei rund 87 Prozent. Mit diesem geringen Eigenbeitrag kann sie bei einem guten Anbieter zum Renteneintritt mit 67 Jahren eine garantierte Rente von 81 Euro erreichen, inklusive (nicht garantierter) Überschussbeteiligung sogar 143 Euro. Selbst eingezahlt hat sie über die Jahre nur rund 2200 Euro. Mit einer privaten Rentenversicherung ist das nicht zu schaffen.

Der zweifache Vater:

Er ist ebenfalls Jahrgang 1979, hat zwei Kinder (2000 und 2003 geboren) und verdient 30 000 Euro im Jahr. In seinen Vertrag müssen jährlich 1200 Euro eingezahlt werden. Nach Abzug von Grundzulage (154 Euro) und zweimal Kinderzulage (insgesamt 370 Euro) bleiben rund 56 Euro monatlich, die er selbst aufbringen muss. Dafür winkt ihm als 67-Jährigem bei einem guten Anbieter eine garantierte Rente von 187 Euro.

Der Single:

Beim derzeit 33-jährigen Single mit einem Jahresbrutto von 30 000 Euro müssen ebenfalls 1200 Euro in den Riester-Vertrag fließen. Da er nur die Grundzulage von 154 Euro erhält, muss er rund 87 Euro pro Monat (1046 Euro pro Jahr) selbst tragen. Weil die Riesterbeiträge aber über den Sonderausgabenabzug steuerlich geltend gemacht werden können, bekommt er über eine Steuerersparnis weitere 194 Euro vom Staat, was seinen persönlichen Einsatz auf  852 Euro pro Jahr reduziert. So bringt auch bei ihm der Staat fast 30 Prozent der Beiträge für die private Altersvorsorge auf.

Die Kosten:

Ein Problem sieht aber auch Theo Pischke: "Es ist ein Ärgernis, wie hoch die Kosten für Riester-Verträge sind, insbesondere bei Versicherungsunternehmen." Und gerade auf die Versicherungslösungen beziehen sich viele Riester-Kritiker. Dabei gebe es Alternativen. Bank- und Fondssparpläne oder Wohnriester zum Beispiel. Deshalb sei es wichtig, dass Sparer die für sie passende Produktform finden, daraus ein gutes Angebot wählen und sich die staatliche Förderung voll sichern. Riester-Produkte sind nicht automatisch gut oder rentabel, weil sie als förderfähig zertifiziert sind. Auf der Suche nach einem guten Angebot helfen Test, zum Beispiel von der Stiftung Warentest.