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Welche Steuerklasse für frisch Verheiratete Sinn macht

Wenn die Hochzeitsglocken läuten und sich Menschen die große Liebe schwören, hat zuvor manchmal auch der Steuervorteil eine Rolle gespielt.
Wenn die Hochzeitsglocken läuten und sich Menschen die große Liebe schwören, hat zuvor manchmal auch der Steuervorteil eine Rolle gespielt.
Andrea Warnecke

Gemeinsame Zukunftspläne, große Gefühle oder ein Kinderwunsch – es gibt viele Gründe zu heiraten. Manche Paare reizen die finanziellen Vorteile. Aber kann man mit der Wahl der Steuerklasse überhaupt Geld sparen?

Nach dem Ja-Wort geht alles wie von selbst: Das Finanzamt stuft die Ehepartner automatisch in die Steuerklasse IV ein. Nicht immer ist das aber die beste Wahl: „Für frisch Verheiratete ist diese Kombination nur dann günstig, wenn beide Ehepartner annähernd gleich viel verdienen“, sagt Gudrun Steinbach von der Lohnsteuerhilfe Bayern. Denn die Wahl der Steuerklasse hat Einfluss darauf, wie viel Netto monatlich bleibt.

„Am größten sind die Steuerersparnisse, wenn nur ein Partner arbeitet“, sagt Stephanie Zipp von der Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest. Der Alleinverdiener solle am besten in die Steuerklasse III wechseln. Auch wenn ein Partner deutlich mehr Gehalt als der andere bekommt, sollten beide ihre Steuerklasse ändern. „Trägt ein Partner etwa 60 Prozent zum gemeinsamen Bruttolohn bei, wählt der Besserverdiener die Steuerklasse III und der Partner die Steuerklasse V“, rät Zipp.

„Die Kombination der Steuerklassen III und V hat den Vorteil, dass der Besserverdienende weniger Lohnsteuer zahlen muss“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Der andere müsse dann zwar mehr Lohnsteuer zahlen, aber insgesamt spare das Paar Steuern, weil der Besserverdiener von dem doppelten Grundfreibetrag und höheren Vorsorgepauschalen der Steuerklasse III profitiert. „Je mehr die Gehälter auseinanderdriften, umso größer sind die Ersparnisse bei der Steuerklassen-Kombination III und V“, sagt Wawro. Allerdings müsse das Ehepaar bei der Kombination aber möglicherweise mit einer Nachzahlung rechnen.

Wechsel der Steuerklassen nur einmal jährlich möglich

Wer das vermeiden will und unterschiedlich viel verdient, kann seit 2010 in die Steuerklasse IV mit Faktor wechseln. „Diese Steuerklasse berücksichtigt am genausten, wie viel Lohnsteuer man voraussichtlich zahlen muss“, sagt Steuerexpertin Zipp. Dafür müssten beide Partner beim Finanzamt vorab ihr voraussichtliches Jahresgehalt angeben. „Verheiratete Paare können so jeden Monat auf einen höheren Nettolohn zugreifen“, erklärt Steinbach. Nach der Abgabe der Steuererklärung seien dann keine großen Nachzahlungen zu befürchten, ergänzt Zipp.

„Falls sich das angegebene Gehalt im Laufe des Jahres beispielsweise durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit ändert, können die Ehepartner die Steuerklasse wechseln“, erklärt Steuerberater Wawro. Dafür müssten frisch Verheiratete einen Wechselantrag beim Finanzamt stellen, der rückwirkend ab Eheschließung gilt. Ein Wechsel sei in der Regel nur einmal pro Jahr möglich und zähle im Jahr der Eheschließung nicht mit.

Splitting gilt auch für Lebenspartnerschaften

Bei der Steuerklassen-Kombination IV/IV müssen Paare keine Steuererklärung abgeben. „Die Abgabe einer Steuererklärung lohnt sich dennoch eigentlich immer“, sagt Wawro. In vielen Fällen, etwa wenn ein Partner die Steuerklasse V hat, sei das sogar Pflicht. Bei der Steuererklärung können Verheiratete unabhängig von der Steuerklasse wählen, ob sie einzeln oder gemeinsam veranlagt werden wollen. „In der Regel macht es Sinn sich gemeinsam veranlagen zu lassen“, sagt Wawro. Ausnahmefälle könnten sein, wenn ein Partner hohe Verluste aus seiner Selbstständigkeit befürchten muss oder wenn ein Partner seine Ausbildungskosten absetzen kann. Dann solle man eher eine Einzelveranlagung wählen, rät Wawro.

Wer gemeinsam veranlagt wird, unterliegt dem sogenannten Ehegattensplitting. Der Splittingtarif gilt – unabhängig davon, wann das Paar im Jahr geheiratet hat – rückwirkend für das gesamte Jahr und wird bei der Jahresendabrechnung berücksichtigt. Laut einer Beispielrechnung der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH) zahlen Ehepaare mit Hilfe des Splittingtarifs gegenüber unverheirateten Paaren rund 1700 Euro weniger Einkommensteuer. Grundlage der Rechnung war ein gemeinsames Jahreseinkommen von 80 000 Euro. Seit 2013 gilt der Splittingtarif auch für eingetragene Lebenspartnerschaften.