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Geliebtes Instrument kommt nach Hause

Hans-Peter Herold ist in der Kirche zu Mölln beim Festgottesdienst ganz in sein Orgelspiel vertieft.[KT_CREDIT] FOTOS (3): P. Jasmer

VonPaulina JasmerAn die 40 Jahre mussten Charlotte Günther und viele andere Möllner warten, bis die Schwarz-Orgel wieder durchs Gotteshaus klingt. Jetzt ...

VonPaulina Jasmer

An die 40 Jahre mussten Charlotte Günther und viele andere Möllner warten, bis die Schwarz-Orgel wieder durchs Gotteshaus klingt. Jetzt können sie ihr wieder ausgiebig lauschen und Erinnerungen Revue passieren lassen.

Mölln.Taufe, Konfirmation und Hochzeit – das hat die
88-jährige Möllnerin Charlotte Günther schon alles in der Kirche zu Mölln erlebt.
Als Kind des Ortes ist dies ja auch fast selbstverständlich. Dass die 88-Jährige nun aber nach rund 40 Jahren Wartezeit die Schwarz-Orgel wieder klingen hört, das hat schon Seltenheitswert. Denn eine Orgelweihe gibt es nicht alle Tage. „Das ist wirklich so schön“, sagt die älteste in Mölln geborene Einwohnerin. Sie wohnt gleich nebenan und hat trotz ihres Alters den Weg zum Festgottesdienst am Sonntagmorgen zu Fuß angetreten. Diesem erhabenen Moment der Wieder- inbetriebnahme will sie beiwohnen.
„Und erhaben ist es in der Tat“, pflichtet Pastorin Britta Carstensen bei. Als sie der Probe von Hans-Peter Herold nur einige Tage zuvor gelauscht hatte, „da habe ich ganz schön schlucken müssen“, meint sie, denn die Möllner hätten wirklich Glück gehabt, dass innerhalb kürzester Zeit die 11 500 Euro für die Restaurierung zusammen gekommen waren. Spender, die mit kleinen und größeren Geldsummen dieses Vorhaben unterstützten, zeigten sich freigiebig.
Und so wurde die Schwarz-Orgel zu Jahresbeginn abgebaut, von Orgelbauer Andreas Arnold restauriert und in den vergangenen Tagen wieder aufgebaut (der Nordkurier berichtete).
Hans-Peter Herold spielt der Festgemeinde an diesem Sonntagvormittag die schönsten Kirchenlieder auf der Orgel vor. Ein ausgebildeter Organist sei er zwar nicht, wie er einräumt, aber derjenige, der sich für die Musik in der Kirche verantwortlich fühlt. In den vergangenen Jahren kam dabei die Orgelmusik vom Keyboard, aber als es hieß, die Möllner Orgel kommt nach ihrer Restauration bald wieder nach Hause, da ist Hans-Peter Herold nach Zirzow gefahren, wo eine bauähnliche Orgel steht und ebenfalls wie das Möllner
Instrument nach dem pneumatischen System funktioniert.
Und Hans-Peter Herold ist an diesem Sonntagvormittag ganz versunken in die tiefen und hohen Pfeifentöne der Orgel, die durchs Kirchenhaus vibrieren.
Die Klänge von drei Pfeifenreihen mit jeweils 54 Pfeifen schlängeln sich in jede Ecke des Gotteshauses, das zum Festgottesdienst wahrlich gut gefüllt ist. Und da kann es vor lauter Euphorie über die Rückkehr des gesundeten Instruments schon passieren, dass der Spielende aus Versehen ein falsches Lied anstimmt. Aber die Gemeinde, vor allem aber Charlotte Günther, sieht es ihm nach. Denn die akustische Wiedersehensfreude mit der Orgel ist einfach zu überwältigend.
Schon als kleiner Junge hat Hans-Peter Herold auf der Orgel gespielt, Kindheitserinnerungen durchströmen die Kirche. Es sind Gedanken, die verblasst waren, nun wiederkehren und jetzt sogar eine Neuauflage erleben.

Kontakt zur Autorin
p.jasmer@nordkuirer.de