Marihuana

:

Cannabis-Legalisierung in Kanada sorgt für Kritik

Als zweites Land der Welt nach einer Parlamentsentscheidung legalisiert Kanada den Cannabiskonsum.
Als zweites Land der Welt nach einer Parlamentsentscheidung legalisiert Kanada den Cannabiskonsum.
dpa

Es ist der Anbeginn einer neuen Ära und das Pro-Cannabis-Lager sieht die Legalisierung von Marihuana in Kanada als Schritt in die richtige Richtung. Doch es wird Kritik laut.

Sie heißen Ian Power und Nikki Rose, sind Kanadier und seit dem vergangenen Mittwoch Berühmtheiten. Vermutlich zwar nur auf Zeit, aber trotzdem, ihre Gesichter gelten aktuell als Symbol einer Trendwende. Denn Kanada machte einen Schritt, den zuvor lediglich Uruguay wagte: die Legalisierung von Cannabis.

Zwei Jahre lang arbeitete die Regierung um Premierminister Justin Trudeau an der Freigabe der Droge, was nun in dem ersten legalen Verkauf von Marihuana gipfelte – eben an die beiden. Allerdings erklärte Power kurz nach dem Erwerb, was er mit dieser Ration plant: „Ich werde es rahmen und an meine Wand hängen. (...) Ich werde es für immer aufbewahren“, sagt er erfreut.

Kritik aus Deutschland

Während in Kanada die neue Ära der „High-Times” medienwirksam inszeniert werden und süßliche Rauchschwaden aufziehen, werden in Deutschland erste kritische Stimmen laut. Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung sieht die Legalisierung gar als „eine Kapitulation”. Es sei schlichtweg ein falsches Zeichen und ein Schritt in die falsche Richtung, fügt die CSU-Politikerin hinzu.

Als Grund führte sie an, dass der Stoff binnen der letzten Jahre immer stärker geworden sei. Vielmehr solle man noch eher mit der Prävention und Beratung beginnen, heißt es von Mortler. Obwohl konkrete neue Lösungsansätze bis dato fehlen, rief sie zu „Hilfe statt Sanktionen” auf.

Die Gewerkschaft der Polizei äußert sich ebenfalls kritisch über die Legalisierung von Cannabis, in dem Land zwischen USA und Alaska. „Fällt ein Verbot, wird damit gleichzeitig suggeriert, dass etwas ja gar nicht so gefährlich ist, wie immer behauptet wurde”, so der Gewerkschafts-Vorsitzender Oliver Malchow.

Zudem verweist er auf die schwerwiegenden Folgen regelmäßigen Konsums, speziell bei jungen Konsumenten. So würde mit einer Freigabe „ein hohes Risiko in Kauf genommen.” Das Mindestalter für den Kauf von Marihuana liegt jedoch bei 18 beziehungsweise 19 Jahren.

Cannabis als Einstiegsdroge?

Von anderen Cannabis-Kritikern wird zudem immer wieder ins Feld geführt, dass das berauschende Kraut als die Einstiegsdroge schlechthin gelte. Ein Irrglaube, der bereits mehrfach widerlegt wurde. So kam das amerikanische „Institute of Medicine” bereits im Jahr 1999 zu dem Schluss, dass Cannabis eben keine Einstiegsdroge sei. Wenn überhaupt, so belegen indes zahlreiche Studien, dass maximal 2 bis 5 Prozent der Cannabis-Konsumenten später auf harte Drogen zurückgreifen. Selbst die Weltgesundheitsorganisation hatte jüngst Cannabis als „Relatively Safe Drug” (zu deutsch: relativ sichere Droge) bezeichnet.

Konsum von Alkohol

Marlene Mortler äußerte sich nicht nur zur Legalisierung von Cannabis in Kanada, sondern auch zum übermäßigen Genuss von Alkohol – in Deutschland. Laut dem aktuellen Drogenbericht der Bundesregierung wird nämlich klar, dass jeder Sechste Alkohol in schädlichen Mengen zu sich nimmt. Infolge des hohen Alkoholkonsums entstünden pro Jahr Kosten für die Volkswirtschaft in Höhe von knapp 40 Milliarden Euro. Der Bericht belegt weiterhin, dass sich dieses Phänomen quer durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht.

Allen Unkenrufe zum Trotz, wird regelmäßig ausgeblendet, dass Marihuana in der Medizin bereits seit Jahren in vielen Ländern Verwendung findet. So wird in Israel medizinisches Marihuana bereits seit Jahren zur Behandlung von Arthritis, HIV, Parkinson oder Multiple Sklerose (MS) eingesetzt.

Bei gewissen Essstörungen wird es ebenfalls eingesetzt, natürlich unter ärztlicher Kontrolle. Ähnlich wie in einigen Bundesstaaten der USA oder den Niederlanden, wird medizinisches Cannabis auch in Deutschland verschrieben – seit 2008. Doch legal lässt sich Cannabis hier nicht erwerben, obwohl die Zahl der Für-Sprecher zunehmend größer wird.

Währenddessen hat die Bild-Zeitung verlautbaren lassen, dass zahlreichen Kanadischen Verkaufsstellen allmählich das Marihuana ausgeht.

Kommentare (1)

Überall dort, wo Cannabis legal an Erwachsene verkauft wird, wird der Schwarzmarkt geschwächt, Justiz und Polizei entlastet. Es entstehen tausende sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Ein sowieso vorhandener Markt wird legal und kontrollierbar. Es werden Milliarden an Steuern eingenommen. In Colorado werden diese z.B. zu einem großen Teil für Bildung und Prävention ausgegeben. Die Folge: Die Zahl jugendlicher Cannabis-Konsumenten sinkt! Während sie in Deutschland trotz (oder wegen?) des Verbots seit Jahren stetig steigt. Was soll also die Kritik von Frau Mortler & Co.? Ein "weiter so" in der Cannabispolitik würde bedeuten, dass in Deutschland auch in Zukunft der Schwarzmarkt das Monopol behält. Komplett ohne Alterskontrolle und Jugendschutz – und natürlich ohne Qualitätsstandards. Steuereinnahmen gibt es auch keine. Milliarden versickern weiter in dunklen Kanälen. Die Polizei muss weiter viele Arbeitsstunden und Milliarden an Steuergeldern für einen sinnlose Verfolgung aufwenden. Warum ignorieren die Legalisierungsgegner diese Tatsachen eigentlich so vehement? Warum glauben sie es, besser zu wissen und kritisieren andere Länder, obwohl die Verbotspolitik nachweislich so krachend gescheitert ist? Und übrigens, auch wenn es stimmen sollte, dass "der Stoff binnen der letzten Jahre immer stärker" geworden ist. Das wäre nur ein weiterer Grund für einen legalen, aber eben regulierten Verkauf. Dann kann man den THC-Gehalt genau angeben und ggf beschränken.