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Lernfähige Software

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Computer erkennt Hautkrebs besser als Ärzte

Forscher aus Deutschland, den USA und Frankreich haben einen Computer mit mehr als 100.000 Bildern von gefährlichen Melanomen und gutartigen Leberflecken gefüttert.
Forscher aus Deutschland, den USA und Frankreich haben einen Computer mit mehr als 100.000 Bildern von gefährlichen Melanomen und gutartigen Leberflecken gefüttert.
A9999 Unihautklinik Tübingen

Wissenschaftler haben einen Computer mit Bildern von Melanomen und gutartigen Leberflecken gefüttert. Das Programm ist mittlerweile treffsicherer als Dermatologen.

Gerade beim schwarzen Hautkrebs ist eine Früherkennung überlebenswichtig. Wissenschaftler der Universitätsklinik Heidelberg haben nun eine Software entwickelt, die zuverlässiger Hautkrebs diagnostiziert als Dermatologen. Dazu fütterten die Forscher aus Deutschland, den USA und Frankreich den Computer mit mehr als 100.000 Bildern von gefährlichen Melanomen und gutartigen Leberflecken. Mithilfe eines lernfähigen Programms trainierten sie den Computer anhand dieser Bilder, Merkmale von Krebs zu erkennen und zu analysieren.

Anschließend legten sie dem Computer weitere 100 Bilder mit besonders schwierig zu erkennenden Hautveränderungen vor. Gleichzeitig sollten 58 Dermatologen aus 17 Ländern ihre Einschätzung zu den Fotografien abgeben. Im Durchschnitt erkannten die Ärzte anhand der Bilder 86,6 Prozent der Hautkrebsfälle, der Computer hingegen 95 Prozent. Zudem identifizierte der Computer seltener gutartige Leberflecken als bösartig, was hilft, unnötige Operationen zu vermeiden.

Der Computer habe weniger Fälle von schwarzen Hautkrebs übersehen und besitze daher eine „höhere Sensibilität als die Hautärzte”, sagte der Hauptautor der Studie Holger Hänßle von der Uniklinik Heidelberg der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Allerdings sei der Computer nur auf Melanome und gutartige Leberflecken trainiert. Im wirklichen Leben gebe es unzählige andere Hautkrebstypen, räumt Hänßle ein.

Technologie wird ständig weiterentwickelt

Doch die auf Künstliche Intelligenz beruhende Technologie wird ständig weiterentwickelt. Am Anfang steht dabei zunächst immer ein Experte, der einen sogenannten Trainingsdatensatz erstellt. Dabei kann ein durch intelligente Algorithmen gesteuerter Computer mit so umfangreichen Datensätzen arbeiten, die kein Mediziner überblicken kann. Darunter auch neueste Forschungsergebnisse, die bisher in der Medizin noch keine Anwendung fanden. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ein Computer den Arzt irgendwann komplett ersetzen wird.

Auch bei Brustkrebspatientinnen untersuchten die Forscher, ob sich allein über Bilder ein gutartiger Tumor von einem bösartigen unterscheiden lässt, ohne dafür einen Eingriff machen und Gewebeproben entnehmen zu müssen. Hier schnitt der Computer allerdings nicht besser ab als erfahrene Radiologen. Das könnte sich jedoch ändern, wenn mehr Daten für eine Analyse zur Verfügung stehen.

Vor allem sollen solche intelligenten Programme helfen, mit der Flut an medizinischen Daten fertig zu werden. Bei einer Computertomographie beispielsweise fallen bei einem Patienten mehrere Tausend Bilder an, die ein Arzt auswerten muss. Mit einem selbstlernenden Programm würde das sehr viel Zeit sparen.