Nicht für immer und ewig

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Markt für Tattoo-Entfernungen boomt

Körperschmuck als Modetrend: Erst werden Tattoos mühsam in einer stunden- oder gar tagelangen Prozedur auf die Haut gebracht,  ...
Körperschmuck als Modetrend: Erst werden Tattoos mühsam in einer stunden- oder gar tagelangen Prozedur auf die Haut gebracht,  ...
Marius Becker/dpa

Die Bilder auf der Haut sind cool, das ist auch an den Körpern vieler Fußballstars bei der WM zu sehen. Doch immer mehr Menschen wollen die Verzierungen auch wieder loswerden – das ist aber gar nicht so einfach.

Es war für immer, aber jetzt muss es weg. Kristiana schaut auf ihren linken Oberarm: Da galoppiert – etwas verblasst – ein kleines dunkelblaues Einhorn. Vor über 25 Jahren hat sie sich das unbeholfene Wesen als Tattoo stechen lassen, ein Mädchentraum-Märchenmotiv. „Ich war so jung“, sagt sie, das Einhorn sieht inzwischen aus wie ein Pony. Kristiana ist Arzthelferin, alleinerziehend, und mit den Märchen hat es sich irgendwie erledigt. Das Tattoo passt nicht mehr zu ihr, findet sie und will es weghaben.

Damit ist sie nicht allein, im Gegenteil. Der Markt für die Entfernung von Tattoos boomt. Rund 700 000 Menschen in Deutschland sind mit ihren Tattoos unzufrieden, schätzt der Bochumer Dermatologe Klaus Hoffmann. Er bezieht sich auf eine im Mai vorgestellte Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Uni Bochum und diverser Tattoo- und Piercingverbände. Danach tragen 6,3 Millionen Menschen in Deutschland ein Tattoo, andere Schätzungen sprechen von bis zu acht Millionen. Etwa zehn Prozent wollen es wieder loswerden.

Aber wie? Es werden immer wieder neue Verfahren zur Entfernung entwickelt, „eine Meldepflicht an Behörden oder eine behördliche Prüfung gibt es aber nicht“, heißt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Medizinern sehen andere Anbieter skeptisch

Die erfolgversprechendste Methode ist das Lasern - auch wenn es andere, zum Teil hochumstrittene und schmerzhafte Verfahren gibt wie das Abschleifen der Haut, Behandlung mit Milchsäure bis hin zur Transplantation. Hoffmann ist sozusagen Tattoo-Entfernungs-Experte. Als Leiter des Laserzentrums des Landes Nordrhein-Westfalen arbeitet er seit Mai 2013 mit dem 300 000 Euro teuren Laser „Picosure“ – damals war er in Europa Pionier, inzwischen sind in Deutschland vier dieser Geräte im Einsatz. Sie gehen mit ultrakurzen Energieimpulsen auf die Farbpigmente des Tattoos los und zersetzen sie, so dass der Körper sie abtransportieren kann. Rund 5000 Patienten hat er in den letzten zwölf Monaten behandelt, zehn bis 15 am Tag sind es, die Termine über Monate ausgebucht.

Aber neben Medizinern tummeln sich auch zahlreiche andere Anbieter auf dem Tattoo-Entfernungsmarkt. Kosmetikstudios bieten diese Leistung an ebenso wie Tattoo-Studios selbst oder etwa die Kette „tattoolos“, die unter anderem Niederlassungen in Berlin hat. Über 10 000 Behandlungen seien von dem Unternehmen in den sechs Jahren seit Gründung an rund 2000 Patienten durchgeführt worden, sagt Besitzer Markus Lühr. „Wir haben extreme Zuwächse, die sich Jahr für Jahr verdoppeln.“ Das Unternehmen verwende hochwertige, bis zu 30 000 Euro teure Laser, „keine Billigware von Ebay wie manche Kosmetikstudios“, betont Lühr.

Krankenkasse zahlt nicht

Dermatologen sehen da keinen rechten Unterschied; medizinische Laien bleiben medizinische Laien, sagen sie – und die dort verwendeten Laser hinkten oft zwei bis drei Technikgenerationen hinterher. „Nur Ärzte sollten lasern“, fordert Hoffmann ebenso wie die Deutsche Dermatologische Lasergesellschaft (DDL). Rechtlich gesehen ist das Lasern in einer Grauzone angesiedelt – denn die kosmetischen Geräte unterliegen im Gegensatz zu den medizinischen keinen strengen Kontrollen.

Die Prozedur der Entfernung ist nicht nur fachlich anspruchsvoll, sondern auch teuer: Zwischen 100 und 200 Euro kostet eine Entfernung in Studios, Behandlungen mit Picosure kosten 300 bis 500 Euro. Da mehrere Sitzungen nötig sind – je nach Gerät und Tattoo zwischen fünf und zwölf – muss locker ein kräftig vierstelliger Betrag investiert werden. Die Krankenkasse zahlt dafür nicht.