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Wie Senioren richtig Kontakte knüpfen

Eine Partie Rommé in Gesellschaft: Das kann älteren Menschen helfen, sich weniger einsam zu fühlen.
Eine Partie Rommé in Gesellschaft: Das kann älteren Menschen helfen, sich weniger einsam zu fühlen.
Jens Büttner

Wieder liegt eine Todes­anzeige eines Freundes im Briefkasten: Im Alter wird der Kreis der gleichaltrigen Bekannten immer kleiner. Für neue Kontakte gibt es kein Patentrezept.

Fünf bis zwanzig Prozent der Senioren in Deutschland berichten von ausgeprägten Einsamkeitsgefühlen – die Zahlen differieren je nach Studie. Der Anteil ist bei Männern und Frauen annähernd gleich, wie Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) feststellten. Entscheidend ist dabei nicht, ob die Senioren alleine leben: Wer über ein intaktes Netz von Sozialkontakten verfügt, empfindet das Alleinsein nicht als Belastung, ergab ihre Untersuchung.

Doch was tun, wenn dieses Netz reißt, wenn wichtige Bezugspersonen verloren gehen? „Das ist ein ganz großer Einschnitt“, sagt Claudia Hartmann, Leiterin des Senioren- und Generationenreferats des Diakoniewerks Essen. „Plötzlich sind alle Zukunftspläne zunichtegemacht.“ Das Gefühl der Einsamkeit sei ganz normal – und es sollte von Angehörigen nicht kleingeredet werden. „Die Aufforderung „Jetzt geh‘ doch mal wieder unter Leute“ ist wenig hilfreich“, sagt Hartmann.

Alleinsein ist keine Frage des Alters

Sinnvoller sei es, die Betroffenen zu fragen: „Wie bist du denn früher mit dem Alleinsein umgegangen?“ Denn Einsamkeitsgefühle sind kein Phänomen des Alters, sie können in jeder Lebensphase auftreten. „Allerdings wird es in höherem Alter schwieriger, neue intensive Kontakte zu knüpfen“, sagt Claudia Hartmann. Freundschaften ergeben sich nicht mehr so selbstverständlich wie in jungen Jahren. Und nicht jeder schätzt die unverbindliche Geselligkeit eines Seniorentreffs: „Das ist wie mit dem Seniorenteller: Das Senioren-Etikett schreckt viele ältere Menschen ab“, sagt Prof. Michael Hüll, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Geriatrie und Gerontologie am Universitätsklinikum Freiburg.

Ein Spaziergang mit der Nachbarin

„Es müssen gar nicht immer gleich die großen Aktivitäten sein“, sagt Hartmann: „Man kann auch einfach der Nachbarin, die einem schon so lange sympathisch ist, einen gemeinsamen Spaziergang vorschlagen.“ Männer hätten oft Freude an einer gemeinsamen praktischen Tätigkeit. Das kann ein Ehrenamt sein, aber auch eine Wandergruppe. Schwieriger ist der Weg aus der Einsamkeit, wenn der Körper nicht mehr mitspielt und das Verlassen der eigenen Wohnung immer mühsamer wird. Hier setzen Besuchsdienste an, die von vielen Wohlfahrtsverbänden angeboten werden. Bei der Aktion „NAHbarn“ in Jena beispielsweise besuchen Ehrenamtliche einmal in der Woche ältere Menschen in deren Wohnung. Die Organisatoren achten besonders darauf, dass sich Senior und Helfer sympathisch sind. „Denn es geht hier nicht um Haushalts- oder Pflegedienste, sondern darum, Gesellschaft zu leisten, zuzuhören, Zeit zu schenken“, erläutert Kathrin Lange-Knopsmeier von Tausend Taten, einem Verein für bürgerschaftliches Engagement, der das Projekt verantwortet.