KAMPF UM FRÜHCHENSTATIONEN

Protestbrief aus der Seenplatte an Gesundheitsminister Spahn

„Das kann und darf nicht sein“, warnen der Landrat und Neubrandenburgs OB vor Verlusten in der medizinischen Versorgung. Auch im Kreistag der Seenplatte steht das Thema auf der Tagesordnung.
Der Status der Frühchen-Station im Neubrandenburger Bonhoeffer-Klinikum ist in Gefahr.
Der Status der Frühchen-Station im Neubrandenburger Bonhoeffer-Klinikum ist in Gefahr. Marcel Kusch
Neubrandenburg ·

In einem gemeinsamen Schreiben an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn drängen der Landrat des Kreises Mecklenburgischen Seenplatte, Heiko Kärger, und Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt auf den Erhalt der Frühchenstation am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Speziell geht es um den Status als „Perinatalzentrum Level I“, der die Behandlung von Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1250 Gramm ermöglicht.

„Nicht Fallzahlen dürfen bestimmen sein”

Diese Versorgung mit einer neuen „Mindestmengenregelung“ von 25 Fällen pro Jahr in Frage zu stellen, bedeute gerade für strukturschwache Räume „ein Außerkraftsetzen der flächendeckenden medizinischen Versorgung“, mahnen die Verwaltungschefs. „Das kann und darf nicht sein.“ Die neue Regelung gefährde die Frühchen-Versorgung in der Vier-Tore-Stadt, im Landkreis Seenplatte und im östlichen Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

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Kärger und Witt fordern daher den Erhalt des Perinatalzentrums Level 1 am Bonhoeffer-Klinikum. Es dürften nicht Fallzahlen bestimmend sein, „wenn es darum geht, Neu- und Frühgeborenen, die eine besondere Fürsorge in den ersten Lebenswochen benötigen, den Start ins Leben zu ermöglichen“. Damit berufen sich beide auch auf den Chefarzt der Neubrandenburger Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Sven Armbrust, der Qualitätskriterien statt Mindestmengen gefordert hatte.

Bundestag entscheidet heute

Die Ende 2020 erlassene Richtlinie, der zufolge auch die Frühchen-Versorgung in der Universitätsmedizin Greifswald zur Disposition stünde, ist heftig umstritten. Erst recht, da mit einem neuen Gesetzentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium das Recht der Länder gestrichen werden soll, trotz unterschrittener Mindestzahlen an medizinischer Versorgung festzuhalten. Dieses Gesetz soll heute im Bundestag verabschiedet werden.

In den vergangenen Tagen hatten bereits die Landtagsabgeordneten Sebastian Ehlers (CDU) und Torsten Koplin (Die Linke) sowie der Linke-Fraktionsvorsitzende in der Neubrandenburger Stadtvertretung, Toni Jaschinski, ihrer Sorge um die Frühchen-Station Ausdruck gegeben. Energischen Einsatz für deren Erhalt fordern auch die Fraktionen der AfD und der Linken in Anträgen für den Seenplatte-Kreistag am kommenden Montag.

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