Leipziger Buchmesse

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Greifswalder „im Dienste des Textes“

Erik Münnich hat zusammen mit Freunden den Freiraum-Verlag gegründet. Mit dem den neuesten Roman des Ueckermünders Uwe Saeger geht es nun zur Buchmesse nach Leipzig. F
Erik Münnich hat zusammen mit Freunden den Freiraum-Verlag gegründet. Mit dem den neuesten Roman des Ueckermünders Uwe Saeger geht es nun zur Buchmesse nach Leipzig. F
Stefan Sauer

Ein kleiner Buchverlag aus der Hansestadt will sich im hart umkämpften Markt behaupten. Erstmals geht der Freiraum-Verlag jetzt auf die Messe in Leipzig. Bekanntester Autor ist Uwe Saeger, dessen Roman „Faust Junior“ vor dem Branchentreffen erscheint.

Mit einem ambitionierten Programm drängt ein kleiner Literaturverlag aus Greifswald auf den Buchmarkt. Erstmals seit seiner Gründung vor zwei Jahren wird sich der Freiraum-Verlag im März auf der Leipziger Buchmesse präsentieren und sieben Titel vorstellen – darunter auch den neuesten Roman des bekannten Literaten Uwe Saeger. Der Saeger-Roman „Faust Junior“ ist zugleich die erste Hardcover-Produktion des Verlages.

Der Buchmarkt ist hart umkämpft. Das Statistische Bundesamt zählt deutschlandweit rund 2200 Verlage. Wer wahrgenommen werden will, benötigt eine laute Stimme, viel Unterstützung durch Werbung, Rezensionen, Lesungen sowie gute Platzierungen seiner Bücher in den Buchhandlungen.

„Viele gute Literaten finden heute kaum noch statt, weil sie keinen Verlag finden“, sagt Verlagsgründer Erik Münnich. Er wolle es anders machen: Gute Literatur und Wirtschaftlichkeit sollten keine sich ausschließenden Gegensätze sein. Auch Saeger – für sein literarisches Schaffen in vergangenen Jahren immerhin mit renommierten Preisen wie dem Ingeborg-Bachmann-Preis (1987) und dem Adolf-Grimme-Preis (1993) geehrt – ereilte dieses Schicksal in einem auf immer kurzfristigeren finanziellen Erfolg orientierten Literaturbetrieb. Sein Manuskript „Faust Junior“ fand keine Abnehmer.

Münnich möchte seinen Autor von A bis Z begleiten

Auf einer Lesung der Freiraum-Autorin Silke Peters trafen sich Münnich und der in Ueckermünde lebende Saeger. Es gebe keine Vorbehalte, sagt Saeger über den zwischen Verleger und ihm praktizierten offenen Umgang. 2013 erschien in dem kleinen Verlag als erstes gemeinsames Projekt die Saeger-Erzählung „Der Mensch von heute“. Für Saeger ist die Zusammenarbeit ein Abenteuer, wie er sagt. Für den Verlag dürfte sie eine große Herausforderung sein.

Münnichs Selbstverständnis als Verleger, einen Autor von A bis Z zu begleiten, mag altmodisch anmuten. Er möchte ein Verleger sein, der ein offenes Ohr für die Bedürfnisse und Wünsche des Autors habe. „Ohne Autoren gibt es keine Verlage. Ich stehe im Dienste des Autors, des Textes.“ Zugleich zieht er auch Grenzen: Mit jedem verkauften Buch müsse wenigstens ein Euro Gewinn erwirtschaftet werden. Gedruckt und gebunden werden die Bücher im Nachbarland Polen.

Zwischen 2005 und 2013 studierte der Verlagsgründer in Greifswald Germanistik. „Literatur ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens“, sagt Münnich über sich. Parallel zum Studium strebte der heute 30-Jährige in den Verlagsbereich, holte sich das Rüstzeug von Leipziger Verlagskollegen. Mit Hilfe von Risikokapitalgebern gründeten er und zwei weitere Greifswalder Anfang 2012 den Freiraum-Verlag. Zur finanziellen Anfangsausstattung und den Auflagenhöhen macht der Verlag keine Angaben. Nach zwei Jahren Verlagstätigkeit mit bislang 14 Titeln sind sie jedoch zuversichtlich, 2014 erstmals schwarze Zahlen schreiben zu können.

Mittlerweile kann der Verlag Autoren auswählen

Münnich, der sich das Lektorat zusammen mit einer freien Lektorin teilt, sucht gezielt nach Autoren, von deren literarischer Qualität er überzeugt ist. Im Jahr 2012 debütierte der Verlag mit dem Kurzprosaband „Alles ist noch zu begreifen“ des wortmächtigen Autoren Jürgen Landt. Die zweite Auflage des Buches soll in diesem Jahr erscheinen. Die in Stralsund lebende Autorin Silke Peters veröffentlichte im gleichen Jahr im Verlag ihre Erzählung „Ich verstehe nichts vom Monsun“. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird Peters poetische Fiktion als Geheimtipp gelobt. Werke von neun Autoren hat der Freiraum-Verlag bislang veröffentlicht. Mit zwei Titeln, einer Neuübersetzung von Prudenci Bertrana „Josafat oder Unsere Liebe Frau von der Sünde“ und Peter Krohs „Die Lausitzer Slawen. Ein Rückblick in die Zukunft“ startete Münnich eine erste Verlagsreihe. Ihr Titel: „Regionale Literaturen Europas“. Mittlerweile erreichen den Verlag so viele Einsendungen von Autoren, dass der Verlag auswählen könne.

Neben 30 weiteren Ausstellern aus dem Nordosten begibt sich der Freiraum-Verlag mit seinen Autoren nun erstmals in den Leipziger Messemarathon, der am 13. März beginnt. Lesungen der Verlagsautoren Uwe Saeger, Silke Peters, Paulina Schulz, Jürgen Landt, Peter Kroh, Odile Endres und Jürgen Buchmann sind geplant. Auf der Buchmesse hat der Greifswalder Verlag eine Standfläche von zwei mal zwei Metern angemietet. Für die Mietkosten hat der Verlag eine Förderung beim Landesförderinstitut beantragt. Doch die wurde abgelehnt, weil der Nettomietbetrag unter 1000 Euro lag.