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Im Greifswalder Kakteenhaus blüht der Weiber-Sisal

Der Kustos des Botanischen Gartens, Peter König, zeigt im Greifswalder Kakteenhaus den sogenannten Weiber-Sisal mit seinem gewaltigen Blütenstand.
Der Kustos des Botanischen Gartens, Peter König, zeigt im Greifswalder Kakteenhaus den sogenannten Weiber-Sisal mit seinem gewaltigen Blütenstand.
Ralph Sommer

Genau 250 Jahre ist her, als der Pflanzenkundler Gustav Wilcke an der Greifswalder Stadtmauer den „Hortus medicus“ gründete und damit den Grundstock für den Botanischen Garten legte. Zum Jubiläum laden Forscher am Wochenende zu Führungen ein.

Mehr als fünf Meter hoch hat sich die riesige Blütenstaude binnen weniger Wochen in den Gewächshaushimmel geschoben. „Im Juni begann der Blütentrieb plötzlich aus der Pflanze zu wachsen“, sagt Peter König, Kustos des Botanischen Gartens der Universität Greifswald. Nur noch wenige Tage, dann öffnen sich die Knospen zum ersten und zum letzten Mal im Leben der mächtigen Agave. Der sogenannte Weiber-Sisal im Greifswalder Kakteenhaus wird gleich nach der Blüte absterben. Zuvor aber soll das botanische Wunder pünktlich zum 250. Jubiläum des Botanischen Gartens Greifswald, zahlreiche Besucher entzücken.

Die Anfänge der botanischen Sammlung gehen auf das Jahr 1763 zurück, als der Pflanzenkundler Gustav Wilcke zwischen Universitätsgebäude und Stadtmauer seltene Gewächse pflanzte. Einige, inzwischen verwilderte Gewächse des ehemaligen „Hortus medicus“ sind dort noch heute zu finden. Im Jahre 1886 ließ Julius Münter an einer später nach ihm benannten Straße eine Gewächshausanlage anlegen. Aus jener Zeit stammt noch ein mächtiger Ginko, der mit einem Stammdurchmesser von über einen Meter die heute 1600 Quadratmeter große Gewächshausanlage überragt. 1934 kam die Gehölzsammlung dazu. Das acht Hektar große Arboretum mit Bäumen und Sträuchern aus allen Klimazonen gilt heute als grüne Lunge am Beitz-Campus. Zum Bestand des Botanischen Gartens gehören mittlerweile rund 6000 lebende Pflanzenarten. „Hinzu kommen über 3000 Pflanzenbelege in wertvollen Herbarien. Manche von ihnen stammen sogar noch aus dem 17. Jahrhundert“, sagt König. In den Sammlungen getrockneter und gepresster Pflanzen fänden sichauch inzwischen seltene Spezies wie die Kornrade, die in den alten Beschreibungen als allgegenwärtiges Feld-Unkraut bezeichnet wird, nach Einzug der modernen Feldwirtschaft und Saatgutbereinigung aber hierzulande inzwischen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht. Zu den Highlights der Greifswalder Einrichtung gehört ferner eine imposante Orchideensammlung mit rund 500 tropischen Orchideenarten, die für wissenschaftliche Zwecke verjüngt und vermehrt werden.

Forschung zu fleischfressenden Pflanzen

Zum Jubiläum werden die Mitarbeiter auch über aktuelle Forschungsprojekte berichten. Dazu gehören Untersuchungen an sogenannten Kannenpflanzen, fleischfressenden Gewächsen mit kannenartigen Insektenfallen, in denen sich Verdauungsflüssigkeit befindet. Unlängst hatten die Forscher zusammen mit Zoologen herausgefunden, dass in freier Natur bestimmte Fledermausarten in den Kannen übernachten. Die Tiere seien resistent gegen die enzymhaltige Verdauungssäure, fänden somit Schutz in den pflanzlichen Höhlen und bedankten sich für das Quartier mit Kotresten, die den Pflanzen als Dünger dienten, sagt König. Mit seiner 250-jährigen Geschichte gehört der Botanische Garten zu den älteren in Deutschland. Die Einrichtung steht seit Jahren mit etwa 400 Partnern weltweit in Kontakt, um Samen auszutauschen.