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Kreis wehrt sich gegen Vorwürfe

Dreck, Gewalt und Angst: Die Greifswalder Flüchtlingsunterkunft steht in der Kritik. Der Betreiber ist auch für die Heime in Anklam, Wolgast und Torgelow verantwortlich.
Dreck, Gewalt und Angst: Die Greifswalder Flüchtlingsunterkunft steht in der Kritik. Der Betreiber ist auch für die Heime in Anklam, Wolgast und Torgelow verantwortlich.
Gabriel Kords

Die Kritik an den Zuständen in einem Flüchtlingsheim weist der Landkreis barsch zurück. Aber dass die Bilder von demolierten Fluren, Küchen, Bädern echt sind, will man nicht bestreiten.

Toiletten laufen über, Speisereste kleben an Herd und Backofen, Möbel sind zertrümmert. Dazwischen ein Pressesprecher des Betreibers im dunklen Anzug, der beschwichtigt. Der Fernseh-Bericht des NDR über eines der Flüchtlingsheime im Landkreis hat eine heftige Debatte ausgelöst. Unzumutbar für die Flüchtlinge oder doch eher eine Zumutung, wie die Bewohner mit den Unterkünften und der Einrichtung umgehen? Im Auftrag des Kreises betreibt European Homecare neben dem angeprangerten Heim in Greifswald auch die zentralen Unterkünfte in Anklam, Wolgast und Torgelow.

Und einmal mehr wird Kritik an dem Betreiber laut. „Es rächt sich, dass der Landkreis bei der Auswahl des Betreibers nur auf den Preis, das billigste Angebot, geschaut hat“, so Gregor Kochhan, Mitglied im Bündnis „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!“. Im Netz dagegen häufen sich die Kommentare, die die Flüchtlinge in der Verantwortung für den Zustand des Heimes sehen.

Gebäude nicht für intensive Nutzung ausgelegt

Der Landkreis geht noch einen Schritt weiter. Sozialamtsleiter Gerd Hamm übt heftige Kritik an der Berichterstattung. „Ich war sehr irritiert und weiß nicht, was man damit bewirken will“, sagt er. Noch wenige Stunden vor der Ausstrahlung sei er in der Greifswalder Unterkunft gewesen. Dort sei das Bild ein ganz anderes. Der Bericht gebe einen verfälschten Einblick und verzerre die Realitäten. „Natürlich gibt es in so einem Haus immer wieder Schäden“, so Hamm.

Auch weil das Gebäude für eine solch intensive Nutzung durch rund 150 Bewohner gar nicht ausgelegt sei. „Wir leben bei der Unterbringung der Asylbewerber von der Hand in den Mund“, sagt er. Das Gebäude stehe auf dem Prüfstand, aber noch sei nicht klar, ob und wie eine Sanierung bei laufendem Betrieb möglich sei. Doch die defekten Toiletten und Duschen, die der NDR im Beitrag gezeigt habe, seien längst repariert. Natürlich würden die Unterkünfte regelmäßig kontrolliert, Schäden behoben.

Aufbau von Druck, um eigene Wohnung zu bekommen?

Doch es geht nicht nur um den Verschleiß im Gebäude. Eingetretene Türen, zerstörte Möbel, Dreck in den Küchen. Was ist damit? Natürlich würden die Bewohner eine Mitverantwortung für die Ordnung und Sauberkeit im Haus haben. „Aber in jeder städtischen Turnhalle können sie sehen, dass es Menschen gibt, die sich nicht an Regeln halten“, sagt Hamm.

Unter den Flüchtlingen gebe es aber noch andere Faktoren, die eine Rolle spielen. „Da werden auch mal Maßnahmen ergriffen, um bestimmte Behördenentscheidungen herbeizuführen“, ist er überzeugt. Natürlich hofften gerade Familien mit Kindern auf eine dezentral Unterbringung in einer eigenen Wohnung. Über die Zustände im Heim werde auch versucht, Druck aufzubauen. Doch der Landkreis verfüge derzeit nicht über genügend Unterkünfte. „Natürlich würden wir uns wünschen, dass wir zumindest Familien anders unterbringen könnten. Aber die Heime erfüllen alle Ansprüche einer menschenwürdigen Unterkunft“, so Hamm.