Denkmal-Einsatz
Subbotnik mit 140 Leuten in der „Straze“

Anpacken für ein neues kulturelles Zentrum in Greifswald. Ein altes Sofa landet im Sperrmüll-Container.
Anpacken für ein neues kulturelles Zentrum in Greifswald. Ein altes Sofa landet im Sperrmüll-Container.
Oliver Wunder

Das ehemalige Gesellschaftshaus „Zum Greif“ stand jahrelang leer. Doch die „Straze“, so wie es bei vielen heißt, hat einen neuen Besitzer. Der veranstaltete erstmal einen Arbeitssamstag.

140 freiwillige Helfer füllen beim gemeinschaftlichen Anpacken die Stralsunder Straße 10 („Straze“) in Greifswald endlich wieder mit Leben. Sechs Jahre stand sie leer. Ein Investor hatte das Haus 2007 von der Universität gekauft. Erst plante er dort Studentenwohnungen, dann stellte er einen Abrissantrag, der aber abgelehnt wurde. Nach jahrelangem Tauziehen ist seit Kurzem der Verein Kultur- und Initiativenhaus Besitzer des ehemaligen Gesellschaftshauses „Zum Greif“. „Wir wollen an die Geschichte des Hauses anknüpfen und einen offenen Ort für Veranstaltungen, Begegnung, Vereine und Wohnen schaffen“, sagt Manja Graaf, Sprecherin des Vereins. Doch vorher muss der Müll raus, Staub gefegt und Schäden begutachtet werden.

Wie fleißige Ameisen tragen die zahlreichen Helfer vergammelte Sofas, zersprungene Toilettenschüsseln und kaputte Schränke aus dem Gebäude. Zwei Denkmalschützer werfen einen prüfenden Blick auf den Müll, damit ja kein historisch bedeutsames Stück weggeworfen wird – erst dann landet er im Sperrmüll-Container. Die neuen Besitzer wollen das denkmalgeschützte Gebäude schließlich erhalten und seinen historischen Zustand sichern. Darum haben sie jahrelang gekämpft.

Das 1846 bis 1849 erbaute Gebäude hat unter dem jahrelangen Leerstand gelitten. Beim Aufräumen kommen auch kuriose Fundstücke ans Licht. „Unter den Dielen des Dachgeschosses haben wir alte Briefe gefunden“, sagt Kulturhistoriker Felix Schönrock. „Ein Brief von 1743 und eine Abrechnung von 1912, unterzeichnet von dem letzten Gastwirt des Gesellschaftshauses.“ Die Briefe wurden als Dämmmaterial genutzt.

Ebenfalls eine Sensation ist der Fund eines Raums, der zugemauert war. „Er war uns aus Akten bekannt, wir haben ihn aber nie gefunden“, sagt Markus Dachner, Hobby-Archäologe. Im Raum steht eine alte Ruderanlage der Universität. Die Fundstücke sollen später ausgestellt werden. Vielleicht ja auch in der fertig sanierten „Straze“. Aber das kann noch dauern. Für die Sanierung sind mindestens sieben Jahre angesetzt.