ANGRIFF BEIM EINSATZ

Tierretter wird mit Waffe bedroht

In Greifswald kam es zu einem tätlichen Angriff auf ein ehrenamtliches Mitglied der Tierrettung. Groteskerweise wurde er mit einem Einbrecher verwechselt und bedroht - mit nachhaltigen Folgen.
Kevin K. ist ehrenamtliches Mitglied bei der Tierrettung Greifswald. Eigentlich sind die Tierretter in ihrer auffälligen Uniform klar als solche zu erkennen. Dennoch wurde er für einen Einbrecher gehalten.
Kevin K. ist ehrenamtliches Mitglied bei der Tierrettung Greifswald. Eigentlich sind die Tierretter in ihrer auffälligen Uniform klar als solche zu erkennen. Dennoch wurde er für einen Einbrecher gehalten. Tilo Wallrodt
Das Einsatzfahrzeug der Tierrettung Greifswald Dieses Fahrzeug parkte in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Bereich Loitzer
Dieses Fahrzeug parkte in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Bereich Loitzer Landstraße vor einem Privathaus. Die Bewohner fürchteten nach dem Klingeln, es mit einem Einbrecher zu tun zu haben und verständigten ihre Söhne. Tilo Wallrodt
Vorpommern.

Der Schock sitzt noch tief bei Kevin K., dem ehrenamtlichen Mitglied vom Verein Tierrettung Greifswald. Am vergangenen Samstagabend wurde er nach Greifswald beordert, da sich dort an der Loitzer Landstraße ein herrenloser Golden Retriever rumtrieb. Ein Routine-Einsatz, wie ihn der 28-Jährige schon oft erlebt hat.

Durch einen erhaltenen Hinweis klingelte er gegen 23.30 Uhr bei einem Haus im Bereich um den Spielplatz an der Wolfgang-Koeppenstraße, wo er den Besitzer des Hundes vermutete. Es öffnete jedoch niemand und so stellte er sein Einsatzfahrzeug vor dem Haus ab und machte sich zu Fuß auf die Suche nach dem Herrchen des Retrievers, den er schließlich auch fand und den Hund ordnungsgemäß übergab. Ein erfolgreicher Einsatz ging also zu Ende.

Zwei Gestalten lauerten ihm am Auto auf

Doch auf dem Rückweg zu seinem Einsatzwagen, kurz nach Mitternacht, lauerten ihm zwei Gestalten am Fahrzeug auf. Diese stellten sich als die Söhne der im Haus lebenden Familie raus, wo Kevin K. zuvor vergeblich klingelte. Mit bedrohlicher Stimme wollten sie von dem Tierretter wissen, was er hier zu suchen habe und wieso er nachts am Haus der Eltern klingele. Nach mehreren Erklärungsversuchen von Kevin K. wurden die beiden Gestalten unfreundlicher und sollen sogar ein Messer gezogen haben. „Zunächst habe ich überhaupt nicht den Ernst der Lage begriffen, ich war doch bloß ein Tierretter, der versuchte einen Hund zurückzuführen.

Erst als das Messer gezogen wurde, sie mich beleidigten und mein Leben bedrohten, begriff ich es. Meine Beine wurden schwer und ich bekam Atemprobleme“, schildert Kevin K. den Vorfall. Erst als er mit den beiden Söhnen auf das Grundstück der Familie ging, entspannte sich die Situation ein wenig, auch weil die mittlerweile angerückte Polizei das Missverständnis auflöste. Die Bewohner des Hauses waren offenbar durch das nächtliche Klingeln irritiert gewesen und fürchteten Einbrecher, woraufhin sie ihre Söhne verständigten. Die Polizei wurde von einer anonymen Hinweisgeberin kontaktiert, die auf den Vorfall aufmerksam wurde. Das Messer mit dem Kevin K. bedroht wurde, war allerdings beim Eintreffen der Beamten plötzlich verschwunden.

Ehrenamtler hat seither Schlafstörungen

Das sogenannte Missverständnis hat beim Tierretter noch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Seit dem Vorfall lassen ihn die Bilder nicht mehr los und vorerst hat er keine Schichten mehr bei den Tierrettern übernommen. Auch Schlafstörungen suchen den 28-Jährigen heim, der gerade eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert.

Auf Facebook meldete sich der Verein Tierretter Greifswald am Sonntagabend dann selbst zu Wort und machten die Sache öffentlich. „Man hört es ja immer wieder, dass Einsatzkräfte behindert oder sogar tätlich angegriffen werden, aber wir haben bisher eigentlich nur positive Resonanz bekommen. Deshalb sind wir alle total geschockt,“ so Einsatzleiter Klaus Kraft. „Nach dem Ereignis haben wir beschlossen, dass niemand mehr alleine zu einem Einsatz fahren muss – gerade nachts. Es gab auch bereits Angebote, die uns Selbstverteidigungskurse offerierten. Da werden wir jetzt auch drüber nachdenken.“ Eine Anzeige wegen Bedrohung wurde bereits aufgenommen. Die Kriminalpolizei nimmt nun die Ermittlungen dazu auf.

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Kommentare (2)

Einen Hund einfangen und nächtens durch die Gegend herumirren und bei Fremden klingeln. Gute Besserung wünsche ich dem Tierretter.

Die beiden Männer scheinen ganz schön überfordert gewesen zu sein. Messer zücken ist völlig überreagiert. Wie man mal wieder sieht sollte man statt solcher Polizeispiele doch die Klärung den echten Beamten überlassen.
Es stand nirgends etwas von herumirren- der Mann ist einem Hinweis nachgegangen - einer anderen Person.
Naja irgendwann halt dann kein Ehrenamt mehr bei solchen Vorfällen.