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Grillen vom Grill: Insekten auf dem Speiseplan

Finden Heuschrecken bald auch den Weg auf die Speisekarten der westlichen Länder?  FOTO: Wolfgang Duveneck

VonHanns-Jochen KaffsackEs mag seltsam klingen, doch Ernährungsexperten wollen mehr proteinreiche Insekten auch auf unsere Teller bringen.Rom.Leckere ...

VonHanns-Jochen Kaffsack

Es mag seltsam klingen, doch Ernährungsexperten wollen mehr proteinreiche Insekten auch auf unsere Teller bringen.

Rom.Leckere Libellen, Grillen vom Grill, dazu geröstete Käfer oder ein Zikaden-Barbecue – steht all das auf dem Speiseplan der Zukunft? Für viele Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika gehören Insekten schon zu den täglichen Nahrungsmitteln – vor allem, wenn Fleisch und Fisch rar sind. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom lädt jetzt dazu ein, im Westen die „Ekel-Schranke“ gegen die eiweißreichen Tierchen abzubauen und mehr regelrechte Aufzuchtfarmen etwa in Südostasien zu errichten. Denn der internationale Handel mit essbaren Insekten ist bislang unbedeutend.
Weil Hunderte von Millionen Menschen weltweit hungern und es auch sonst gute Gründe dafür gibt, kommt die FAO nach langen Forschungen auf die fast 2000 essbaren Insektenarten auf der Erde zurück. Während sich weltweit etwa zwei Milliarden Menschen zumindest teilweise von Insekten – darunter auch Bienen, Ameisen, Raupen und Wasserwanzen – ernähren, finden sie sich in Europa nur auf exotischen Märkten oder auf den Tellern von Einwanderergruppen. Die Verbraucher, die Politik und die Investoren des Nahrungssektors müssten über Vorzüge der Insekten in Aufklärungskampagnen noch informiert werden, so die FAO.
„Die Insekten, so zeigt sich, produzieren weniger Treibhausgase und Ammoniak als Kühe und Schweine. Sie benötigen deutlich weniger Land und Wasser als die Viehzucht.“ So wirbt die UN-Organisation in ihrer am Montag veröffentlichten Bestandsaufnahme über die essbaren Insekten für einen Ausbau der Aufzucht auf speziellen Farmen. Denn das schafft Arbeitsplätze, die auch noch ökologisch nachhaltig sind. Dabei liefern viele Insekten im hohen Maße ungesättigte Fettsäuren, viel Eisen, Fett, Mineralien und Vitamine. Als ein Vorteil gilt auch, dass diese Tierchen oft dort gesammelt oder gezüchtet werden, wo man, zumindest bisher, keine Pestizide anwendet. Vor allem in den Wäldern. Insekten wie Biene, Mistkäfer oder Ameise dienen zudem noch dem Öko-System – durch Pollenübertragung, die „Verarbeitung“ der organischen Abfälle oder Schädlingsvertilgung. Ob auch der westliche Mensch Geschmack an Insekten bekommt? Man kann es in Bangkok jedenfalls schon einmal probieren. Guten Appetit!