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Astrologie für Gärtner

Dem Mond werden geheimnisvolle Kräfte nachgesagt.
Dem Mond werden geheimnisvolle Kräfte nachgesagt.

Dem Mond werden geheimnisvolle Kräfte zugesprochen. Auch im Garten wird er gern als Helfer genutzt. Seit Jahren gibt es einen boomenden Markt für Mondkalender. Sie geben Tipps, wann welche Aufgaben erledigt werden sollten. Was steckt dahinter?

Vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein verbringt Gerlinde Bollow jede freie Minute in ihrem Garten. „Ich möchte die Natur erleben, sehen, wie alles wächst und gedeiht“, sagt die Hobbygärtnerin. Es falle ihr auch immer wieder etwas ein, das sie noch verändern könnte. Gern lasse sie sich dabei von Anregungen in Gartenzeitschriften inspirieren. So hat Gerlinde Bollow vor ein paar Jahren einen Mondkalender in einer Gartenzeitung entdeckt. „Ich bin offen für Neues und probiere gern mal was aus – warum nicht die Erfahrungen anderer nutzen“, sagte sie sich und legte los.

Der Kalender liegt seitdem griffbereit in ihrer Laube. „Er zeigt mir auf einen Blick, welche Tage für die Aussaat, Pflanzung und Pflege der Pflanzen geeignet sind sogar mit genauer Zeitangabe“, erklärt sie das bunte Blättchen, auf dem unterschiedliche Symbole zu sehen sind. „Die stehen für die vier Pflanzengruppen, nach denen der Mondkalender unterscheidet“, sagt sie und zählt auf: „Blatt-, Wurzel-, Frucht- und Blütenpflanzen. Die Einteilung richtet sich im Wesentlichen danach, welcher Pflanzenteil geerntet wird.“ Zum Wurzelgemüse gehören natürlich auch Kartoffeln. Mit deren Ernte war die Neubrandenburgerin in diesem Jahr sehr zufrieden. Ob es aber am Terminvorschlag des Mondkalenders lag, kann sie nicht mit Gewissheit sagen. Sie glaube einfach daran.

Erfahrungen früherer Generationen nutzen

So wie Gerlinde Bollow schwören viele Menschen darauf, dass das Bewirtschaften des Gartens im Einklang mit dem Mondkalender ihre Pflanzen kräftiger wachsen lässt und sie dadurch eine bessere Ernte haben. Schließlich hätten sich schon unsere Vorfahren damit beschäftigt, meinen sie.

Das sei schon richtig, sagt Brunhilde Bross-Burkhardt, die solchen Kalendern eher skeptisch gegenübersteht. Die promovierte Agrarwissenschaftlerin und Fachbuchautorin weist darauf hin, dass es in 500 Jahre alten Büchern Hinweise gibt, dass die Menschen den Einfluss des Mondes und der Planeten auf Pflanzen beachteten. Aber nach dem Zeitalter der Aufklärung glaubte kaum noch jemand an Mond- und Gestirnseinflüsse. Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckten anthroposophisch orientierte Gärtner die Vorstellungen von den Mond- und Gestirnskonstellationen wieder, überprüften die Theorien und interpretierten sie laut Bross-Burkhardt neu. Seit den 1980er Jahren boomen Mondkalender in den Ratgeber-Abteilungen der Buchhandlungen und seit jüngster Zeit auch im Internet.

Mondkalender werden kontrovers diskutiert

Untersucht wurde vor allem die Frage, ob der Mond durch seine Lichtwirkung Pflanzen besser gedeihen lassen kann. „Aber wie bei gesundheitlichen Aspekten auch sei der Einfluss des Mondes auf die Pflanzen nicht sicher wissenschaftlich belegt“, sagt Bross-Burkhardt.

Anders sieht das Kulturanthropologe und Fachbuchautor Manfred Neuhold. „Von den Gezeiten der Meere kennen wir, dass die Anziehungskraft des Mondes sich auf Wasser auswirkt.“ Diese Kraft habe auch Einfluss auf die auf- und absteigenden Säfte der Pflanzen. Daraus werden Zeitpunkte abgeleitet, wann bestimmte Arbeiten idealerweise gemacht werden. Versuche im Obstbau haben laut Neuhold gezeigt, dass ein Schnitt bei Vollmond die Bäume im darauffolgenden Jahr eher verkümmern lässt und sie weniger Früchte tragen. „Gut ist der Schnitt aber bei Neumond“, sagt der Autor eines Mondkalenders. Denn dann sind die Adern nicht so prall mit Wasser gefüllt, und folglich tritt weniger Saft aus den Schnittwunden aus.

Einer der neuzeitlichen Pioniere des Mondkalenders bei der Gartenarbeit war Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophischen Gesellschaft. Er empfahl die Aussaat einige Tage vor Vollmond. Dann drängt das Wasser besonders stark in die Blätter, erläutert Neuhold. Eine weitere Expertin, Lili Kolisko, griff die Theorie auf und legte Versuche an. Sie beobachtete, dass zwei Tage vor dem Vollmond ausgesäte Gemüse, Kräuter, Getreide und Zierpflanzen besser keimten und größer wuchsen. Viele Mondkalender berufen sich aber auf die Angaben von Maria Thun. Sie ging davon aus, dass der Mond zu bestimmten Zeiten an bestimmten Tierkreisbildern vorbeizieht und sich zu diesen Konstellationen der Planeten bestimmte Kräfte auf die Pflanzen spiegeln.

Darüber wird kontrovers diskutiert. Laut Bross-Burkhardt widerspricht diese Vorstellung jeglicher naturwissenschaftlicher Kenntnis. „Das ist reine Esoterik“, sagt die Agrarwissenschaftlerin, die vor langer Zeit einmal einen Kurs bei Maria Thun besucht hat. Doch trotz aller Kritik schreibt sie Mondkalender nicht ganz ab: „Auch wenn es vor allem ein Geschäftsmodell ist: Dahinter stehen oft Menschen, die wissen, wie man mit Pflanzen umgeht“, sagt sie. „Man kann sich daher schon daran halten. Es ist nicht komplett verkehrt, was darin steht. Denn wie jeder Gartenratgeber auch listet ein Mondkalender saisonal ohnehin übliche Aufgaben auf.“ Er könne also gut als eine Art Gedankenstütze dienen. Allerdings sollten Hobbygärtner sich zuallererst nach dem Wetter, den Bodenverhältnissen und den normalen Abläufen richtigen, rät sie.