:

Hochbetten zum Schlafen und Spielen

Platz für zwei und fürs Spielzeug: Ein Hochbett kann in kleinen Räumen sinnvoll sein. Es muss aber den Sicherheitsnormen entsprechen.
Platz für zwei und fürs Spielzeug: Ein Hochbett kann in kleinen Räumen sinnvoll sein. Es muss aber den Sicherheitsnormen entsprechen.
Silvia Marks

Man kann auf und unter ihnen herumtoben. Einige haben eine Rutsche, andere ein Dach. Oft sind sie mehr Spielplatz als Schlafstätte. Ist das sinnvoll?

In Kinderzimmern kann zum Spielen und Toben nie genug Platz sein. Hochbetten bieten hier einen entscheidenden Vorteil: Sie verlagern die Schlaffläche in die Höhe. Unter ihnen findet der Schreibtisch Platz oder gar eine tolle Spielhöhle. Aber manche Eltern sind skeptisch: Ist das Bett auch sicher?

Zweifel sind angebracht: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte verweist auf eine Untersuchung aus den USA, die sich auf in einer Notfallambulanz erhobene Daten stützt. Demnach ereigneten sich innerhalb von 15 Jahren über eine halbe Million Unfälle mit Stockbetten. Bei rund der Hälfte dieser Unfälle waren Kinder im Alter von unter sechs Jahren betroffen.

Dennoch hält Jörg Schriever, Beauftragter des Verbandes für Unfälle bei Kindern, Hochbetten nicht grundsätzlich für gefährlich: „Die meisten handelsüblichen Betten haben heute Rundumschutz, damit die Kinder nicht rausfallen, und weisen auch eine gute Standfestigkeit auf.“ Beim Kauf eines Hochbettes rät er, auf die gängigen Sicherheitsnormen zu achten. Dazu gehören die europaweite Norm EN 716, das GS-Prüfzeichen sowie auch zum Beispiel das Tüv-Siegel.

Ein Bett, das den Sicherheitsnormen entspricht, bietet nicht nur dem eigenen Kind Schutz. Die Eltern schaffen damit auch Rechtssicherheit: „Problematisch wird es, wenn die Freunde der Kinder zum Spielen kommen und durch die Betten toben“, erklärt der Sicherheitsexperte. „Bei unsachgemäßer Aufstellung sind dann die Eltern für Schäden haftbar.“ Schriever empfiehlt wegen der Unfallgefahr, kein Hochbett für Kinder im Vorschulalter anzuschaffen. Gänzlich ungeeignet sei das Möbel für Kinder im Alter von unter drei Jahren.

Kein Ersatz für den Spielplatz im Freien

Katja Runge, Gründerin des Internetportals Afilii für kindgerechte Einrichtung aus Berlin, rät, darauf zu achten, dass das Hochbett aus einheimischen Hölzern gefertigt ist. Das Einhalten von Umweltstandards sollte bei Produkten für den Nachwuchs selbstverständlich sein.

Eltern haben aber nicht nur Sicherheitsbedenken. „Ich finde die meisten Hochbetten nicht schön“, sagt Runge, die Mutter einer fünfjährigen Tochter ist. Die Expertin für Design von Kindermöbeln sieht vor allem die Nutzung des Hochbetts als Spielplatz mit einem Kletterpark aus Seilen oder einer Rutsche kritisch: „Ich finde Kinder sollten rausgehen zum Spielen und sich dort austoben.“ Das Bett soll kein Event-Parcours sein, sondern ein Ort der Ruhe und Geborgenheit, wo die Kinder in den Schlaf finden.

Außerdem wirken in den Augen der Einrichtungsexpertin die mit Spielangeboten überladenen Produkte vor allem in Stadtwohnungen, wo das Raumangebot begrenzt ist, zu monströs. Sie rät zu eher schlicht gestalteten Betten, die sich in der Raumwirkung zurücknehmen. Denn gerade im Kinderzimmer herrscht meistens Chaos, Spielzeug ist überall verteilt. Deshalb gilt hier für die Möbel: Weniger ist mehr. Ein Hochbett verändert sehr stark den Raum und bedarf einer durchdachten Gestaltung. Im Idealfall löst es zugleich Platzprobleme und sorgt für eine bessere Organisation des Zimmers.