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Igel lieben Ohrwürmer

Wenn der Winter seine Fühler ausstreckt, sollten Gärtner auch an ihre „Mitbewohner“ denken und sich um Igel und Co. kümmern. Matthias Lanin sprach mit Katja Burmeister vom Naturschutzbund Mecklenburg-Vorpommern über die Bedürfnisse der stachligen Untermieter.

Igel.JPG Foto: B. Jechow / pixelio
Igel.JPG Foto: B. Jechow / pixelio

An welche Wildtiere sollten Gärtner denken, wenn sie ihren Garten winterfest machen?

Ein naturbegeisterter Gärtner sollte eigentlich an alle Tiere denken, die in der Nähe des Menschen leben und sich im Garten wohlfühlen. Das sind Vögel, Insekten und unter den Säugetieren beispielsweise die Maus, der Maulwurf und der Igel.

Was brauchen Igel im Winter?

Ein Igel braucht im Winter vor allem Ruhe und ein geschütztes, trockenes Versteck, welches vor Kälte, Nässe und Wind schützt. Bei anhaltenden Bodentemperaturen um null Grad suchen Igel im November ihr Winterquartier auf. Winternester in Erdmulden, Hecken und Reisighaufen bieten dann ausreichenden Schutz gegen Kälte. Dort halten sie bis zum Frühjahr ihren Winterschlaf, nachdem sie sich im Herbst ein ausreichendes Fettpolster dafür angefressen haben. Bei Schlechtwetterperioden können Igel ihre Winterquartiere sogar bis in den Mai nutzen. Während der Winterschlafzeit verlieren sie übrigens 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts.

Können gute Bedingungen dazu führen, dass man zu viele Tiere im Garten hat und sie nicht mehr los wird?

Wie Füchse, Elstern und andere Tiere zieht es auch Igel aus der ausgeräumten Agrar-landschaft zunehmend in menschliche Siedlungen und Gärten. Hier finden sie Lebensraum, Nahrung und Unterschlupf in Hecken, Sträuchern, Holzstapeln, Laub- und Reisighaufen oder im Schuppen. Es leben mehr Igel in Dörfern und Städten als in der offenen Landschaft. Aber Igel sind Einzelgänger oder leben in kleinen Familien – Mutter mit Jungtieren. Und sie bleiben einem einmal gewählten Standort meist treu. Daher wird man in seinem Garten meist nur einen Igel oder eine Igelfamilie antreffen und darüber sollte man sich freuen.

Welche gesetzlichen Verpflichtungen hat man im Umgang mit Tieren dieser Art?

Igel sind Wildtiere und stehen somit wie alle anderen Wildtiere auch unter Naturschutz. Es ist verboten, sie zu fangen und sie wie Haustiere zu halten. Die beste Igelpflege ist die Schaffung eines passenden Lebensraumes mit blühender Wiese, heimischen Hecken, Beerensträuchern, viel Nahrung wie Insekten sowie guten Nestmöglichkeiten in Holzstapeln, Reisig- und Laubhaufen. Benutzen Sie also keine Laubsauger, sondern harken Sie das Laub im Garten am besten auf einen Haufen! Schon ist ein mögliches Igelquartier geschaffen.

Was sollte man mit den eigenen Haustieren machen, falls sie auf unerwünschte Jagd gehen wollen?

Jagdfreudige Hunde sollte man stets an der Leine führen, damit sie keinem Wildtier hinterherjagen. Gerade im Herbst und Winter leben die meisten Wildtiere auf „Sparflamme“ und brauchen all ihre Energie, um zu überleben. Eine sinnlose Hetzjagd würde dem Wildtier lebensnotwendige Energie entziehen. Und sollte die Hauskatze ein begeisterter Jäger sein, lassen Sie die Katze lieber nur tagsüber raus und nachts im Haus.

Darf man Igel füttern?

Igel sind Wildtiere, keine Haustiere. Zufüttern ist bei Igeln daher nur vor und nach dem Winterschlaf als kleine Unterstützung zu rechtfertigen. Nicht artgerechtes Futter führt zu Verdauungsstörungen. Igel sind Insektenfresser. In der Abenddämmerung und nachts macht sich der Igel laut schmatzend an Laufkäfer, Regenwürmer, Schnecken, Spinnen oder die Larven von Nachtschmetterlingen heran. Ohrwürmer sind für Igel eine besondere Delikatesse.

Der Tierfreund sammelt also Ohrwurm für Ohrwurm?

Nein, das ist natürlich zu mühsam. Gefüttert werden sollte Katzendosenfutter vermischt mit Igeltrockenfutter oder Haferflocken, auf keinen Fall Speisereste oder Milchprodukte. Milch wird von den Igeln zwar getrunken, sollte aber dennoch nicht angeboten werden, da es beim Igel zu Durchfall führen kann. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, muss unbedingt ein Tierarzt aufgesucht und fachkundiger Rat bei einer Igelpflegestation eingeholt werden.

Wo findet man diesen Rat?

Informationen und Unterstützung erhalten Sie bei den örtlichen Naturschutzverbänden sowie bei der Unteren Naturschutzbehörde. Pflegefälle werden manchmal in Zoologischen Gärten oder beim Tierarzt entgegen genommen. Weitere Informationen zum Thema Igel erhalten Sie auch beim Verein Pro Igel e.V. (www.pro-igel.de) oder bei der Arbeitsgemeinschaft Igel (www.Igelratgeber.de).