Reinigen leicht gemacht

:

Putzkurs für Saubermänner – Herren mögen’s blitzeblank

Wolfgang Huber (Mitte) möchte den Haushalt schmeißen, jetzt wo er Rentner ist. So erhofft er sich mehr gemeinsame Zeit mit seiner Ehefrau. Marcus Pinsel (rechts) zeigt ihm und den Kursteilnehmern, wie es richtig geht.
Wolfgang Huber (Mitte) möchte den Haushalt schmeißen, jetzt wo er Rentner ist. So erhofft er sich mehr gemeinsame Zeit mit seiner Ehefrau. Marcus Pinsel (rechts) zeigt ihm und den Kursteilnehmern, wie es richtig geht.
Daniel Karmann

„Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann“, hieß es einst in einem Schlager. Doch längst ist das Reinemachen nicht mehr nur Frauensache. Eine Gebäudereiniger-Innung bietet Putzkurse an – nur für die Männer.

„Reinigen ist das Einfachste, was es gibt“, sagt Marcus Pinsel. „Eigentlich muss man sich nur merken: Gleiches löst Gleiches.“ Also Säure mit Säure, Fett mit Fett – mehr brauche es im Großen und Ganzen nicht. Die Teilnehmer eines Putzkurses nur für Männer in Nürnberg lauschen, nicken, machen sich Notizen. Und stellen eifrig Fragen: Unlängst habe die Enkeltochter den neuen Filzstift am Mobiliar getestet. Ob die Reinigung mit einem Bleichmittel denn die richtige Wahl gewesen sei, erkundigt
sich ein Mann. „Sicher“, antwortet Pinsel. „Jetzt haben Sie halt einen Fleck, der durchsichtig ist. Das ist
dann ähnlich effektiv wie eine Fleckenschere.“

Die Putzkurse der Gebäudereiniger-Innung für den Haushaltsgebrauch seien aus einer Schnapsidee entstanden, erzählt Obermeister Marcus Pinsel. „Dass das
derart großen Zulauf hat, hätte ich niemals erwartet.“ Zum inzwischen sechsten Kurs sind 30 Herren im gesetzten Alter gekommen.

Freiwillig? Ob jemand gezwungen worden sei von der Gattin, fragt Pinsel. Ein Herr meldet sich: „Doch doch, ich.“ Er erntet verständnisvolles Lachen. „Aus Spaß an der Freude“ sei er hier, sagt Herbert. Er habe „immer schon gerne Fenster geputzt“ und wolle den Rest auf sich zukommen lassen. Der Rest, das ist ein bisschen Theorie und viel Praxis. Das ist Aufräumen mit Irrglauben wie „viel hilft viel“ oder
hinsichtlich gängiger, zumeist kostspieliger Reinigungsmittel. Viele davon hat Marcus Pinsel auf einem Tisch aufgebaut. Nach und nach verschwinden die meisten – als überflüssig enttarnt.

Anstelle teurer Reiniger – helfen oft Hausmittel

Essigreiniger zum Armaturenputzen? Bringt nichts außer Grünspan. Hochgiftiger Rohrreiniger, um Verstopfungen zu lösen? Lieber kochend heißes Wasser nehmen, das habe den gleichen Effekt und sei völlig biologisch. Pinsel erklärt „die Allzweckwaffe Glasreiniger“, mit der sich beinahe alles lösen lasse. Im Gegensatz zu den meisten anderen Produkten gelte hier allerdings: „Je teurer, desto besser.“ Wegen des höheren Alkoholgehalts. Mit viel Witz und Überraschungseffekten lernen die Männer, dass Olivenöl nicht nur gut ist im Salat, sondern auch Marmorböden poliert und Laminat reinigt. Dass Glaskorrosion und Tee-Flecken am besten mit Salz und einem Korken verschwinden, und dass als sauber empfunden wird, was duftet.

Ein bisschen Waschpulver vor dem Staubsaugen auf dem Boden zu verteilen habe genau diesen Effekt. Und statt teurem Textil-Duft dient ein Waschmittel-Wasser-Gemisch als Erfrischer. 25 Euro kostet der Putzkurs inklusive Urkunde und „kleinem Fleckenlexikon für Männer“. Der Absolvent kann dann hinterher sparen: Kartoffelschalen bringen Spülbecken zum Glänzen, Zitronen Besteck und die Mikrowelle.