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Schneebälle, die duften

Die Blüten der Sorte ‚Dawn‘ duften intensiv. Foto: M. Nickig
Die Blüten der Sorte ‚Dawn‘ duften intensiv. Foto: M. Nickig
Marion Nickig

Der Schneeball ist als Winterblüher Lichtblick im derzeit kargen Garten. Seine unzähligen winzigen Blüten gleichen Schneeflocken, die sich zu einem Schneeball formen. Drei Sorten erfreuen uns in diesen Wochen. Nicht alle blühen in Weiß.

Das passt nicht zum Winter: Ein Strauch, der Blüten trägt. Und dazu noch intensiv duftet. Spielt die Natur jetzt verrückt? Sind es kleine weiße bis rosafarbene Blüten, die in einem kugeligen Blütenstand dicht beieinander stehen, kann man ganz klar antworten: Das ist normal, denn es handelt sich um eine der im Winter blühenden Arten des Schneeballs.

„Die frühe Blütezeit und die kugelige Form der voll aufgeblühten Blütenstände haben zum deutschen Namen der Gattung geführt“, erläutert Veit Martin Dörken vom Botanischen Verein Bochum und Biologie-Dozent an der Universität Konstanz. Botanisch wird diese Gattung als Viburnum bezeichnet. Sie umfasst rund 200 Arten, die vor allem in Ostasien verbreitet sind. Aber es gibt auch heimische Arten wie den Gewöhnlichen Schneeball (Viburnum opulus) und den Wolligen Schneeball (Viburnum lantana).

„Auch wenn der größere Anteil der Schneeball-Arten erst im Frühling oder Vorsommer blüht, haben die winterblühenden Arten mit ihrem weitstreichenden Duft einen besonderen Wert als Solitärsträucher in der ansonsten blütenarmen Winterzeit“, findet Veit Martin Dörken.

„Drei Arten spielen in diesen Wochen eine besondere Rolle“, erläutert Oliver Fink vom Verband der GartenBaumschulen. Das sind der Bodnant-Schneeball (Viburnum x bodnantense), der Duftende Schneeball (Viburnum farreri) und der Lorbeerblättrige Schneeball (Viburnum tinus). Der Duftende Schneeball stammt aus Nord-China. Die Knospen haben einen leichten rosafarbenen Hauch, die Blüten werden dann schneeweiß sein. Ihr Duft ist besonders intensiv. Die Blütezeit beginnt im Dezember und endet im April, wenn bereits die ersten Blätter ausgetrieben sind. Wie beim Bodnant-Schneeball sind die bereits voll geöffneten Blüten des Duftenden Schneeballs bei Temperaturen unter minus fünf Grad gefährdet. Sie werden braun. Für kleine Gärten oder die Bepflanzung von Kübeln empfiehlt Dörken die kompakte und dicht verzweigte Zwergform ‚Nanum‘. Ihr einziger Nachteil: Sie hat verglichen mit der Stammform deutlich weniger Blüten.

Der Bodnant-Schneeball ist eine Hybride aus dem Duftenden Schneeball und dem Großblütigen Schneeball (Viburnum grandiflorum). Die Pflanze ist in Wales entstanden und nach dem Ort Bodnant benannt worden. „Die Hybride ist wahrscheinlich der häufigste bei uns gepflanzte Schneeball“, sagt der Botaniker Dörken. Er erblüht teils schon im November. Die Knospen und Blüten sind erst tief rosa und werden später im Verblühen weiß. Als Sorten empfiehlt der Baumschulgärtner Fink die Sorten ‚Dawn‘ mit intensivem Duft und dunkelrosa Blüten sowie die intensiv rosafarbene ‚Charles Lamont‘. Wie bei dem Duftenden Schneeball zählt die leuchtend rote Herbstfärbung zu den zusätzlichen besonderen Eigenschaften dieses Winterblühers. Fink empfiehlt für den Bodnant- und den Duftenden Schneeball einen sonnigen bis halbschattigen Standort. „Die Pflanzen brauchen einen guten, durchlässigen und humosen Boden“, erläutert der Baumschulgärtner. Auf nassen, lehmigen Böden drohen Pilzkrankheiten.

Der Lorbeerblättrige Schneeball kann sehr gut im Kübel gedeihen – etwa auch im kühlen Wintergarten. Im Garten sollte er einen geschützten Platz haben. „Viburnum tinus pflanzt man an Stellen ohne Wintersonne“, erläutert Fink. Diese Art verträgt einen Schnitt sehr gut, so dass der Hobbygärtner Figuren wie Kugeln oder Hochstämmchen formen kann. Allerdings entfernt man bei einem Schnitt die Fruchtstände – und die sind beim Lorbeerblättrigen Schneeball mit den glänzenden, stahlblauen Früchten sehr dekorativ.