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Wenn Ameisen im Haus zur Plage werden

Derzeit herrscht in Mecklenburg-Vorpommern eine Ameisenplage. Kammerjäger können die Schwarzen Wegameisen giftfrei mit einem Pulver aus geriebenen Muscheln bekämpfen.
Derzeit herrscht in Mecklenburg-Vorpommern eine Ameisenplage. Kammerjäger können die Schwarzen Wegameisen giftfrei mit einem Pulver aus geriebenen Muscheln bekämpfen.
Tim Brakemeier

Ein paar Ameisen im Garten, kein Problem. Auf der Terrasse stören sie aber schon, und wenn sie ins Haus kommen und sich durch nichts vertreiben lassen, liegen die Nerven blank.

Ameisen über Ameisen. Im vorigen Jahr hat Familie Pommerehnke sie zum ersten Mal an ihrem Haus in Dümmer bei Schwerin entdeckt. Neben einem Fenster an der Südseite kamen sie aus einer Ritze. In diesem Jahr wieder, noch mehr. „Wenn wir dagegen geklopft haben, waren es Hunderte, die die Fassade entlang liefen”, sagt Verena Pommerehnke.

Die kleinen Plagegeister hätten sich in die Dämmung des gerade erst zwölf Jahre alten Hauses hineingefressen. Vor einem Jahr war der Anstrich erneuert worden, leuchtend gelb. Das sei wohl ein Fehler gewesen, meint die Hausbesitzerin heute. Gelb sei beliebt bei Insekten. Ihre Versuche, die Tiere mit handelsüblichem Ameisenspray zu vertreiben, brachten nichts.

Im Juli suchen die Ameisenköniginnen Orte für neue Staaten

Der zu Hilfe gerufene Kammerjäger Ralf Matschiner rückt den wärmeliebenden Schwarzen Wegameisen mit geriebenen Muscheln zuleibe, giftfrei, wie er betont. Sie tragen das Pulver ins Nest hinter der Fassade. „Das trocknet die Ameisen aus”, sagt er. Um den Anmarsch neuer Ameisen zu verhindern, hat er zusätzlich doch Gift gestreut, auf Zuckerbasis.

Der Juli ist die Zeit für Ameisenplagen. Tausende der geflügelten Ameisenköniginnen fliegen aus und suchen Orte für neue Staaten. In Gärten und Parks, unter Straßenpflaster und Gehwegplatten der Städte, auf Terrassen, in Häusern, Kantinen, Bäckereien – überall machen sich Ameisen breit. Es sind viele Tausend, die zu einem Volk gehören und nur schwer zu verjagen sind.

Mit Backpulver gegen die Insekten-Invasion

Als der Ameisenexperte schlechthin in Mecklenburg-Vorpommern gilt Kay Gloyna vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) in Rostock. Der 41-Jährige will die Ameise nicht allein als lästiges, beißendes Insekt sehen. „Ameisen beeinflussen ihre Umwelt nachhaltig positiv, indem sie pflanzliches Material abbauen, die oberen Erdregionen durch ihr Tun umschichten, dabei auch Pflanzensamen verbreiten und im Ergebnis die Bodenstruktur verbessern”, erklärt der Biologe.

Allerdings: Dass Ameisen Blattläuse vernichten, ist ein Irrglaube. „Blattläuse ziehen Ameisen magisch an. Sie fressen deren süße Ausscheidungen und sorgen so letztlich für ein sauberes Umfeld, während sich die Blattläuse beispielsweise an Rosen zu schaffen machen.”

Während Ameisen im Garten vielleicht noch geduldet werden, müssen sie im Haus bekämpft werden. Das sieht auch der Biologe so und führt hygienische Gründe an sowie die Zersetzung von Holz und anderen Baumaterialien. Dabei helfen könnten schon im Handel erhältliche Ameisenköder oder auch traditionelle Methoden, wie das Verstreuen von Backpulver entlang der Laufwege. Entscheidend sei, dass die Mittel auch die Königin erreichen, um die gesamte Kolonie zu beseitigen. Wenn alles nicht helfe, müsse der Schädlingsbekämpfer ran.

Bisher sind in Mecklenburg-Vorpommern rund 50 Ameisenarten bekannt, wie Gloyna berichtet. Bundesweit sind es 120, in Europa etwa 200 und weltweit 13.000 Arten.