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Helfende Hände sind inzwischen Mangelware

André Philipp ist seit Anfang Mai Ein-Euro-Jobber in der Gemeinde Siedenbollentin. Bis 31. Oktober wird er dabei helfen, für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen. [KT_CREDIT] FOTO: P. Jasmer

VonPaulina JasmerundJana OttoBislang konnten sich die Bürgermeister auf den Einsatz von Ein-Euro-Kräften in vielen Dörfern verlassen. In diesem Jahr ist ...

VonPaulina Jasmer
undJana Otto

Bislang konnten sich die Bürgermeister auf den Einsatz von Ein-Euro-Kräften in vielen Dörfern verlassen. In diesem Jahr ist das jedoch anders.

Siedenbollentin/Burow/Rosenow.Der Regen der vergangenen Tage hat Flora und Fauna in der Region noch einmal einen kräftigen Schub verpasst. Es grünt und sprießt an allen Ecken. Doch mit dem Frühling sehen sich die Gemeinden auch einer Herausforderung gegenüber: Ihnen fehlen Ein-Euro-Jobber.
Der Gemeinde Siedenbollentin stehen immerhin noch zwei Ein-Euro-Jobber zur Verfügung. „Doch früher hatten wir vier oder fünf“, sagt Bürgermeister Torsten Haker auf Nachfrage. „Mehr sind für unsere Gemeinde nicht übrig“, fügt er mit Bedauern hinzu. André Philipp ist einer der Hilfskräfte, die dem Siedenbollentiner Gemeindearbeiter aktuell zur Hand gehen.
Die Gemeinde Burow hingegen hat in diesem Jahr noch gar keinen Ein-Euro-Jobber von der Demminer Beschäftigungsgesellschaft Ökotech – die auch die beiden Siedenbollentiner Arbeitskräfte betreut – bekommen, wie Bürgermeisterin Heidelinde Kurzhals berichtet. Ob überhaupt noch jemand kommt, entziehe sich ihrer Kenntnis, sagt sie. Heidelinde Kurzhals hofft derweil auf die Grundstückseigentümer in der Gemeinde und verweist in diesem Zusammenhang auf die Straßensatzung. Private Flächen müssten demnach von den Besitzern sauber gehalten werden, sagt sie. Organisierte Gemeindeeinsätze würden sich eher nicht so großer Beliebtheit erfreuen, fügt sie hinzu.
Dieser Rückgang der Arbeitsgelegenheiten hat seine Ursache vor allem in gesellschaftlichen Entwicklungen. „Die Arbeitslosenquote ist in den vergangenen Jahren ständig gesunken. Somit wurde auch das Geld für Eingliederungsmaßnahmen weniger“, erläutert Roland Bengelsdorf, stellvertretender Geschäftsführer des Demminer Jobcenters. Standen 2010 noch 16,8 Million Euro bereit, sind es in diesem Jahr nur noch 5,5 Millionen. Die Prioritäten für das Jobcenter liegen auf dem 1. Arbeitsmarkt, so bleibt weniger Geld für die Ein-Euro-Jobs übrig.
So müssen sich die Bewohner der Gemeinde Rosenow, die ihren derzeit einzigen Ein-Euro-Jobber von der gemeinnützigen Landschafts-Entwicklungsgesellschaft (LEG) Rosenow bezieht, in Geduld üben. Denn überall gleichzeitig können die wenigen helfenden Hände eben nicht sein. „Und außerdem brauchen wir doch nicht überall englischen Rasen. Es darf auch Wiese sein“, sagt Bürgermeister Norbert Stettin.
LEG-Geschäftsführer Uwe Witt hingegen weist auf Nachfrage noch einmal darauf hin, dass Gemeinden angehalten seien, ihren Pflichtaufgaben selbst zu realisieren. Ein-Euro-Jobber würden nur dann genehmigt, wenn sich deren Aufgaben der Gemeinnützigkeit und Wettbewerbsneutralität zuordnen ließen. „So sind die Vorschriften, die wir nicht ändern können“, so Uwe Witt.

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p.jasmer@nordkurier.de